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Re: Nur Narren in Berlin ??? - Teil 3
Antwort #15: Februar 04, 2019, 16:45:52
Keine Bange, bald sind wieder Wahlen :D

Florian

  • Es lebe der König!
Re: Nur Narren in Berlin ??? - Teil 3
Antwort #16: Februar 04, 2019, 16:47:08
Wäre eigentlich ganz einfach: Wenn Vermieter die Grundsteuer nicht mehr umlegen dürften. Wobei das ja bisher eher Minibeträge sind, also zumindest die Fälle hier bei uns.
Warum muss der Mieter eigentlich zahlen, der Eigentümer nicht? Genau wie bei der Sanierung/Modernisierung. Okay, umlegen geht noch in Ordnung, aber wenn das Geld wieder drin ist, müsste die Rente doch wieder sinken…
Könnte man fragen/fordern, aber mittlerweile stehe ich sowieso mit lauter Fragezeichen vor Staat und auch Gesellschaft.

 Auch für die Vermieter ist das schlimm, denn ihr Image wird immer schlechter, dabei muss ja irgendwer Wohnraum schaffen. Sollen das nur noch Finanzinvestoren machen?
Denn viele Vermieter können ja gar nie alles umlegen, was sie dürften, weil die Lage das nicht hergibt. In den Großstädten, wo die Eigentümer eh meistens steinreich sind und die Mieten für Normalbürger kaum noch bezahlbar, da dagegen kann man die Miete dann schon mal 25% und mehr erhöhen, dauerhaft! Irgendeiner kann sich das schon leisten, aber die Polizisten, Handwerker und Krankenschwestern, die so eine Stadt am Laufen halten, die dürfen dann aus immer größeren Distanzen pendeln. Und auf dem Land wird dann nie saniert, weil es nicht refinanzieren ist und in 30-40 Jahren hocken sie alle in Bruchbuden.
Und dann heißt es: Immer diese Vermieter, alles Abzocker.

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Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit, das Geheimnis der Freiheit aber ist der Mut.
Thukydides
Re: Nur Narren in Berlin ??? - Teil 3
Antwort #17: Februar 04, 2019, 17:15:39
Wäre eigentlich ganz einfach: Wenn Vermieter die Grundsteuer nicht mehr umlegen dürften.

Da müsstest Du den Kapitalismus aber gleich mit abschaffen. Wie möchtest du "einfach" verhindern, dass nach Abzug aller Unkosten eine marktgängige Gewinnmarge verlangt und bezahlt wird??

Florian

  • Es lebe der König!
Re: Nur Narren in Berlin ??? - Teil 3
Antwort #18: Februar 04, 2019, 18:22:29
Wieso alle? Es geht um die Grundsteuer.
Und für die Grundsteuer ist immer der steuerpflichtig, der im Grundbuch steht. Macht Sinn, oder? Was hat eigentlich der Mieter damit zu tun? Grundsteuer - Steuer auf Eigentum. Mietumlegung: Übernahme der Steuerschulden durch den/die Mieter.
Ja, der Vermieter tritt die Nutzung ab, aber der Grund bleibt doch sein Eigentum. Und darauf bezieht sich die Steuer. Trotzdem kann man sie dem Mieter auferlegen - und in den meisten Fällen auch Nießbrauchern etc.

Wo ist da die Logik?
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Thukydides
Re: Nur Narren in Berlin ??? - Teil 3
Antwort #19: Februar 04, 2019, 19:38:02
Ich würde in meinem Business auch gerne so umfangreich die Kosten in Rechnung stellen, wie es Vermieter machen.
Ich bin allerdings auch nicht ansatzweise in der Lage so effektiv jammern zu können, wie es Vermieter machen.
Re: Nur Narren in Berlin ??? - Teil 3
Antwort #20: Februar 04, 2019, 21:43:19
Logisch und formal stimme ich Florian 100 % zu. Nur, jeder Kaufmann muss doch seine Ausgaben im Blick haben und wird diese einkalkulieren. Laufende Ausgaben für Steuern, ohne laufende Einnahmen, das wird in der Praxis schwierig. Auch wenn das formal korrigiert gehört, ich glaube nicht, dass die Mieten mittel- und langfristig um den Steuerbetrag sinken würden.

Florian

  • Es lebe der König!
Re: Nur Narren in Berlin ??? - Teil 3
Antwort #21: Februar 04, 2019, 23:56:21
Ich würde in meinem Business auch gerne so umfangreich die Kosten in Rechnung stellen, wie es Vermieter machen.
Ich bin allerdings auch nicht ansatzweise in der Lage so effektiv jammern zu können, wie es Vermieter machen.

Bei Dir weiß ich es nicht, aber die Wirtschaftsvertreter allgemein sind auch gut im Jammern. :)

Logisch und formal stimme ich Florian 100 % zu. Nur, jeder Kaufmann muss doch seine Ausgaben im Blick haben und wird diese einkalkulieren. Laufende Ausgaben für Steuern, ohne laufende Einnahmen, das wird in der Praxis schwierig. Auch wenn das formal korrigiert gehört, ich glaube nicht, dass die Mieten mittel- und langfristig um den Steuerbetrag sinken würden.

Das will ich auch nicht behaupten.

Wenn aber von Mieten die Rede ist, muss ich doch mal sagen, dass es auch zahllose Kleinvermieter gibt, die oft jahrelang nicht erhöhen und auch nichts zusätzlich umlegen können, weil sie in der Lage einfach nicht mehr verlangen können. Und dies trotz Investitionen, die man eben nicht alle umlegen kann (Verwaltung, Instandshaltung, diverse Kosten, Mietnomaden etc., Leerstand). Bei der Heizung und Dämmung hat man natürlich ein riesiges Einfallstor für massive Kostenerhöhung geschaffen, energetische Sanierung kann ja leider großzügig umgelegt werden und das dauerhaft, wie ich ja schon kritisierte.
Und ehrlich gesagt: Ob nun Vermieter oder Mieter, Arschgeigen gibt es da wie dort jede Menge.

Das größte Problem ist m.E. das wir massenhaft Wohnungen haben, wo wir sie nicht mehr brauchen und in zahlreichen Ballungsräumen dafür kaum noch welche. Das ist auch ein großes Verkehrsproblem und damit auch eine Klimafrage. Von den grantigen Pendlern mal abgesehen, die ihren Kindern nichts vorlesen können, weil sie erst nach Hause kommen, wenn die schlafen. Usw.

Wenn ein Normalverdiener 60 km oder länger in die Arbeit fahren muss, dann ist lange Zeit etwas schief gelaufen.


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Thukydides
Re: Nur Narren in Berlin ??? - Teil 3
Antwort #22: Februar 05, 2019, 07:53:22
Kleine Geschichte, die für mich klar macht, warum viele Vermieter einen miesen Ruf haben.

Mein Nachbar, ein Vermieter, hat gerade ein Problem.
Im Ort sollen wir Glasfaser bekommen und in einem seiner Mietshäuser will keiner der beiden Mieter Glasfaser haben. Er hätte aber gerne Glasfaser im Haus, um das Mietshaus auch für Zukunft und für nachfolgende Mieter attraktiv zu machen.
Nun ist es aber so, dass der Glasfaseranschluss nur jetzt kostenlos gelegt wird, zukünftig kostet er mind. 750,-€, vermutlich aber deutlich mehr. Den Glasfaseranschluss gibt es aber nur mit einem Vertrag, der mind. 24 Monate läuft. Der kleinste Vertrag für 24 Monate kostet knapp über 800,-€.

Anstatt nun aber einfach den kleinsten Vertrag abzuschließen und ihn ungenutzt 24 Monate liegen zu lassen, versucht mein Nachbar lieber die Mieter zu zwingen auf ihre Kosten den Wert seiner Immobilie zu steigern.

Ich habe oft das Gefühl, dass es kaum einen anderen Bereich gibt, wo sich die Lieferanten (Vermieter) so wenig um ein gutes Verhältnis zum Kunden (Mieter) bemühen, wie es die Vermieter mit den Mietern machen. Und dass auch noch dann, wenn sie relativ eng zusammen wohnen und sich vielleicht auch noch täglich begegnen.

Florian

  • Es lebe der König!
Re: Nur Narren in Berlin ??? - Teil 3
Antwort #23: Februar 05, 2019, 22:54:10
Der Vermieter ist aber kein Lieferant, der fremde oder eigene, zum Verkauf gedachte Waren ausliefert, sondern er vermietet sein Eigentum, das hoffentlich noch viele Jahre vermietet werden wird können.
Hier steht also ein ganz anderes Interesse im Raum und darum ist die Beziehung der Mietpartner oft auch so kompliziert. Ich kenne auch viele, viele Geschichten über Mieter, die einen an der Menschheit ganz generell zweifeln lassen.
Wenn ein Mieter eine Immobilie erbt und sie vermietet, wandeln sich die Ansichten auch oft recht schnell. :)

Wie auch immer. Der Eigentümer kann m.E. auch zurecht entscheiden, ob da ein Anschluss rankommt oder nicht. Das er die Mieter, vielleicht sogar zu 100% dafür blechen lässt, finde ich auch nicht gut. Ob das rechtlich gestattet ist, weiß ich auch nicht, ich glaube eher nicht. Kurzes Suchen scheint mich zu bestätigen - wenn’s nicht im Mietvertrag steht, wird der Vermieter es nicht dürfen. Aber ich bin kein Anwalt. Als Mieter würde ich mich da auch wehren, also falls ich kein Glasfaser wollen würde und dann aber dafür zahlen sollte.
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Thukydides
Re: Nur Narren in Berlin ??? - Teil 3
Antwort #24: September 04, 2020, 10:48:39
Kommentar von Heiner Flassbeck:

Fast alle haben sich in unserer reifen und zugleich schweigenden Demokratie in ihren Nischen häuslich eingerichtet und gehen nur dann auf die Barrikaden, wenn sie glauben, ihre Nische sei unmittelbar bedroht. Besitzstandswahrung auf allen Ebenen ist die oberste Maxime.
...
Wenn die Herausforderungen, denen sich die Politik gegenübersieht, ähnlich ruhig und privat wären wie die Gesinnungen der Bürger, dann wäre alles gut. Doch davon kann nicht die Rede sein. Ob es um die Bewältigung des Corona-Schocks, um die Überwindung der säkularen Schwäche der europäischen Wirtschaft, um die wirtschaftliche Befreiung der Entwicklungsländer oder um die Bekämpfung des globalen Klimawandels geht – die Herausforderungen verlangen von einer erstarrten Politik geradezu revolutionäre Antworten.

Genau diese Spannung zwischen den gewaltigen Herausforderungen und der vollkommen visionsfreien Politik kommt in der unterdrückten Unzufriedenheit der Gesellschaft zum Ausdruck. Es gibt nicht einmal den Versuch der Politik, diese Spannung durch eine überzeugende Kommunikationsstrategie und überzeugende darauffolgende Aktionen abzubauen.

Nehmen wir als Beispiel die Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen des Corona-Schocks. Die gleiche Politik, die über Jahrzehnte der deutschen Bevölkerung eingebläut hat, dass kein öffentliches Geld für nichts da ist, zaubert über Nacht Billionen aus dem Ärmel und tut so, als sei das eine absolute Selbstverständlichkeit. Wenn ich in den vergangenen Jahren in Veranstaltungen den Zuhörern sagte, es seien ohne weiteres 200 oder gar 300 Milliarden pro Jahr vorhanden, mit denen der deutsche Staat sein Bildungswesen verbessern, die Umwelt schützen und seine Infrastruktur ausbauen könne, dann erntete ich immer ungläubiges Staunen nach dem Motto, der ist nur Wissenschaftler, der hat gut reden, weil er keine politische Verantwortung übernehmen muss.

Der durchschnittlich informierte Bürger muss nun entscheiden, wer Recht hat: Die Politik vor Corona oder die Politik nach Corona. Dazu wird ihm aber keine Hilfe von der Politik geboten, weil die ja dann zugeben müsste, die Bevölkerung über Jahre mit ihrer Ideologie der alternativlosen Sparsamkeit hinters Licht geführt zu haben. Jeder halbwegs intelligente Mensch merkt, dass da etwas nicht stimmt, findet aber kaum Aufklärung in den Massenmedien und fragt sich zurecht, ob die alle hinter einer Decke stecken und ihn für dumm verkaufen wollen.

Da ist es kein Wunder, dass viele irgendwelchen Scharlatanen hinterherlaufen, die Hyperinflation und Währungsreform in den Raum werfen, weil sie damit leicht das von der Politik geschaffene argumentative Vakuum füllen und Geld verdienen können. An dieser Stelle ist die Spannung zwischen dem, was die Politik sagt und dem, was sie macht, inzwischen so groß, dass auch die konservativen Medien das Thema aufgreifen und unterschwellig ebenfalls von der großen monetären Katastrophe reden ...

Spätestens jetzt müsste die Spitze der Politik in Deutschland und Europa bei diesem Thema dazwischen grätschen und erklären, was Sache ist. Doch wer soll das tun? Olaf Scholz oder Peter Altmaier? Angela Merkel oder Ursula von der Leyen? Christine Lagarde oder Paolo Gentiloni? Die gesamte politische und wirtschaftspolitische Spitze des Kontinents ist unfähig, der Bevölkerung zu erklären, warum das, was sie tun, weit weniger problematisch ist als es den Anschein hat


https://makroskop.eu/2020/09/die-kommunikative-unfaehigkeit-der-politik/ (Paywall)

Florian

  • Es lebe der König!
Re: Nur Narren in Berlin ??? - Teil 3
Antwort #25: September 04, 2020, 13:31:10
Dieselbe Diskussion gab es doch nach/in der Bankenkrise auch. Plötzlich werden Bazookas möglich gemacht, wo sonst über drei Euro mehr pro Kopf monatelang diskutiert wird.

Allerdings muss man schon sagen, dass die Corona-Maßnahmen nicht in dieser Form möglich gewesen wären, hätte Deutschland nicht die Verschuldungsquote zurückführen können und beste Bonität.
Auch sind das Einmalausgaben. Soziale Ausgaben aller Art (auch Bildung z.B.) dagegen sind nun mal laufende Kosten, die auf einen ständig wachsenden Etat noch oben drauf kommen. Jedes Jahr eine Bazooka ist eben was anderes als alle zehn Jahre.
Außerdem sollen Sozialausgaben ja auch was erreichen, über diesen Zweck hinaus sind sie teilweise womöglich kontraproduktiv.

Wie auch immer, Geld ist ja da, es wird laufend neu geschöpft in Dimensionen, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.
 Deutschland könnte sich wohl auch deutlich stärker verschulden, ohne negative Konsequenzen. Soweit man das heute beurteilen kann. In zehn Jahren sind wir dann vielleicht wieder der kranke Mann in einem schwachen Europa und plötzlich wird die Verschuldung anders beurteilt.

Es ist ja auch nicht so, dass Corona und die Ausgaben zu dessen Bewältigung keine Spuren hinterlassen würden. Das wird uns auch wieder viele Jahre beschäftigen, oder halt bis zur nächsten Krise.
« Letzte Änderung: September 04, 2020, 13:40:08 von Florian »
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Thukydides