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Facebook-Konkurrent "Google+"
warlord:
--- Zitat von: radneuerfinder am März 20, 2012, 14:15:09 ---Ja. Wenn es eine langsame - über Jahrzehnte - und weltumspannende Änderung ist. (Und ich fürchte die wird gerade eingeleitet - nicht im Sinne einer Verschwörung, sondern als Service für Nutzer und AnzeigeKunden.)
--- Ende Zitat ---
Denke, da reden wir etwas aneinenader vorbei. Ja, sicher gibt es die Entwicklung, dass angezigte Inhalte immer stärker personalisiert werden. Und natürlich birgt das neben Vor- auch Nachteile und Gefahren.
Das ist aber nichts, was ich unter Manipulation verstehe. Es ist da ja primär das eigene Verhalten, das bestimmt, was prioritär angezeigt wird und was weniger gut aufzufinden ist. Und für jeden Benutzer sehen diese Regeln anders aus. Als Manipulation würde ich es dann bezeichnen, wenn Unterdrückungsmechanismen auf sämtliche Benutzer identisch angewendet würden und eine zentrale "Macht" bestimmt, was angezeigt werden darf und was nicht. Nur dann würde das Finden von Dingen unterdrückt, die ich finden will.
Florian:
Das Problem ist, dass wir den Eindruck haben, neutral informiert zu werden - es aber nicht werden.
Google serviert Dir z.B. sicher etwas andere Suchtreffer zu Obama als mir. Das gilt bei jedem Thema.
Wenn Du hier einen NZZ-Artikel verlinkst, weiß ich schon ungefähr, was mich so erwartet. Klicke trotzdem drauf und lese es meistens, auch wenn ich mich dann nur darüber aufrege. ;)
Nun stelle man sich vor, Algorithmus XY erkennt aber aus meiner Suchhistorie oder Tweets oder allem zusammen, dass ich den Artikel schlecht gefunden habe, und zeigt ihn mir womöglich erst gar nicht mehr an oder erst an Stelle 15.
Mir wird immer mehr vom immer gleichen vorgeschlagen, weil das für Werbekunden und Software einfacher ist. Twitter hat tatsächlich ein „Freunde finden“, „ähneln dir“.
Das ist ein ganz bedeutender Unterschied. Die Entwicklung läuft auch nicht leise und verdeckt ab, sondern so schnell, dass man den Überblick verliert.
Ich kenne viele Leute, die meinen: Was nicht auf Google zu finden ist, ist nicht im Internet.
Wir sind also schon längst dabei, die Entscheidung über unser Wissen an die Software zu delegieren.
Und zwar einer, die geschrieben wird, um an uns zu verdienen.
Wir brauchen enorme Anstrengungen um die Medienkompetenz zu erhöhen. Und es ist auch nicht so, dass die junge Generation das alles automatisch mitkriegt. Man müsste schon alle aktiv mitnehmen.
warlord:
Da gehen jetzt irgendwie sehr viele Dinge durcheinander.
--- Zitat von: Florian am März 20, 2012, 16:35:05 ---Das Problem ist, dass wir den Eindruck haben, neutral informiert zu werden - es aber nicht werden. Google serviert Dir z.B. sicher etwas andere Suchtreffer zu Obama als mir. Das gilt bei jedem Thema.
--- Ende Zitat ---
Ganz generell zum "informiert werden": Ja, wir werden von keiner menschlichen Quelle neutral informiert. Wurden wir noch nie und werden wir nie werden. Das mal ganz grundsätzlich und völlig unabhängig vom Internet und seinen Entwicklungen.
Konkreter zu Suchmaschinen: Wenn Du unter neutral "für alle gleich" verstehst, hast Du sicher recht. Ich verstehe unter neutral aber eher "nicht fremd-beeinflusst". Insofern finde ich eine Gewichtung von Suchresultaten, die meine Vorlieben heranzieht, sogar neutraler, als eine Gewichtung, welche zentral definierte Kriterien oder den Geschmack der Mehrheit heranzieht.
Liest man Eure Voten, könnte man fast meinen, Ihr würdet erwarten, dass Google Allwissenheit vermitteln könne. Wenn eine Suche Resultate liefert, die sich über 345 Seiten verteilen, dann ist schon klar, dass Resultat XY auf Seite 218 wohl keine Beachtung finden wird. Ergo nicht gefunden wird. Dass die Suche so viele Resultate geliefert hat, dass sie nicht alle beachtet werden (können), ist ja erstmal nicht die Schuld von Google. Und auch nicht von der Art und Weise, wie die Resultate von Google gewichtet werden. Der Umstand, dass nicht alles angeschaut werden kann, was es im Internet gibt, hat mit der Gewichtung von Suchresultaten rein gar nichts zu tun.
Und irgend eine Reihenfolge wird es immer geben müssen. Wenn sich Suchresultate auf 345 Seiten erstrecken, dann wird es immer welche geben müssen, die auf Seite 345 landen. Ist es nun wirklich gefährlich, wenn bei der Gewichtung der Resultate persönliche Parameter mit einfliessen, so dass mit grösserer Wahrscheinlichkeit das auf Seite 1 landet, das der Suchende eben gesucht hat? Und nicht auf Seite 218, weil die Mehrheit der Suchenden eben etwas anderes gesucht hat? Die Aufgabe einer Suchmaschine ist doch das Finden. Und nicht "bring mich irgendwo hin, wo ich noch nie war".
--- Zitat ---Wenn Du hier einen NZZ-Artikel verlinkst, weiß ich schon ungefähr, was mich so erwartet. Klicke trotzdem drauf und lese es meistens, auch wenn ich mich dann nur darüber aufrege. ;)
Nun stelle man sich vor, Algorithmus XY erkennt aber aus meiner Suchhistorie oder Tweets oder allem zusammen, dass ich den Artikel schlecht gefunden habe, und zeigt ihn mir womöglich erst gar nicht mehr an oder erst an Stelle 15.
Mir wird immer mehr vom immer gleichen vorgeschlagen, weil das für Werbekunden und Software einfacher ist. Twitter hat tatsächlich ein „Freunde finden“, „ähneln dir“.
--- Ende Zitat ---
Ein bisschen anders ist es in der Tat, wenn es um redaktionelle Inhalte geht. Eine Auswahl, was geschrieben, was mir vorgesetzt und was letztlich von mir gelesen wird, gab es aber auch da schon seit jeher. Und wie schon erwähnt, halte ich da einen "unbestechlichen" Algorithmus letztlich für neutraler, als die bisherige Selektion durch fremde Menschen, die bestimmen, was geschrieben und veröffentlicht wird. (Ja ist schon klar, die menschliche Selektion besteht weiterhin. Die maschinelle Selektion kommt nur zusätzlich hinzu. Aber ich sehe darin keine grössere Gefahr, als in der schon bestehenden Selektion.)
--- Zitat ---Ich kenne viele Leute, die meinen: Was nicht auf Google zu finden ist, ist nicht im Internet.
Wir sind also schon längst dabei, die Entscheidung über unser Wissen an die Software zu delegieren.
Und zwar einer, die geschrieben wird, um an uns zu verdienen.
Wir brauchen enorme Anstrengungen um die Medienkompetenz zu erhöhen. Und es ist auch nicht so, dass die junge Generation das alles automatisch mitkriegt.
--- Ende Zitat ---
Dass Medienkompetenz wichtig ist, da gehe ich absolut einig. Das war aber auch schon immer so und ist unabhängig vom Internet.
Und auch wenn man sich häufig wünschen würde, dass es um die Medienkompetenz besser stünde, glaube ich, dass es um sie noch nie so gut bestellt war, wie heute. Gerade auch wegen dem Internet. Ja, auch ich würde mir wünschen, sie wäre noch viel viel grösser. Aber ich bin zuversichtlich, dass sie weiter wächst. Gerade auch an Gefahren und Auswüchsen im Internet. Und meinetwegen auch an individualisierter Suchresultate-Gewichtung. ;)
--- Zitat ---Man müsste schon alle aktiv mitnehmen.
--- Ende Zitat ---
Sie selber gehen lassen, ist IMO förderlicher, als sie mitnehmen zu wollen.
radneuerfinder:
Das kann ich fast alles unterschreiben Warlord. Dieses Beispiel aus Florians Link illustriert recht schön, was diese Algorithmen aber auch für einen Effekt haben können. Letztlich wird diese maschinelle Auswahl ja auch von Menschen gemacht (programmiert). Wichtiger finde ich die Frage, wie stark wirken die Algorithmen und wie transparent ist das Ganze.
... Facebook. Aber ich merkte, dass alle Leute, die nicht dieselbe politische Meinung haben wie ich, systematisch aus meinem Newsfeed entfernt wurden. Warum? Weil die Software ständig beobachtet, mit wem ich mich am meisten austausche - und das sind in der Regel meine Freunde, die meine Ansichten teilen. Während ich mich also bemühte, meinen Horizont zu erweitern und ein möglichst breites Spektrum an Meinungen abzudecken, setzte mir die Software nur die Gleichgesinnten vor.
warlord:
Ja, Facebook ist wohl nochmal ein Fall für sich...
Aber selbst da scheint mir Parisers Kritik etwas scheinheilig. Wie er selbst berichtet, bildet Facebook in dem ihm vorgesetzten Newsfeed ja nur sein eigenes Verhalten ab. Er bemüht sich ja zwar, sich auch mal mit anders Denkenden auszutauschen, tut es tatsächlich aber halt doch vorwiegend mit Gleichdenkenden. (Was irgendwie normal ist und ausserhalb von Facebook und Internet ja nicht anders läuft.) Facebook bildet das ab und kriegt das dann vorgeworfen. Ist doch so ein bisschen wie "ich bemühe mich ja, nicht zuviel zu essen, und doch zeigt die dämliche Waage ständig höhere Gewichte."
Ja sicher, die Auswahl im Facebook Newsfeed ist obskur. Die möchte ich nun nicht unbedingt verteidigen. Ich werde auch nicht schlau, was da reinkommt und was nicht. Bei mir scheint das jedenfalls nicht wie bei Pariser davon abzuhängen, wie oft ich mich mit jemandem austausche. Aber wovon es abhängt, ist mir auch nicht klar. Mehr Transparenz und Selbstbestimmung wäre toll, da gehe ich einig.
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