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Re:Der AppStore und die Verlage
Antwort #45: Februar 17, 2011, 10:54:37
Idealerweise sollte der Store für Apple ein Nullsummenspiel sein. Bei der aktuellen Preisverteilung der Produkte und den konstanten 30% ist das anscheinend auch ein Nullsummenspiel, vorausgesetzt Du unterstellst Apple keine Bilanzfälschung. Daher gibt es eigentlich nur die vier oben genannten Möglichkeiten bei der Preisgestaltung.

Der Store braucht kein Nullszummenspiel zu sein. Ich bin ja nicht Kommunist. Apple darf und soll an seinem Angebot durchaus etwas verdienen. Und von mir aus dürfen sie auch ruhig ihr Ding der Quersubventionierung durchziehen können. Dann sollen sie aber auch dazu stehen, dass in ihrem Store aus diesem Grund halt höherpreisige Produkte teurer sind als anderswo. Wenn das Einkaufserlebnis bei Apple ja besser ist als anderswo, wird man trotzdem seine Kunden finden.
Die Quersubventionieren durchzuziehen und gleichzeitig die dadurch anfallenden Nachteile auch parallelen  Verkaufskanälen aufzuzwingen ist in meinen Augen aber ein Drecksgeschäft.  

Zitat
Äh, nein. Der Zwischenhändler masst sich an zu sagen, dass der Hersteller über den Kanal des Händlers nicht teurer verkaufen darf, er also auf anderen Kanälen nicht billiger sein darf.

Wo liegt denn der Unterschied zu meiner Aussage? Der Zwischenhändler tut damit so, als sei er nicht Zwischenhändler, sondern eine Art Exklusiv-Agent, der zwar andere Vertriebskanäle zulässt aber diesen identische Preise vorschreibt. Er schwingt sich zu mehr auf, als zu einem Zwischenhändler, wenn er Bedingungen für andere Verkaufskanäle aufzwingt.

Zitat
Den Preis legt der Hersteller immer noch alleine fest.

Ja klar, aber genau das ist doch eben nicht normal. Den Verkaufspreis eines Zwischenhändlers legt der Zwischenhändler fest. Gerne darf er dabei teurer sein, als andere Kanäle, wenn er damit eine Quersubventionierung für andere Angebote betreiben will. Aber seinem Lieferanten die Gestaltung des Widerkaufspreises zu überlassen und ihm dabei aufzuzwingen dafür zu sorgen, dass das Angebot in anderen Kanälen nicht billiger an den Endkunden gelangen kann, ist nicht übliches Verhalten und Vermögen eines Zwischenhändlers.
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Complete liberty of contradicting and disproving our opinion, is the very condition which justifies us in assuming its truth for purposes of action; and on no other terms can a being with human faculties have any rational assurance of being right. (John Stuart Mill - On Liberty)
Re:Der AppStore und die Verlage
Antwort #46: Februar 17, 2011, 11:09:15
Bei niedrigpreisigen Apps fallen die Kreditkartenkosten recht hoch, evtl. sogar höher als die Preise selber aus.

Und noch eine Bemerkung zu den hohen Transaktionskosten: Dass Apple da mit den Kreditkartenfirmen nicht Bedingungen hat aushandeln können, die bei Mikrotransaktionen deutlich besser sind, als für kleinere Händler, kann ich nicht wirklich glauben. Wären die Kosten für Mikrotransaktionen für Apple wirklich so hoch, dann wären sie bei der Ausgestaltung ihres Stores ohne Warenkorb und mit Direktkauf der einzelnen Angebote reichlich dämlich gewesen und an den hohen Transaktionskosten massgeblich selber schuld.
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Re:Der AppStore und die Verlage
Antwort #47: Februar 17, 2011, 11:17:40
Die Quersubventionieren durchzuziehen und gleichzeitig die dadurch anfallenden Nachteile auch parallelen  Verkaufskanälen aufzuzwingen ist in meinen Augen aber ein Drecksgeschäft.

Ah, jetzt habe ich es. ;)
Dir geht es nicht um die 30% und ob die viel oder wenig sind, sondern nur um den Passus, dass In-App nicht teurer als wo anders sein darf.
Das ist aber schon etwas völlig anderes als von den Verlagen (absichtlich tendenziös) publiziert wird. Die unterstellen ganz klar: "Apple sahnt unser Geld ab. Frechheit."

Der Passus ist sicher diskussionwürdig, ja.

Zitat
Wo liegt denn der Unterschied zu meiner Aussage? Der Zwischenhändler tut damit so, als sei er nicht Zwischenhändler, sondern eine Art Exklusiv-Agent, der zwar andere Vertriebskanäle zulässt aber diesen identische Preise vorschreibt. Er schwingt sich zu mehr auf, als zu einem Zwischenhändler, wenn er Bedingungen für andere Verkaufskanäle aufzwingt.

Die praktischen Auswirkungen sind identisch, ja. Aber der Mechanismus ist anders herum. Nicht Apple erzwingt Preise auf anderen Kanälen, sondern Apple erzwingt sich eine Minimalgarantie für den eigenen Kanal, die der Hersteller annehmen kann oder nicht.

Zitat
Aber seinem Lieferanten die Gestaltung des Widerkaufspreises zu überlassen und ihm dabei aufzuzwingen dafür zu sorgen, dass das Angebot in anderen Kanälen nicht billiger an den Endkunden gelangen kann, ist nicht übliches Verhalten und Vermögen eines Zwischenhändlers.

Das ist richtig und durchaus diskussionswürdig. Die Kritik der Verlage liegt aber eben ganz woanders.

Dass Apple da mit den Kreditkartenfirmen nicht Bedingungen hat aushandeln können, die bei Mikrotransaktionen deutlich besser sind, als für kleinere Händler, kann ich nicht wirklich glauben.

Hat das einer behauptet? Wäre auch wirklich schwer zu glauben und unwahrscheinlich. Wie die genauen Konditionen aussehen, weiß niemand, tendenziell werden die Kosten bei niedrigen Beträgen trotzdem relativ höher sein. Und solange Apple mit dem Store keinen Gewinn macht, nehmen sie auch nicht zu viel. Das ist eigentlich der am einfachsten einzusehende Punkt. Die 30% decken die Kosten, jede Absenkung würde bei der aktuellen Preisstruktur Miese machen, bei einer Änderung der 30%-Struktur müssen sich mehr oder weniger Auswirkungen ergeben.
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Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn, Verstand ist stets bei wen´gen nur gewesen." -- Schiller
Re:Der AppStore und die Verlage
Antwort #48: Februar 17, 2011, 11:41:26
Dann einigen wir uns darauf, dass die öffentliche Kommunikation der Verlage nicht sonderlich geschickt ist/war.  Und die Bedingungen von Apple nicht besonders fein sind. :)
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Re:Der AppStore und die Verlage
Antwort #49: Februar 17, 2011, 11:50:58
Dann einigen wir uns darauf, dass die öffentliche Kommunikation der Verlage nicht sonderlich geschickt ist/war.

Nö, ich bezweifele nämlich stark, dass die das so wie Du meinen. Im Gegenteil behaupte ich sogar, dass sie es absichtlich so publizieren und es erreicht ja genau deren Ziel.

Zitat
Und die Bedingungen von Apple nicht besonders fein sind. :)

Das auf jeden Fall. Und viele Sachen im AppStore/MacStore sind deutlich verbesserungswürdig oder schlecht.
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Re:Der AppStore und die Verlage
Antwort #50: Februar 17, 2011, 12:43:12
Da haben wir doch schon die neue Konkurrenz: Google!



Google One Pass als webweites Bezahlsystem für Medien

Hinter Google One Pass steckt kein eigenes Medienangebot, sondern ein Authentifizierungs- und Abrechnungssystem, das auch zur Nutzerverwaltung dient. Google möchte Publishern damit wichtige Aufgaben stark erleichtern, damit sie sich wieder voll auf die „Erstellung qualitativ hochwertiger Inhalte für ihre Leser konzentrieren können“. Um sich als Nutzer für das Bezahlsystem anzumelden, sind ein Google-Konto und eine Kreditkarte vonnöten.


Via t3n.de oder auch bei Heise
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Florian

  • Es lebe der König!
Re:Der AppStore und die Verlage
Antwort #51: Februar 17, 2011, 13:19:33
Google auch noch meine Einkaufsliste zu überlassen, fiele mir nicht im Traum ein.
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Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit, das Geheimnis der Freiheit aber ist der Mut.
Thukydides
Re:Der AppStore und die Verlage
Antwort #52: Februar 17, 2011, 13:39:32
Hatte ich schon weiter oben erwähnt. Google nimmt übrigens pauschal 10%. Vermutlich quersubventioniert über Paypal, wo hauptsächlich höhere Beträge laufen.
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Florian

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Re:Der AppStore und die Verlage
Antwort #53: Februar 17, 2011, 13:55:28
Vermutlich quersubventioniert über Paypal, wo hauptsächlich höhere Beträge laufen.

Wohl kaum… ;) Paypal gehört zu Ebay.
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Thukydides
Re:Der AppStore und die Verlage
Antwort #54: Februar 17, 2011, 14:02:54
Wohl kaum… ;) Paypal gehört zu Ebay.

Ebend. ;)
Ich meinte das so:
Wenn man unabhängig vom Preis immer einen festen Anteil nimmt, dann ergeben sich je nach Preisstruktur unterschiedliche Mittelwerte. Im AppStore ist es so, dass die niedrigpreisigen und transaktionstechnisch teureren Angebote bei weitem überwiegen und so wenige hochpreisige viele niedrigpreisige produkte subventionieren.
Bei Google wird wohl die Technik von Paypal mit integriert/mitbenutzt oder was auch immer. Wären ja dumm, das nicht zu machen. Über Paypal sind aber aktuell die höherpreisigen und transaktionstechnisch günstigeren Angebote in der Mehrzahl und so müssen viele hochpreisige nur wenige niederpreisigen subventionieren, was zu einem niedrigeren Prozentanteil führt.
Daher schrieb ich ja auch, dass Apple bei einem Ansteigen von hochpreisigen Produkten im AppStore in Zukunft die 30% auch evtl. mal senken können wird.
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Re:Der AppStore und die Verlage
Antwort #55: Februar 19, 2011, 08:53:39
Aber seinem Lieferanten die Gestaltung des Widerkaufspreises zu überlassen und ihm dabei aufzuzwingen dafür zu sorgen, dass das Angebot in anderen Kanälen nicht billiger an den Endkunden gelangen kann, ist nicht übliches Verhalten und Vermögen eines Zwischenhändlers.

Ob es stimmt, weiß ich nicht genau, aber: Ich habe gehört, dass Amazon über lange Zeit (oder immer noch?) bei Büchern 70% des Preises kassiert hat, wenn jemand über deren Plattform verkaufte. Ausserdem soll es so sein, dass Amazon eine Klausel drin hat, dass ein Händler, der über Amazon verkauft, die Produkte in einem anderen Webshop nicht günstiger anbieten darf. Also praktisch das gleiche, was Apple jetzt auch macht.
Macht die Sache nicht besser, klar.
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Re:Der AppStore und die Verlage
Antwort #56: Februar 22, 2011, 07:17:25
Nach dem Willen Apples soll ich mein Bahnticket also demnächst inApp kaufen?

Nein. Das gilt alles nur für InhalteAnbieter.

Und für Dienste:
http://www.maclife.de/iphone-ipod/iphone/auch-dienste-muessen-zahlen-apple-lehnt-readability-app-ab


Also Gebühr doch für alle mit einer App zusammenhängenden Angebote, denn was ist nicht Dienst oder Inhalt?


Ergänzung:
Oder doch nicht?
http://www.macrumors.com/2011/02/21/steve-jobs-email-suggests-in-app-subscriptions-dont-apply-to-software-as-a-service/


Ihr seht mich verwirrt.

« Letzte Änderung: Februar 22, 2011, 08:29:31 von radneuerfinder »
Re:Der AppStore und die Verlage
Antwort #57: Februar 22, 2011, 08:44:37
So, nach etwas gurgeln scheint das die entscheidende Formulierung zu sein:

11.2 Apps utilizing a system other than the In App Purchase API (IAP) to purchase content, functionality, or services in an app will be rejected

Also, nach meinem Verständnis von Englisch sind alle Dienstangebote ohne Einschränkung gemeint und es ist keine Kann-Bestimmung. Damit verstößt Apple vielfach gegen diese Passage des Vertrags, da viele Apps wie Skype, DB Railnavigator, etc. Dienstleistungen zum Kauf anbieten.
« Letzte Änderung: Februar 22, 2011, 08:49:52 von radneuerfinder »
Re:Der AppStore und die Verlage
Antwort #58: Februar 22, 2011, 09:10:00
Ihr seht mich verwirrt.

Da bist Du sicher nicht der einzige. :)
Die Bedingungen im AppStore waren ja schon öfters ein hin und her (z.B. auch mit XCode-Zwang für kurze Zeit).
Apple führt plötzlich nachträglich eine Bedingung ein, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.
Diese Bedingungen haben aber plötzlich auch Auswirkungen auf völlig andere Bereiche, die nicht gemeint waren, oder hat extreme Auswirkungen auf bestehende Apps.
Bedingungen werden nachträglich gelockert, umformuliert oder entfernt.

Der Sinn der genannten Bedingung ist durchaus zunächst einmal im Sinne des Kunden. Denn er dient dazu, eine für den Kunden einfache, simple und datensparende Methode durchzusetzen. Kündigung von Abos ist sonst immer ein tolles Thema. Die Bedingung soll sicher stellen, dass diese für den Kunden positive, von den Verkäufern aber ungeliebte Variante, auch genutzt wird und nicht einfach durch Nichtbenutzung verschwindet.
Die negativen Nebenwirkungen habe wir ja schon ausführlich diskutiert und schiessen deutlich übers Ziel hinaus. Ich denke, hier wird eine Anpassung nötig sein und auch gemacht werden (hoffentlich).
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Re:Der AppStore und die Verlage
Antwort #59: März 02, 2011, 09:55:56
Ein neuer Player auf dem großen Spielfeld: Die Telekom

https://www.pageplace.de/tep/

Der Dienst bietet Zeitungen, Magazine und Bücher an, die auf verschiedenen Plattform lesbar sein sollen. Auch das iPad ist mit einbezogen.


Mehr bei Heise und der TAZ

Hier die iPad-App - mit reichlich schlechten Bewertungen.
http://itunes.apple.com/de/app/pageplace/id415877578?mt=8
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