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Der AppStore und die Verlage
radneuerfinder:
--- Zitat von: radneuerfinder am Februar 16, 2011, 17:24:09 ---Nach dem Willen Apples soll ich mein Bahnticket also demnächst inApp kaufen?
--- Ende Zitat ---
Nein. Das gilt alles nur für InhalteAnbieter.
MacFlieger:
--- Zitat von: warlord am Februar 16, 2011, 19:30:03 ---Aber wie dem auch immer ist. Fakt bliebe ja dann, dass der Schweizer Verlag an Apple nur zu 58% seines normalen Endverkaufspreises verkaufen könnte.
--- Ende Zitat ---
Ja. Der Verlag bekommt nur 59,5% des Endverkaufspreises. Klingt so einzeln betrachtet reisserisch und skandalös und deshalb wird das von den Verlagen auch immer nur genauso genannt.
Im normalen Verkauf bekommt der Verlag aber auch nicht 100%, sondern nach Zahlen von Branchenkennern noch weniger als diese 59,5%. Wird nur nicht erwähnt, weil das diese skandalöse Zahl etwas relativieren würde.
Aber der Vergleich mit dem Verkauf des Printproduktes sollte nicht der Maßstab sein, sondern eben ein Vergleich zu einem Verkauf eines elektronischen Produktes. Auch da bekommen die Verlage nicht 100%. Ab gehen auf jeden Fall die MWSt. (je nach Land mehr oder weniger als im AppStore). Dann gehen die Transaktionskosten für Kreditkarte ab. Das ist im niedrigpreisigen Bereich erheblich teurer als die 30% bis zu Verlusten. Und im hochpreisigen Bereich ist es weniger als die 30%. Zusätzlich noch die Kosten für Verwaltung, Hosting und Support.
Eigentlich sind wir uns doch schon einig, oder?
Die durchgängig 30%-Quote erzeugt eine "Ungerechtigkeit":
Bei Produkten mit niedrigem Preis ist das extrem wenig und ermöglicht überhaupt erst bei diesen kleinen Preisen überhaupt was rauszubekommen.
Bei Produkten mit hohen Preisen ist das hoch und über andere Wege würde man weniger Kosten haben.
Es bleiben doch vier Möglichkeiten meiner Meinung nach:
- Die 30% bleiben so und Produkte mit hohem Preis subventionieren dadurch Produkte mit niedrigem Preis.
- Apple führt leicht gestaffelte oder variable Kosten ein (wie bei Kreditkartentransaktionen üblich). Dann ist die Quersubventionierung geringer und die Erträge bei niedrigpreisigen Produkten werden erheblich schlechter, dafür werden die hochpreisigen Produkte attraktiver.
- Apple führt gestaffelte oder variable Kosten ohne Quersubventionierung ein (wie bei Kreditkartentransaktionen üblich). Dann wird es keine niedrigpreisigen Produkten mehr geben, da dort die Kosten höher als der Verkaufspreis sind.
- Die Quote bleibt fix und wird nach unten abgesenkt. Die aktuellen Zahlen im AppStore beinhalten ja nur die Apps und da sind eine Menge niedrigpreisiger Apps und kaum hochpreisige, was aktuell praktisch zu einer kostendeckenden Quote mit den 30% führt. Sollten in Zukunft mehr hochpreisige Apps, Abos oder Ähnliches verkauft werden, würde Gewinn erwirtschaftet werden oder dies Raum bieten, die Quote zu senken. Eigentlich ist das mein Favorit.
BTW, Google führt jetzt ein Konkurrenz-Produkt ein und nimmt fix 10% Kosten. Wenn das mal nicht irgendwo anders querfinanziert wird (über PayPal).
warlord:
--- Zitat von: MacFlieger am Februar 17, 2011, 08:47:49 ---Eigentlich sind wir uns doch schon einig, oder?
--- Ende Zitat ---
Wir sind uns bezüglich Preisgestaltung einig, dass schon die rein preislichen Konditionen des App Store für höherpreisige Angebote eher nicht konkurrenzfähig sein dürften. (Ja, die Gründe dafür haben wir erläutert. Darüber brauchen wir nicht mehr zu diskutieren.)
Alleine schon deshalb ist es doch mehr als verständlich, dass Anbieter solcher höherpreisigen Angebote mit Apple darüber diskutieren wollen und das "friss oder stirb" von Apple nicht einfach schlucken wollen. Wieso hier dann anscheinend immer noch fast alle der Ansicht sind, die Verlage sollen einfach die Schnauze halten und das Angebot von Apple entweder annehmen oder es halt bleiben lassen, bleibt mir irgendwie schleierhaft.
Was aber in all Euren Argumentationen fast vollständig ignoriert wird, ist doch die (eigentlich ungeheuerliche) Anmassung eines Zwischenhändlers, darüber zu bestimmen, zu welchen Preisen das Produkt seines Lieferant in anderen Kanälen verkauft werden darf. Üblicherweise kann ein Zwischenhändler mit seinem Lieferanten darüber feilschen, zu welchem Preis er kaufen kann. Auch kann er den Preis festlegen, zu dem er wiederverkauft. Aber ein Zwischenhändler, der seinem Lieferanten die Bedingung aufzwingen will, den Endpreis in allen übrigen Kanälen zu kontrollieren und Wettbewerb auszuschalten? Kann auf solche Konditionen irgend ein Lieferant, der sich etwas mehr Gedanken macht, als der Teenie-Entwickler einer 2.99 App, ernsthaft einsteigen? Kann man sich ernsthaft darüber wundern, dass professionelle Anbieter da nicht einfach unterschreiben?
FOX:
--- Zitat ---Wieso hier dann anscheinend immer noch fast alle der Ansicht sind, die Verlage sollen einfach die Schnauze halten und das Angebot von Apple entweder annehmen oder es halt bleiben lassen, bleibt mir irgendwie schleierhaft.
--- Ende Zitat ---
Eigentlich nur deshalb, weil doch jeder selbst mehrere Möglichkeiten hat, seine Dienste/Abos selbst zu vertreiben.
Warum machen sie es nicht?
Wenn ich für meine Kunden einen Preis anbiete, muss er den, wenn ich in der glücklichen Lage bin fast ein Monopol zu haben, annehmen. Beschwert sich der Kunde bei mir, könnte ich den Preis senken - oder eben nicht. Meine Sache.
Bekomme ich Konkurrenz die den Dienst billiger anbietet, kann der Kunde wechseln oder ich muss meine Preise senken.
Andere Möglichkeit wäre auch, eine eigene Abteilung aufzubauen die meine Arbeit erledigt. Dann wäre ich obsolet.
Angebot und Nachfrage. Freie Marktwirtschaft. Kapitalismus eben.
Ich vergleiche es mal mit MobileMe. Jedes Feature gibt es irgendwo umsonst, trotzdem nutzen viele Leute das kostenpflichtige Angebot. Warum? Weil es (meistens) funktioniert und einfach zu handhaben ist.
Das wäre mit den Abos der Verlage ähnlich. Bekäme ich es günstiger über einen Shop des Anbieters, würde ich vielleicht wechseln, wenn es denn ähnlich einfach zu handhaben wäre wie im AppStore.
MacFlieger:
--- Zitat von: warlord am Februar 17, 2011, 09:38:24 ---Wieso hier dann anscheinend immer noch fast alle der Ansicht sind, die Verlage sollen einfach die Schnauze halten und das Angebot von Apple entweder annehmen oder es halt bleiben lassen, bleibt mir irgendwie schleierhaft.
--- Ende Zitat ---
Ganz so ist es nicht, finde ich.
Zum einen, ja, sie könnten es bleiben lassen und komplett auf andere Wege gehen. Das ist aber nicht der Punkt, meiner Meinung nach.
Wichtiger finde ich die Art und Weise. Öffentlich treten sie auf und schimpfen über 30% und erwecken absichtlich den Eindruck, dass Apple hier irgendwo mitverdienen will. Besonders die Unkenntnis von Laien (wie auch mich) von "normalen" Anteilen bei der Kostenstruktur ist eben eine andere und jedes Mal, wenn ich von realen Anteilen lese und höre, bin ich überrascht, wie sich das aufteilt.
Wenn es rein so wäre, wie Du sagst, dann fordern die Verlage ein Ende oder Abschwächung der Quersubventionierung und somit bei hochpreisigen Produkten ein Absenkung der 30% und bei niedrigpreisigen eine starke Erhöhung bis zu Kosten über Verkaufspreis? Oder fordern sie ein Ende der Quersubventionierung und somit bei hochpreisigen Produkten ein Absenkung der 30% und bei niedrigpreisigen Produkten soll Apple drauf zahlen?
Ich würde es mal von einer anderen Seite aus sehen. Die Verlage behaupten ja (nicht nur unterschwellig), dass Apple mitverdienen will, d.h. der AppStore für Apple direkt Gewinn abwerfen soll. Dagegen kann man sein und das finde ich auch. Man kann aber von Apple auch nicht verlangen, dass der Store Miese machen soll. Idealerweise sollte der Store für Apple ein Nullsummenspiel sein. Bei der aktuellen Preisverteilung der Produkte und den konstanten 30% ist das anscheinend auch ein Nullsummenspiel, vorausgesetzt Du unterstellst Apple keine Bilanzfälschung. Daher gibt es eigentlich nur die vier oben genannten Möglichkeiten bei der Preisgestaltung.
Das es neben den 30% noch einige andere, wichtigere Punkte gibt, finde ich auch. Gerade im untern Preisbereich gibt es nur stark abgestufte Preise (vielfaches von 0,79€ in D). Das ist dort recht unflexibel.
Und ein wesentlicher Punkt ist, das ausschließlich Erlauben von Apple-In-Apps. Das finde ich ungeheuerlich und schwierig. Wesentlich besser wäre es, wenn es frei wäre, den Apple-In-App-Store oder einen anderen Weg zu verwenden. Es sind ja sogar Links verboten. Das finde ich völlig übertrieben. Gut wäre doch, wenn beides in einer App erlaubt wäre und der Kunde kann dann wählen, was ihm lieber ist.
--- Zitat ---Was aber in all Euren Argumentationen fast vollständig ignoriert wird, ist doch die (eigentlich ungeheuerliche) Anmassung eines Zwischenhändlers, darüber zu bestimmen, zu welchen Preisen das Produkt seines Lieferant in anderen Kanälen verkauft werden darf.
--- Ende Zitat ---
Äh, nein. Der Zwischenhändler masst sich an zu sagen, dass der Hersteller über den Kanal des Händlers nicht teurer verkaufen darf, er also auf anderen Kanälen nicht billiger sein darf. Den Preis legt der Hersteller immer noch alleine fest.
Hat Ähnlichkeit zur Buchpreisbindung...
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