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Jetzt schimpfen Sie wieder auf die bösen Stromkonzere...

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MacFlieger:

--- Zitat von: Florian am November 06, 2006, 19:06:28 ---Man kann aber den ehemaligen Staatsmonopolist auch verpflichten, das Netz zu öffnen und nur faire Durchleitungsgebühren zu erheben. Gerade das führt ja immer wieder zum Streit, was ja wohl aber normal ist, wenn's um's Geld geht. Wichtig ist eine unabhängige Instanz. Diese ist im Telefonmarkt oft nicht resolut genug (meine Meinung) und im Strommarkt nicht vorhanden. Offen einzig der juristische Weg, der auch genutzt wird/wurde, aber den Kleinen naturgemäß eher schwieriger fällt als den Großen und daher keine gute Lösung darstellt.
--- Ende Zitat ---

Genaus deshalb finde ich die Schenkung des Netzes an ein Unternehmen für den größten Fehler. An diesem Symptom wird mit der Regulationsbehörde herumgedoktert, die auf faire Durchleitungsentgelte achten soll. Aber das ist immer nur ein Flicken an den Symptomen. Die T-Com hat mehrfach von den anderen Firmen höhere Preise als von Endkunden genommen. Erst auf Protest wurde das dann jeweils geändert, nachträglich mit einer zeitlichen Verzögerung, die die T-Com dann nutzte. Bei DSL war es das gleiche.
Nene, warum ist die T-Com das einzige Unternehmen, das keine Durchleitungsentgelte zahlen muß? So muß es zu Problemen kommen.

Florian:
Wenn man da genügend streng vorgehen würde, wäre da schon mehr drinnen. Problem ist doch, daß noch viele T-Com-Anteile beim Staat liegen und an totaler Konkurrenz das Interesse recht gering ist. Würfe mich auch schon auf die Empörung bei den Massenentlassungen vorbereiten,  die dann von der T-Com auf Verweis auf die "wettbewerbsverzerrend niedrigen" Entgelte erfolgen würden.
Ich sage aber nicht, daß es einen Königsweg gibt, uns schon gar nicht das es dieser ist. Sauber gemacht ist es aber eine Möglichkeit, die immerhin einige Interessen befriedigt. Das darf man nicht unterschätzen im politischen Prozess. Schlecht gemacht ist es wettbewerbs- und innovationsfeindlich und durch die hohen Endpreise auch volkswirtschaftlich schädlich.

Sympathisieren natürlich auch eher mit klaren Schnitte, in diesem Fall mit einer Abtrennung des Netzes vom ehe. Staatsmonopolisten. Nur die muss man halt auch durchsetzen können.

mathias:
Die Aussage, daß 10 kleine Unternehmen in der Summe teurer produzieren als ein vergleichbares großes Unternehmen, läßt sich - glaube ich -  nicht pauschalisieren. Große Unternehmen (Telekom, Post) besitzen z.B. riesige Verwaltungsabteilungen, zuviele Hirarchien, einfach zuviel Personal. Und das ist es ja, woran nicht ohne Grund immer als erstes gespart wird und was kleineren Unternehmen eigentlich die Möglichkeit bietet, den großen Konkurrenz zu machen: Flexibilität, "schnell auf den Markt reagieren", Innovation, Nähe zum Kunden - das sind so die Bullshitbingo-Schlagworte, die mir dazu einfallen. Ein schönes Beispiel hierfür ist mal wieder die Telekom, die mit ihren DSL-Tarifen immer 3-6 Monate der Konkurrenz hinterher hinkt. Ich bin kein Betriebswirtschaftler, dennoch glaube ich, daß durch Privatisierung technologischer Fortschritt schneller wird, als es bei staatlichen Betrieben der Fall wäre (Kontraproduktiv sind hier allerdings auch private Monopolisten). Privatwirtschaftliche Unternehmen müssen gegenüber der Konkurrenz immer einen Schritt weiter sein (->Forschung, Entwicklung). Staatliche Unternehmen eben nicht. "Das haben wir immer schon so gemacht..." Die orientieren sich eher am inneren als am äußeren.
Energiekonzerne sind wie oben erwähnt eine Ausnahme. Es gibt nähmlich für den Verbraucher keine oder nur wenige Alternativen. Der Strom ist ja beim Kunden erstmal einfach da, Gas auch. Gibt es Störungen und der Kunde ist nicht zufrieden mit dem angebotenen Produkt - na und? Wen stört 's? Soll er eben seinen Stromanschluß kündigen, wenn ihm was nicht paßt - und wenn er ohne Strom auskommt.
Als wäre Privatwirtschaft nicht so schon kompiziert genug, kommen jetzt auch noch die Aktiengesellschafter und Politik mit ins Spiel. Bücher über dieses Thema füllen ja schon ganze Bibliotheken...

Mathias.

warlord:

--- Zitat von: mathias am November 08, 2006, 07:58:44 ---Große Unternehmen (Telekom, Post) besitzen z.B. riesige Verwaltungsabteilungen, zuviele Hirarchien, einfach zuviel Personal.
--- Ende Zitat ---
Das liegt IMO aber nicht per se an der Grösse. Es gibt durchaus auch grosse Unternehmen mit schlanken Strukturen. Das liegt an der monopolistischen bzw. oligopolistischen Marktsituation, in welcher die Unternehmen stehen.


--- Zitat ---kleineren Unternehmen eigentlich die Möglichkeit bietet, den großen Konkurrenz zu machen: Flexibilität, "schnell auf den Markt reagieren", Innovation, Nähe zum Kunden -
--- Ende Zitat ---
Das ist zwar durchaus korrekt. Aber bei den hier diskutierten Aufgaben spielt doch eben der Umstand hinein, dass die dafür einzusetzenden Betriebsmittel einerseits teuer und vor allem aber nicht skalierbar sind. Ein kleiner Transportunternehmer braucht einen kleineren Fuhrpark als der grosse Transportunternehmer. Ein (tatsächlich eigene Leistung erbringendes) Telekommunikationsunternehmen braucht ein flächendeckendes Netz. Egal wie gross das Unternehmen ist. Ein kleines Unternehmen kann die Betriebsmittel für eine tatsächliche eigene Produktion in solchen Fällen gar nicht aufbringen. Dadurch können viele kleine Firmen einfach nicht funktionieren. Es kann keinen wirklich funktionierenden Markt geben. Es kann in solchen Fällen immer nur irgend welche pseudo-marktwirtschaftlichen Krückenkonstrukte geben.

Und wo ein Markt nicht funktionieren kann, und nur dort, ist die Erfüllung der Aufgabe durch den Staat, in meinen Augen eben nicht die schlechteste Lösung.

radneuerfinder:

--- Zitat von: warlord am November 08, 2006, 08:51:28 ---Und wo ein Markt nicht funktionieren kann, und nur dort, ist die Erfüllung der Aufgabe durch den Staat, in meinen Augen eben nicht die schlechteste Lösung.

--- Ende Zitat ---

Sehe ich genauso. Noch besser finde ich es aber, wenn man es schafft für solche Bereiche doch Wettbewerb einzuführen. Das ist natürlich oft physikalisch, organisatorisch, oder sonstwie schwierig. Da ist Phantasie gefragt. Genau solche phantasievollen Beispiele würden mich interssieren. Negative wie positve.


--- Zitat ---Ein (tatsächlich eigene Leistung erbringendes) Telekommunikationsunternehmen braucht ein flächendeckendes Netz. Egal wie gross das Unternehmen ist. Ein kleines Unternehmen kann die Betriebsmittel für eine tatsächliche eigene Produktion in solchen Fällen gar nicht aufbringen. Dadurch können viele kleine Firmen einfach nicht funktionieren.
--- Ende Zitat ---

In Deutschland gibt es durchaus kleine, regionale Telefonanbieter, die Leitungen zum Endverbraucher legen und sich die deutschlandweiten Verbindungen bei, z.B. Telefonica, mieten. Die tatsächliche Leistung wird also, abseits der Telekom, von einem kleinem und einem großen Unternehmen erbracht. Eine passabel phantasievolle Lösung, die bereits Wettbewerb gebracht hat.

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