ausblenden > Talk

Pandemrix und die Auswirkungen

<< < (3/6) > >>

Jochen:
Nur mal so gefragt.

Wäre es nicht effektiver Kindergärten und Schulen einfach zu schliessen als zu warten, bis dort alle Husten und Niesen und erst dann zu schliessen  ???

Jochen

warlord:
Wenn man allein die Pandemiebekämpfung im Auge hat, wäre es das wohl. Soviel ich weiss, ist es beim heutigen Lebensstandard in der Tat so, dass ohne Schulen eine Grippepandemie nicht möglich wäre. Man könnte also in der Tat Grippeepidemien verhindern, indem man einfach alle Schulen schliesst. Nun erfüllen Schulen ja aber auch einen Zweck. Also kann das prophylaktische Schliessen von Schulen bei ganzheitlicher Betrachtung kaum die Lösung sein. Man kann die Schulen ja nicht einfach während der kalten Jahreszeit jeweils dicht machen...

Aber als Alternative zur Durchimpfung der Gesamtbevölkerung wäre die Konzentration auf Schulen anscheinend durchaus tauglich. Das Durchimpfen aller Schüler würde anscheinend genügen, um Pandemien zu verhindern. Aber eben, das ist heute wohl auch nicht mehr so realistisch...

Patrick:
Grundsätzlich bin ich gegen ein pauschales Durchimpfen. Ich habe mittlerweile mehrfach erlebt, daß es entweder a) heftige Nebenwirkungen gab oder b) trotz Impfung die Krankheit ausbrach. Insbesondere die heute so beliebten Mehrfachimpfungen für Kinder halte ich für bedenklich.

Zum Thema Grippe und insbesondere Schweinegrippe: bekanntermaßen werden die Viren über Tröpfcheninfektion weitergegeben und wie man in dem einen Werbespot so schön gesehen hat, geht es dabei nicht darum, daß man von einem Infizierten angehustet wird. Regelmäßiges Händewaschen ist vor allem für Eltern kleiner Kinder Pflicht. Schneller geht's natürlich mit Sterilium oder anderen Handdesinfektionsmitteln, ob wirksamer, sei dahingestellt.

Schlimmer als die Schweinegrippe (die eigentlich gar keine ist) finde ich den Umgang von Politik und Medien damit. Und wen wundert's, daß die dämliche Aussage von Hacker ("Wer Grippe hat, hat H1N1") zu einem wahren Ansturm auf die Ärzte führt. Ich frage mich gerade, ob da nicht der eine oder andere Pharmakonzern beim Chef des Robert-Koch-Instituts angeklopft hat, da ja bis vor kurzem sich eigentlich keiner impfen lassen wollte...

Fakt ist, daß durch die saisonale Grippe in Deutschland jährlich etwa 15.000 Menschen sterben, dazu kommen noch etliche weitere Tote durch "harmlose" Krankheiten wie Masern, Windpocken, etc. Diese Meldungen gehen auch jedes Jahr durch die Presse, interessieren aber scheinbar keinen. Natürlich sind auch hier Fälle ohne Vorerkrankung dabei.

Ich denke, daß Flo mit seiner Einschätzung, daß hier eigentlich Konjunkturhilfe für die Pharmakonzerne geleistet wird, gar nicht so falsch liegt.

warlord:
Von der Theorie der Konjunkturhilfe für Pharmaunternehmen (oder gar von Verschwörungstheorien, die böse Pharmaindustrie stecke hinter dem ganzen Hype (oder sogar dem Virus)), halte ich nun relativ wenig. Pharma spürt die schlechte Konjunktur nämlich nur unterdurchschnittlich.

Das Hype-Problem ist in meinen Augen deutlich vielschichtiger. Wichtige Motoren der zeitweise bestehenden Überdramatisierung sind in meinen Augen auch das Bedürfnis von Gesundheitsbehörden, die Notwendigkeit der eigenen Existenz zu beweisen, und dann vor allem auch die Presse und ihr Selbstverständnis. Aufgabe der Presse ist heute ja nicht mehr primär die Berichterstattung, sondern die Unterhaltung. (Ein Grossteil der Konsumenten will das natürlich auch so.)

Und dann gibt es wohl eben durchaus auch wissenschaftliche Gründe, die gegen ein Nehmen auf die allzu leichte Schulter sprechen. Nicht auf den einzelnen Kranken bezogen, aber gesamtheitlich betrachtet. Sorgen machen weniger die aktuellen Auswirkungen von H1N1. Die Sterberate ist in der Tat vergleichbar mit den "üblichen" saisonalen Grippen oder sogar leicht geringer. Angst macht er den Experten schätzungsweise primär als mögliche Komponente oder Ausgangsvirus für einen weit gefährlicheren Virus. Z.B. wenn er sich mit H5N1 (besser bekannt als Vogelgrippe, der übrigens die Behörde, bei welcher ich tätig bin, auch heute noch wesentlich stärker beschäftigt als H1N1, auch wenn man darüber seit Jahren nichts mehr liest) vereinigen würde. Und je grösser die Ausbreitung von H1N1 wird, je mehr Viren es also gibt, umso mehr Mutationen von ihm gibt es. Und je mehr Mutationen es gibt, umso grösser ist die Chance, dass darunter auch gefährlichere Mutationen sind oder er sich gar mit H5N1 vereinigt.

Edit: Typos

fränk:
Da bin ich ganz bei dir!

Ich habe so ähnlich im Freundes- und Bekanntenkreis argumentiert und immer erzählt ich lasse mich nicht impfen.
Jetzt habe ich ein wenig Bammel mir eine schwere Grippe einzufangen und dann auch noch als Depp da zu stehen. ;D

Bis auf deinen Rückschluss, die Pharmaindustrie würde eine Konjunkturhilfe nicht benötigen, weil sie die schlechtere Konjunktur nur unterdurchschnittlich spürt.
Die könnten sich in einem Rekordjahr befinden und würden trotzdem alles nutzen um noch mehr Kohle zu machen. ;)

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

[*] Vorherige Sete

Antwort

Zur normalen Ansicht wechseln