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Florian

  • Es lebe der König!
Re: Netzneutralität - Wem gehört das Internet?
Antwort #76: April 23, 2013, 19:09:22
Die eigenen Dienste auszunehmen ist natürlich aktive Diskrimierung der Mitbewerber.

Wenn das rechtlich Bestand hat, ist das neutrale Internet Geschichte.
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Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit, das Geheimnis der Freiheit aber ist der Mut.
Thukydides
Re: Netzneutralität - Wem gehört das Internet?
Antwort #77: April 24, 2013, 06:50:36
Ich staune ein bisschen über die Drosselung bei erreichten 75 GB/Monat, im günstigsten Tarif.

Da komme ich im ganzen Jahr nicht hin. ;D


Das könnte aber auch mit meinem Speed, von immer noch weniger als 1.000 KBit/sec. zusammenhängen.
Die 50 MBit-Leitung der Telekom liegt bei uns im Dorf, ist aber noch nicht angeschlossen. Die Gemeinde versucht die Telekom gegen Vodafon auszuspielen. Im Nachbarort liegt nämlich eine Vodafonleitung mit 100 MBit.
Ich bin nicht sicher, ob sich die beiden Riesen tatsächlich von einer kleinen Gemeinde unter Druck gesetzt fühlen oder für einen solchen Fall ein abgesprochenes Standardverfahren anwenden. ;)
Re: Netzneutralität - Wem gehört das Internet?
Antwort #78: April 24, 2013, 07:47:52
Die Drosselung soll ja nur Neuverträge betreffen.

Ich vermute, das bedeutet, jede Vertragsänderung (vielleicht auch die automatische Verlängerung nach 12 oder 24 Monaten?), macht den alten Vertrag zu einem Neuvertrag.
Alles andere macht wohl gar keinen Sinn, die Telekom hat doch immer weniger Neukunden, die Leute laufen doch seit Jahren weg.
Re: Netzneutralität - Wem gehört das Internet?
Antwort #79: April 24, 2013, 08:03:53
Da macht die Telekom (oder neudeutsch Drosselkom) eine ganz gefährliche Büchse auf. Wie man an den völlig überteuerten Mobilfunktarifen in Deutschland gut sehen kann, murrt der deutsche Michel zwar, bleibt aber trotzdem dabei. Und das Gefährliche dabei: Die anderen folgen recht schnell nach bei solchen Aktionen. Immer gerne genommen, Vodafone. Die ziehen im Mobilfunkbereich auch immer gerne den Vorreitern der Telekom nach (siehe Tarife/Preise, siehe NetLock des iPhone).

Die Provider mögen es einfach nicht, dass sie nicht einfach nur die Dienstleistung (Datentransfer) bereit stellen, sondern wollen an allem wie früher auch zusätzlich mit verdienen. Also Geld bekommen ohne eigene Leistung. Das sieht man auch gut an der Forderung an Apple, Amazon, Google, Microsoft etc., dass die für ihre Dienste an die Telekom Geld zahlen sollen. Gerne nennen die Provider dann, dass diese Firmen "Unmengen an Geld" verdienen und dabei kostenlos die Leitungen der Telekom nutzen. Das ist aber von vorne bis hinten gelogen. Jeder Contentanbieter muss für den entstandenen Traffic an den Übergabepunkten in ein anderes Netz bezahlen. Und auch die verschiedenen Netze zahlen jeweils an den Übergabepunkten. Auch der deutsche Nutzer zahlt den Traffic, den er sendet/empfängt an seinen Provider. D.h. der Traffic selber ist bezahlt, sowohl vom deutschen Nutzer, als auch vom Contentanbieter. Was die Provider "stört": Die Daten selber sind viel billiger als der in den Daten enthaltene Inhalt. Allerdings wäre die Telekom früher auch nicht auf die Idee gekommen, von Quelle, Otto oder Neckermann neben den Telefongebühren zusätzlich Geld zu verlangen, weil über ihre Telefonleitungen Geschäfte abgeschlossen werden.

Die Begründung der Telekom ist zwar einleuchtend, aber haarsträubend. Und durch die Bevorzugung der eigenen Dienste bzw. bei zusätzlicher Bezahlung eines Anbieters auch fremder Dienste geht die Netzneutralität völlig verloren. Ich hoffe, dass dem ein Riegel vorgeschoben wird.

Das könnte aber auch mit meinem Speed, von immer noch weniger als 1.000 KBit/sec. zusammenhängen.

Ja, das könnte es wohl, zusammen mit Deinem sich daraus ergebenden Nutzungsverhalten. :)

Andere mit besserer Leitung schauen sich evtl. Filme an (iTunes, Lovefilm etc.), da kommen schnell riesige Datenmengen zusammen. Oder sie nutzen intensiv Clouddienste (Fotostreaming von iCloud, Dropbox, Amazon S3 etc.), auch dann kann man schnell an solche Grenzen stossen.

Ich vermute, das bedeutet, jede Vertragsänderung (vielleicht auch die automatische Verlängerung nach 12 oder 24 Monaten?), macht den alten Vertrag zu einem Neuvertrag.

Jein. Die automatische Verlängerung sorgt nicht für eine Änderung, dabei bleibt man beim alten Vertrag mit den alten Konditionen.
Aber bei jedem Vertragswechsel fällt man unter die neuen Bedingungen.
Die Telekom kann durchaus auch die alten Verträge irgendwann mal kündigen und dann nach fehlendem Widerspruch in einen neuen Vertrag umziehen. Das hat sie vor kurzem auch mit Telefonkunden mit uralten Verträgen gemacht. Entweder neue Vertragsbedingungen oder Leitung tot.
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Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn, Verstand ist stets bei wen´gen nur gewesen." -- Schiller

Bonobo

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Re: Netzneutralität - Wem gehört das Internet?
Antwort #82: April 25, 2013, 09:34:52
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Re: Netzneutralität - Wem gehört das Internet?
Antwort #83: April 25, 2013, 09:53:28
Wenn es nicht so traurig wäre...

Ach komm, der Artikel ist doch die Drosselung fast wert. ;D
Re: Netzneutralität - Wem gehört das Internet?
Antwort #84: April 28, 2013, 14:18:05
Ausgenommen bleiben telekomeigene Internetdienste wie Telefonie (All-IP), Entertain (Videothek, TV & Radio) oder Spotify (Musik)

Das lila T rechtfertigt: telekomeigene Internetdienste, wie z.B. Videoload ohne extra GrundGebühr werden weiterhin gleich & neutral behandelt:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Telekom-Chef-weist-Kritik-an-Drosselplaenen-zurueck-1851226.html

Florian

  • Es lebe der König!
Re: Netzneutralität - Wem gehört das Internet?
Antwort #85: April 28, 2013, 23:14:24
Genau, Videoload, das gegen Youtube und co. sowieso keine Rolle spielt.

Dagegen Entertain, das starke Konkurrenten hat. Fakt ist, für Lovefilm und Watchever und iTunes und wer da sonst noch nach Deutschland kommen wollte, wird es jetzt verdammt schwer haben.

Wenn das alles so schön transparent sein soll, soll die Telekom doch einfach keine „Flatrates" verkaufen, sondern GB-Kontingente.

Jetzt wird sich wohl folgendes entwickeln: Alle Filmdienste müssen sich mit einem Provider zusammen tun. Damit hat man mal wieder Leitung und Inhalt näher zusammen - was man doch eigentlich nicht mehr wollte.
Als Kunde muss man höllisch aufpassen, dass auch alles zusammen passt. Und trennen sich die Partner, kann man nicht gleich aus dem Vertrag und, und, und.

Es war und ist ein großer Fehler, der Telekom überhaupt diese Entertain-Schiene zu erlauben. Hätten sie die nicht, würden sie auch nicht so frech vorgehen. Dann müssten sie sich mit den VoD-Anbietern einigen oder generell die Preise anheben.

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Thukydides
Re: Netzneutralität - Wem gehört das Internet?
Antwort #86: April 29, 2013, 14:47:12
Ich glaube ja, dass durch das Medienecho das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Hoffe also auf einen Rückzieher seitens der T-Com. Vielleicht ist der Rössler mal für irgendetwas Vernünftiges gut.
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«Das Internet? Gibt's diesen Blödsinn immer noch?»  (Homer Simpson)
Re: Netzneutralität - Wem gehört das Internet?
Antwort #88: Mai 02, 2013, 10:15:19
Deutsche Telekom: "Wenn Youtube zahlt, werden sie nicht gedrosselt"

Und das ist der eigentliche Punkt an der Sache, wie ich eingangs schon erwähnte. Alle anderen gründe und Ausflüchte sind vorgeschoben. Es geht einzig und allein darum, dass sie an den durchgeleiteten Daten zusätzlich(!) verdienen und einen Vorteil für die eigenen Dienste schaffen wollen.
BTW, bekommen sie schon wie jeder andere Carrier auch für eingehenden Datenverkehr Geld und bekommen so indirekt von Youtube Geld. Es ist eben nicht wie behauptet, dass Youtube für den Datenverkehr nicht zahlen würde.

Mit dem Geständnis, dass sich jedes Unternehmen vom gezählt werden freikaufen kann, ist auch die Ausflucht vom Tisch, Entertain wäre ja kein normaler Internetdienst und es gehe um "Managed Services der Telekom", wenn es nicht gezählt wird.

Gegen Volumenverträge mit vernünftigen Preisen und keinem falschen Etikett (siehe der günstigste Tarif bei 1&1) hätte ich noch nicht einmal etwas. Aber das Aushebeln der Netzneutralität finde ich nicht nur bedenklich.
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Re: Netzneutralität - Wem gehört das Internet?
Antwort #89: Mai 02, 2013, 14:12:40
Genau, es spricht nichts gegen das Verursacherprinzip. Höhere Datenmengen -> höhere Kosten. Aber es darf keine billigeren, oderer teurere Bits geben. Und bitte realistische Preise:
Die Gestehungskosten für 100 GB betragen grob 1 €