ausblenden > Talk

Big Brother...

<< < (3/4) > >>

Terrania:
Obwohl ich zugeben muß: Als normaler Mensch kann man sich die "echte" Schlechtigkeit gar nicht vorstellen. Und wenn man dann damit konfrontiert wird, würde man ganz gerne mit der Pumpgun aufräumen. Das klingt vielleicht witzig, isses aber nicht. Meiner Meinung nach (nein, ich will nicht mit einer Pumpgun aufräumen ...), kommen die wirklich schlechten Menschen eigentlich immer zu gut weg ...

warlord:

--- Zitat von: Terrania am Oktober 06, 2005, 16:47:01 ---Als normaler Mensch kann man sich die "echte" Schlechtigkeit gar nicht vorstellen. Und wenn man dann damit konfrontiert wird, würde man ganz gerne mit der Pumpgun aufräumen. ... kommen die wirklich schlechten Menschen eigentlich immer zu gut weg ...

--- Ende Zitat ---

Sorry, aber da kräuseln sich meine Zehennägel, wenn ich so etwas lese. Genau mit solchen Ansichten läuft man Gefahr, als Mitläufer in einem lynchenden Mob zu enden, wenn man glaubt, einen solchen echten bösen Menschen gefunden zu haben.
Da muss ich Dir dringendst mal Der Anteil des Teufels zur Lektüre empfehlen. Denis de Rougemont versucht darin ziemlich eindrücklich zu vermitteln, dass es DEN bösen Menschen nicht gibt, sondern nur DAS Böse im Menschen. In jedem Menschen. Auch in Dir und mir.

Florian:
Was Terrania wohl meinte:
Schwere Straftaten verursachen in ihm Aggressionen gegen den Täter.

Da geht es mir und den meisten anderen Menschen oft wohl genauso (obwohl mein Intellekt dagegen halten will). Natürlich ist nicht der Mensch an sich böse oder nur schlecht - sondern seine Taten. Wobei man natürlich die religiöse bzw. ethische Kategorie "böse" an sich, meiner Meinung nach, nicht absolut definieren kann. 

Ein anderes Gefühl in Bezug auf Kriminalität ist natürlich die Angst.

Angst und Wut sind ein gefährlicher Cocktail und der wird von den Boulevard-Medien täglich frisch serviert.

Und genau auf diese Karte setzen ja auch die Möchtegern-Kontrolleure.  Wo solch starke Urinstinkte hervortreten kann man einerseits mit markigen Worten immer gut punkten und andererseits hat man Rückenwind für seine Pläne. Ob man diese nur ergreift um Aktivität gegen das Verbrechen vorzugaukeln oder aus wirklichen Überwachungsfantasien heraus - das sei einmal dahingestellt.

Diesen Mechanismus muss man sich eben immer wieder vergegenwärtigen. Dabei nutzt es nichts, die Emotionen der Menschen nur als irregeleitet oder den Höhlen entsprungen einzuordnen. Vielmehr muss man sich intensiv damit auseinandersetzen und nachweisen, daß die Bürgerrechte uns allen nützen und die typischen Politiker-Pläne - höhere Strafen, mehr Kontrolle - die hochgeschriebene Kriminalität nicht verhindern.

warlord:

--- Zitat von: Florian am Oktober 06, 2005, 18:52:21 ---Was Terrania wohl meinte:
Schwere Straftaten verursachen in ihm Aggressionen gegen den Täter.

--- Ende Zitat ---
Und diese Aggression in ihm, Dir oder mir ist dann gut? Er kann sich "echte" Schlechtigkeit nicht vorstellen? Das heisst, nur jene in den anderen ist die "echte" Schlechtigkeit. Die eigene Schlechtigkeit ist nicht "echt".

Terrania:
Mal Butter bei de Fische: Nicht alle Menschen sind gut (ausser man ist Hai). Es gibt verdammt miese Typen auf diesem Planeten, die sich einen feuchten Dreck drum scheren, mal eben ein paar tausend Leute über den Jordan zu schicken. Es ist mir pipaposchnurzegal, ob jeder Mensch böse ist, oder böse Seiten hat, es geht mir um den Grad der Bösartigkeit. Ein Tiger ist wahrscheinlich nicht "böse" oder ein Hai. Der verteidigt sich, oder schaut sich nach was essbarem um. In der westlichen Wertvorstellung ist "Du sollst nicht töten" (etc.) eigentlich im moralischen Kodex verankert - außer man kann Kohle machen oder was anderes und setzt sich bewußt drüber hinweg. "Echte" Schlechtigkeit ist das, was mein Intellekt überhaupt nicht mehr nachvollziehen kann - dazu gehört die Judenvernichtung genauso wie alle anderen Dinge, die "zivilisierte" Menschen an anderen Menschen begehen. Ob 9/11 oder der Abwurf der ersten Atombombe in Hiroshima und Nagasaki oder ein kleiner Mugabe, der mal eben ein paar Schwarze umnieten lässt ist dabei schnurzpiepegal. Das was mich rasend macht, ist die Ohnmacht, nix, aber auch gar nix dagegen tun zu können. Das führt zu Aggressionen. Wer das leugnet, der lügt sich selbst in die Tasche oder interessiert sich einfach nicht für sowas. Wer bei 9/11 nicht wütend und fassungslos war, dem ist nicht mehr zu helfen. Und ich postuliere: Es gibt sie die "bösen" Menschen. Alles andere ist drumrumgerede und sonst gar nix. Und auf eine Grundsatzdiskussion über das Böse an sich im Heideggerschen "Kunst"-Sinne habe ich null Bock. Wie würdest Du denn eine Familie definieren, die ihr Kind einsperrt und langsam verrecken läßt wie in Hamburg geschehen? Das sind für mich keine "guten" Menschen mehr.

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

[*] Vorherige Sete

Antwort

Zur normalen Ansicht wechseln