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Re: Diaspora - Das bessere Facebook?
Antwort #15: Oktober 16, 2011, 00:01:16
Und inwiefern spielt es eine Rolle, auf welchem Pod man sich anmeldet?
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Complete liberty of contradicting and disproving our opinion, is the very condition which justifies us in assuming its truth for purposes of action; and on no other terms can a being with human faculties have any rational assurance of being right. (John Stuart Mill - On Liberty)

Bonobo

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Re: Diaspora - Das bessere Facebook?
Antwort #16: Oktober 16, 2011, 02:41:20
Tja, Warlord, das ist eine gute Frage, die ich mir auch stelle.

Es gibt wohl einige regionale Pods wie pod.geraspora.de (hier wird deutsch gesprochen) und internationale Pods wie joindiaspora.com und diasp.org (ich glaube, diese beiden stehen in den USA).

Und dann hat es wohl auch damit zu tun, wem man wie weit vertraut, d.h. wem man seine Daten anvertrauen will. Und hier blicke ich überhaupt nicht durch. Es kann jetzt ja jeder Stalker und jeder Geheimdienst ein Pod aufmachen, Hauptsache sie wissen, wie man sowas auf dem Server installiert.

Irgendwann kann dann vielleicht (fast) jeder sein eigenes Pod auf seinem Server installieren, für sich und seine Freunde bzw. für die, die einem vertrauen. Meldungen von Leuten, die auf anderen Pods angemeldet sind, kann man abonnieren, weil die Pods untereinander kommunizieren.

Hier gibt’s bissl mehr Info (die unsere obigen Fragen aber auch nicht beantwortet):
http://www.dev0blog.de/diaspora-das-bessere-facebook-oder-google/
http://www.dev0blog.de/videoseminar-uber-diaspora/
Re: Diaspora - Das bessere Facebook?
Antwort #17: Oktober 16, 2011, 09:23:07
Danke für die Links. Sonderlich kritisch ist der Beitrag vom dev0blog ja nicht. Und damit auch nicht wirklich erhellend, welche Vorteile Diaspora gegenüber Facebook oder Google+ haben sollte.

Wie Du auch schon ansprichst, erschliesst sich mir z.B. nicht, wieso die Dezentralisierung ein Vorteil für mich sein sollte. (Ausser ich mache mir wirklich die Mühe und setze einen eigenen POD auf. Was ja aber auch nicht jeder tun kann...  Und die Daten müssen für die anderen PODs ja wohl auch zugänglich sein. Also potentiell für jedermann...) Ich weiss so doch noch weniger, wo meine Daten genau sind, wem genau ich sie anvertraue und wer alles Zugriff darauf hat.

Datenschutz wird priorisiert und Privatsphäre ist wichtig. Schön. Aber das sagen doch alle. Mich würde ja dann doch interessieren, wie man das genauer angeht. Und nicht nur irgendwie entsprechende Betäuerungen lesen. Ja gut, ich könnte mich jetzt wohl durch den Quelltext kämpfen und so vielleicht mehr erfahren...

Einziger nachvollziehbarer Grund, weshalb man Diaspora gut finden sollte, ist also dass es nicht von einer "gigantischen Firma, sondern von 4 Studenten entwickelt wurde". Wenn man denn so tickt und Dinge gut findet, einfach weil sie nicht von einer Firma sind, sondern von Studenten. Ich tue das nicht. Studentischer Enthusiasmus und gute Vorsätze in Ehren. Aber zum einen wird der doch jeweils sehr rasch vom wahren Leben ein- und auf den Boden der wirtschaftlichen Realitäten zurück geholt. (Google hat auch einmal so angefangen, remember? Eben noch studentisches "Philantropie-Projekt", jetzt "böse Grossfirma".) Und zum anderen erschliesst sich mir grundsätzlich nicht, wieso Grünschnäbel ohne Lebenserfahrung Dinge besser tun können sollten, als in der freien Wildbahn des marktwirtschaftlichen Lebens erprobte durchmischte Teams - sprich Firmen. Natürlich gibt es Beispiele von guten Produkten, die durch unerschrockene Grünschnäbel erfunden wurden. Die es in einer festgefahrenen Struktur einer Firma vielleicht nicht zum Produkt geschafft hätten. Aber ich denke, es gibt kein Beispiel eines guten Produkts, das dann auch als "studentisches Projekt" auf den breiten Markt gelangen konnte. Kann es IMO auch gar nicht geben.

Und ich für mich mag ja ganz generell eher Macher, als Versprecher. Leute, die eine gute Idee haben, die ausarbeiten und entwickeln und dann damit auf den Markt treten. Leute, die erstmal auf Marktschreier machen und alle von ihrer tollen Idee überzeugen möchten, die sie demnächst umzusetzen gedenken, so es denn klappt und alle schön die Daumen drücken und ideologisch ganz doll unterstützen und sich lieb haben...die sind mir eher suspekt.

Von daher mag ich mich für das Projekt noch nicht so recht zu begeistern...
« Letzte Änderung: Oktober 16, 2011, 09:26:24 von warlord »
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Florian

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Re: Diaspora - Das bessere Facebook?
Antwort #18: Oktober 16, 2011, 12:48:54
Wie Du auch schon ansprichst, erschliesst sich mir z.B. nicht, wieso die Dezentralisierung ein Vorteil für mich sein sollte. (Ausser ich mache mir wirklich die Mühe und setze einen eigenen POD auf. Was ja aber auch nicht jeder tun kann...

Korrekt! Hier ist noch sehr viel zu tun, um es nicht so versierten Anwendern zu vereinfachen.
Was man sich aber schon heute vorstellen könnte, ist eben der Pod in der Firma, oder einer anderen (Online-)Gemeinschaft.

Zitat
Und die Daten müssen für die anderen PODs ja wohl auch zugänglich sein. Also potentiell für jedermann...) Ich weiss so doch noch weniger, wo meine Daten genau sind, wem genau ich sie anvertraue und wer alles Zugriff darauf hat.

Man kann gut trennen, wer was sehen darf.
Was sich mir aber nicht erschließt: In Zukunft sollen User den Pod wechseln können. Teile ich meine privaten Infos mit ihm, müssen diese logischerweise tatsächlich zum neuen Pod gesandt werden. Wie genau ist da zu gewährleisten, dass nicht der neue Pod-Betreiber die Daten abgreift?

Das ganze Projekt steht und fällt mit dem Verhindern von Sicherheitslücken. Die ganze Umsetzung eines solchen Systems ist enorm komplex, viel schwieriger als eine zentralisierte Lösung. Insofern bin ich mittlerweile recht skeptisch.



Zitat
Einziger nachvollziehbarer Grund, weshalb man Diaspora gut finden sollte, ist also dass es nicht von einer "gigantischen Firma, sondern von 4 Studenten entwickelt wurde".

Nö, ich finde das Konzept schon besser als die allwissende Cloud in den USA oder sonst wo. Es kommt es natürlich auf die Umsetzung an.

Leider verzettelt sich die Open-Source-Szene wieder in dutzenden Projekten dieser oder ähnlicher Art. Diaspora ist nur das bekannteste.


Zitat
Und ich für mich mag ja ganz generell eher Macher, als Versprecher.

Sehe ich auch so.
Aber das ist schon auch ideologisch begründet. Man setze eben auch bei der Finanzierung auf das Crowd-Modell, anstatt Venture Capital von Investoren einzuwerben.
Kann natürlich auch sein, dass sie keines bekommen haben. :)
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Thukydides
Re: Diaspora - Das bessere Facebook?
Antwort #19: Oktober 16, 2011, 13:29:41
Man kann gut trennen, wer was sehen darf.

Nö, ich finde das Konzept schon besser als die allwissende Cloud in den USA oder sonst wo.

Ja, das Unbehagen betreffend den eigenen Daten in den USA verstehe ich natürlich und teile es bis zu einem gewissen Grad. Aber wird das mit dem Konzept von Diaspora wirklich besser?

Wenn ich das richtig verstehe, sind meine Daten also grundsätzlich nicht dezentral. (Die Dezentralisierung bezieht sich nur auf die Gesamtheit des Diaspora-Netzes.) Da kann ich also noch auswählen, welchem POD-Betreiber ich meine Daten anvertrauen möchte.

Freunde und Bekannte treffen aber ebenso ihre Wahl und werden teilweise andere PODs auswählen, als ich. Gebe ich den Freunden Zugang zu einem Teil meiner Daten gebe ich damit indirekt auch dem POD, das sich diese Freunde ausgesucht haben, Zugang zu diesen meinen Daten. Ich müsste nun also nicht nur abwägen, ob ich Freund XY Zugang zu meinen Daten Z geben will, sondern müsste auch noch schauen, auf welchem POD dieser Freund ist und beurteilen, für wie zuverlässig ich diesen POD halte. So kommt es, das ich letztlich mit einer Vielzahl von Akteuren konfrontiert bin, die irgendwie mit meinen Daten in Kontakt kommen können.

Bei einem Missbrauch meiner Daten kann der "Verursacher" einer aus einer Vielzahl möglicher Kandidaten sein. Möglicherweise verstreut rund um den ganzen Globus. Und mit den meisten, ausser mit "meinem" POD, stehe ich noch nichtmal in irgend einem Vertragsverhältnis. Ist das nicht noch der viel grössere Alptraum, als der eine, zugegebenermassen schwer zu belangende Anbieter in den USA?
« Letzte Änderung: Oktober 16, 2011, 13:34:06 von warlord »
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Florian

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Re: Diaspora - Das bessere Facebook?
Antwort #20: Oktober 16, 2011, 14:21:32
Mir geht es nicht insbesondere um die USA, sondern eher um die zentrale Instanz, der sämtliche Daten anvertraut werden müssen.

Dem anderen Pod werden ja nicht alle Daten übermittelt. Sondern nur die von Dir dem dort ansässigen User (sog. Seed) (zu)geteilten. Ja, dass ist auch ein potentielles Problem. Aber nie hat ein Anbieter alles von allen Usern.

Der eigentliche Witz an der Sache ist natürlich: Vertraue ich keinem Pod-Anbieter, setze ich selbst einen auf und teile nur sehr beschränkt, kann aber doch am Netzwerk teilnehmen. Ohne mich irgendwo zu registrieren.
Das spricht natürlich nur die Geeks an, es müsste schon ein völlig einfacher, sicherer, gut verpackter Server für den Endanwender her.
Ich gebe Dir recht, auch noch die Vertrauenswürdigkeit des Pod-Betreibers zu überprüfen, ist nicht zuzumuten. So richtig geht es wirklich erst auf, wenn alle Teilnehmer quasi ein Pod sind und man Personen vertraut oder eben nicht. Sonst ist notwendigerweise immer noch Jemand dazwischen, der Pod-Betreiber.
Für wirklich realistisch halte ich das nicht. Müsste ja auch dauernd online sein.
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Thukydides
Re: Diaspora - Das bessere Facebook?
Antwort #21: Oktober 16, 2011, 22:49:17
Diaspora soll ja nicht studentisch, sondern "quelloffen" sein. Aber was heißt das?

Florian

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Re: Diaspora - Das bessere Facebook?
Antwort #22: Oktober 16, 2011, 23:28:52
Open Source ist Dir doch sicherlich ein Begriff?
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Re: Diaspora - Das bessere Facebook?
Antwort #23: Oktober 16, 2011, 23:38:01
ja, aber auf ein soziales Netzwerk bezogen??
Re: Diaspora - Das bessere Facebook?
Antwort #24: Oktober 16, 2011, 23:53:30
Die Studenten sind im Artikel (und damit in der Argumentation, wieso man es gut finden sollte) von dev0blog halt einfach erwähnt. Wobei in der Argumentation sicher nicht das studentische im Vordergrund steht, da gebe ich Dir Recht. Die Studenten dürften eher wegen ihrer metaphorischen Bedeutung Erwähnung gefunden haben. Wegen gewissen Eigenschaften, die man gemeinhin Studenten (natürlich vereinfachend) so zuschreibt. Modern, unkompliziert, finanzschwach, kapitalismuskritisch, crowd-orientiert...   Insofern soll, teilweise metaphorisch, Diaspora wohl schon studentisch sein und eben nicht professoral.

Was "quelloffen" heisst, scheint mir jetzt nicht so unklar. Oder was genau fragst Du Dich in dem Zusammenhang?
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Re: Diaspora - Das bessere Facebook?
Antwort #25: Oktober 17, 2011, 00:05:28
naja, die gepriesenen Vorteile waren ja dezentral, datenschutzfreundlich und open source. Ich meine deshalb hinkt der Vergleich mit Google. Die waren am Anfang klein und studentisch.

Ich frage mich über welchen Mechanismus eine quelloffene Software Dezentralität und Datenschutz befördern kann.

Kann aber auch einfach sein, daß ich müde bin. ;D

Florian

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Re: Diaspora - Das bessere Facebook?
Antwort #26: Oktober 17, 2011, 00:12:00
Z.B. kann ich eben reinschauen, modifizieren und überhaupt auf meinem eigenen Rechner eine Installation vornehmen.

Natürlich ist open source nicht Voraussetzung für dezentrale Installationen. Aber ich denke doch es erleichtert die Sache und schafft Vertrauen.
Zu dem obigen kommt wohl noch hinzu, dass open source von einem Dienst, der Anti-Facebook sein will, einfach erwartet wird. Von der Netzgemeinde und von interessierten Entwicklern, die ja mithelfen sollen.
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Re: Diaspora - Das bessere Facebook?
Antwort #27: Oktober 17, 2011, 09:38:42
Quelloffenheit kann Vertrauen fördern, weil eben jedermann (oder zumindest eine grössere Anzahl Leute) überprüfen und nachvollziehen könn(t)en, was die Software genau tut(*). Und Quelloffenheit erlaubt die Dezentralisierung, indem sich jedermann die Software laden und auf einem Server installieren kann. Das scheint mir alles nicht so schwierig nachzuvollziehen.

Wie schon erwähnt, habe ich mehr Mühe damit, zu verstehen, inwiefern Dezentralisierung das Vertrauen und den Datenschutz fördern können sollten. Ein zentrales Organ, das immerhin einen minimalen Ruf zu verlieren hat, erscheint mir bei aller berechtigten Kritik immer noch vertrauenswürdiger, als eine Sammlung nicht so genau bekannter Organe, die als Einzel-Organ nicht bekannt sind und so auch keinen Ruf zu verlieren haben...

(* Dass das Vertrauen nicht wirklich berechtigt ist, ist mir schon klar. Quelloffenheit heisst nicht, dass die Software auch überall unverändert betrieben wird. Meintest Du das?)
« Letzte Änderung: Oktober 17, 2011, 09:44:07 von warlord »
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Florian

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Re: Diaspora - Das bessere Facebook?
Antwort #28: Oktober 17, 2011, 18:24:29
Ich sehe da eine Parallele zur Email:
Kaum Jemand verschlüsselt, und kaum Jemand prüft den Provider des Adressaten. Wenn überhaupt, wird's über Blacklists geregelt. Ich weiß nicht, ob und wie Pods markiert oder gelöscht werden könnten. Prinzipbedingt würde es natürlich schwieriger als es ein zentrales Netzwerk hat.
Das ist ja auch das generelle Problem, der Anspruch dieses Konzepts ist sehr hoch. Ich habe ja auch schon geschrieben, die hätten sich übernommen. Hoffe ich war da voreilig.

Ansonsten:
Diaspora ist, wie alle anderen, kein Netzwerk, dem man alles anvertrauen sollte. Diese Grenze muss man also weiterhin ziehen (oder eben nicht), selbst wenn man einen eigenen Pod betreibt.
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Florian

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Re: Diaspora - Das bessere Facebook?
Antwort #29: August 28, 2012, 12:48:56
Diaspora wird zum „Gemeinschaftsprojekt“:
http://blog.diasporafoundation.org/2012/08/27/announcement-diaspora-will-now-be-a-community-project.html

Wahrscheinlich weil man sich mittlerweile https://makr.io/about widmet oder wie auch immer.

Ich sag's ehrlich: Deren Verlautbarungen waren von Anfang an unbefriedigend und meistens wortreich aber wenig erhellend. So geht es offensichtlich weiter.
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