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    Umfrage

    Wieviel Hubraum hat der Motor des Autos das du nutzt?

    bis 1000ccm
    5 (22.7%)
    bis1400ccm
    2 (9.1%)
    bis 1600ccm
    1 (4.5%)
    bis 2000ccm
    7 (31.8%)
    über 2000ccm
    4 (18.2%)
    besitze/nutze kein Auto (weniger als 2000Km p.A.)
    3 (13.6%)

    Stimmen insgesamt: 20

    Florian

    • Defender of the Crown
    Re: CO2 Debatte aller Orten
    Antwort #840: Mai 24, 2021, 01:03:35
    Sehe nicht, dass Klimaschutz und Wohlstand sich ausschließen.
    Erstmal erfordert er ja viel neue Technologien und Bauwerke. Das schafft Wirtschaftswachstum. Ist das mal geschafft, hat man deutlich günstigere Energie - schon heute ist die Windkraft günstiger als alles andere.

    Vor allem aber kann man m.E. Wohlstand verschieden definieren. Eine intakte Umwelt bietet einen hohen Freizeitwert. Moderate Temperaturen schützen anfällige Mitbürger. Kürzere Pollensaisons Allergiker. Ein Urlaub im Umland muss auch nicht schlechter sein als Mallorca und ist vielleicht auch gesünder. Besoffen in der Sonne brutzeln ist für mich jedenfalls kein Wohlstandsgewinn. Oder Videokonferenz statt ewig rumreisen. Und ein Elektroauto, dass man mit der eigenen Solaranlage auflädt, schont den Geldbeutel ungemein und macht Spaß. Ich weiß, dass das viele Leute nicht machen können, aber viel mehr als jetzt.

    Das ist aber eigentlich alles egal. Entweder wir begrenzen die Erwärmung, so gut es noch geht, oder wir müssen mit den Konsequenzen leben. Und die dürften ein wesentlich größerer Wohlstandsverlust sein als alles, was die Politik so aushecken kann. Man denke an die Milliarden Menschen, die eng am Meer leben. Millionenstädte ohne Ende. Vielleicht können die reichen Länder Deiche bauen, das kostet aber auch und werfen keine Gewinne ab - anders als viele Klimaschutz-Ideen.
    Oder denken wir an die Waldbauern, die heute schon gewaltige Probleme haben - und die Verwerfungen am Holzmarkt, weil jetzt Kanada massive Einbrüche dank eine Käfers hat, der das wärmere Klima liebt. Jetzt ist der Holzmarkt leergefegt, weil alles in die USA und nach China geht. Bauen teurer -  Wohlstandsverlust.

    Mehr Effizienz war historisch gesehen stets ein Wohlstandsgewinn. Die wird auch noch sehr wichtig werden. Es gibt so viel Sparpotential in so vielen Bereichen!
    Zum anderen kann man CO2 der Atmosphäre relativ leicht entnehmen, natürlich insbesondere bei der Entstehung. Algen-Reaktoren, renaturierte Moore, Aufforstung, Holzbauten (oder andere nachwachsendes Material) - alles langfristige Speicher. Und in geeignetes Gestein leiten sollte auch kein Tabu sein.

    Die globale Zusammenarbeit klappt bisher eigentlich ganz gut - wird sicher schwieriger, wenn es um konkrete Einschnitte gehen wird.

    Trotzdem sind wir m.E. zu langsam - der Ausstoss sinkt ja nicht wirklich, und kommt ja immer obendrauf. Dabei sind wir schon deutlich über 400 ppm. Allen voran muss man auf China und die USA hoffen.

    mathias

    • Trompeten statt Raketen!
    Re: CO2 Debatte aller Orten
    Antwort #841: Mai 24, 2021, 10:45:13
    Vor allem aber kann man m.E. Wohlstand verschieden definieren. Eine intakte Umwelt bietet einen hohen Freizeitwert. Moderate Temperaturen schützen anfällige Mitbürger. Kürzere Pollensaisons Allergiker. Ein Urlaub im Umland muss auch nicht schlechter sein als Mallorca und ist vielleicht auch gesünder. Besoffen in der Sonne brutzeln ist für mich jedenfalls kein Wohlstandsgewinn. Oder Videokonferenz statt ewig rumreisen. Und ein Elektroauto, dass man mit der eigenen Solaranlage auflädt, schont den Geldbeutel ungemein und macht Spaß. Ich weiß, dass das viele Leute nicht machen können, aber viel mehr als jetzt.
    Da bin ich im Grunde ganz bei dir. Für mich wäre eine autofreie Innenstadt absoluter Wohlstand: mehr Platz für Fußgänger, Radfahrer, Kinder, Gastro etc., weniger Lärm, Dreck, Stress usw. So denkt aber aktuell nur eine Minderheit. Für die meisten ist doch der PKW der Inbegriff des Wohlstandes, der heilige Gral des Konsums, und mit dem will ma ja auch in die Innenstadt fahren dürfen usw. Was für ein Theater gibt's in München wegen des ad hoc Radwegs in der Rosenheimer Strasse. Wahnsinn. Die Autofahrer beschweren sich, dass sie nur noch 2 spurig im Stau stehen können. Eine Veränderung geht nur mit harten Maßnahmen und Vorschriften. Und dann gibt's die Einzelhändler, die mit weniger Autos weniger Kundschaft verbinden, obwohl das Gegenteil der Fall sein dürfte.
    (Wie es im Stadtverkehr sein könnte, hat man in der Corona-Krise sehr gut erleben können, das Verkehrsaufkommen war so, wie es eigentlich sein sollte bzw. es sich jeder wünscht.)
    Wir brauchen ein Umparken im Kopf, eine Veränderung in der Wertung dessen, was wir heutzutage als Wohlstand und echten Gewinn ansehen. Solange dies das Kilo Schnitzel für 3,99€ ist oder der Urlaub auf Malle ist, ist eine Akzeptanz notwendiger Maßnahmen schwierig. Allerdings läßt es sich aus der Sicht eines Besser-Verdieners (die typische Grünen-Klientel?) auch einfach argumentieren. Für den Normalverdiener, mit 2000€ netto sieht die Situation wieder ganz anders aus. Ich geh ab und zu im Bio-Laden ein paar Dinge einkaufen... :'( :'( Puh, das muss man sich leisten können.

    Anderes Beispiel: Baukosten. Durch Bauvorschriften ist bauen bei uns langwierig und teuer geworden. Konsequenz: es fehlen bezahlbare Wohnungen.

    Lange Rede, kurzer Sinn: das Problem ist so komplex, dass es dafür keine einfache und - vor allem - schnelle Lösungen gibt. Und wir sprechen nur von Deutschland.

    _______
    "Gestern ist mir die Milch runtergefallen. Die war nicht mehr haltbar!"

    Florian

    • Defender of the Crown
    Re: CO2 Debatte aller Orten
    Antwort #842: Mai 24, 2021, 15:33:24
    Preislich ist das mitunter schon schwierig, wobei das oft Kopfsache ist. Nach dem Motto: Was, so viel? Leisten könnte man es sich, aber man will nicht. Geht mir genauso. Man muss viel vergleichen und den richtigen Zeitpunkt nutzen. Letztens staunte ich nicht schlecht über die Gemüsepreise.
    Discounter haben heutzutage auch viel Bio, aber halt meist nur EU-Bio. Nehme ich aber auch öfters mal.

    Andererseits ist gerade Essen in Deutschland ein Stiefkind. Wir geben europaweit den kleinsten Prozentsatz des Einkommens für Essen aus. Da sind andere Dinge eben wichtiger. Persönlich frage ich mich, was wichtiger sein soll als gutes Essen, Bio oder nicht, aber lassen wir das.

    So komplex finde ich das Problem gar nicht mal. Nur sind die Lösungen eben teilweise Einschnitte in alte Gewohnheiten und das haben viele Leute aber so was von nicht gerne. Merkt man ja derzeit überall, auch bei anderen Themen. Veränderung an sich ist schon eine Zumutung. Wir sind eben auch eine Gesellschaft mit einem Durchschnittsalter von ca. 46 Jahren, da sind die meisten Menschen angekommen und haben sich fest eingerichtet in Weltanschauung und Lebensführung.
    Und ehrlich gesagt sind die jugendlichen Klimaaktivisten doch auch nur eine Minderheit in ihrer Altersgruppe. Und bis die wirklich die Gesellschaft verändern, so lange können wir sowieso nicht mehr warten. Wobei, ein bisschen haben sie es ja schon geschafft, dann kam Corona.

    mathias

    • Trompeten statt Raketen!
    Re: CO2 Debatte aller Orten
    Antwort #846: Gestern um 11:03:56
    Würde das Geld, das in Förderung/Subventionen von E-Autos gesteckt wird, anderweitig eingesetzt, könnte 40 bis 80 mal so viel CO2 pro Euro gespart werden, sagt:
    https://www.bundestag.de/resource/blob/848016/ae001ee0968c8aa0681065da48aa52ec/Prof-Dr-Joachim-Weimann-FWW-data.pdf

    Wie man in der Schlussrechnung termingerecht am kostengünstigsten auf 0 Tonnen CO2 kommt, sagt der Gutachter allerdings nicht.
    Re: CO2 Debatte aller Orten
    Antwort #847: Gestern um 13:55:27
    Würde das Geld, das in Förderung/Subventionen von E-Autos gesteckt wird, anderweitig eingesetzt, könnte 40 bis 80 mal so viel CO2 pro Euro gespart werden,

    Das kann ich mir gut vorstellen. Ich habe mir auch vor kurzem ein E-Auto geleast und dabei dann 9000€ Förderung bekommen.
    Aber im Endeffekt ist es wie damals bei der Abwrackprämie auch. Da der Händler/Hersteller weiß, dass es diese Förderung gibt, ist der Preis viel höher, als er ohne Förderung wäre und es gibt die üblichen Rabatte nicht.
    Das Auto gibt es als Verbrenner, Hybrid und Elektro und der Elektro kostet 10.000€ mehr als der Verbrenner, obwohl da viel weniger Technik verbaut ist und er eigentlich günstiger sein müsste. Aber durch die Prämie kann ein höherer Preis gefordert werden, um am Ende für den Kunden bei dem gleichen Preis zu landen.
    _______
    Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn, Verstand ist stets bei wen´gen nur gewesen." -- Schiller
    Re: CO2 Debatte aller Orten
    Antwort #848: Gestern um 14:31:05
    "Weniger Technik" ist kein geeigneter Maßstab. Herstellungskosten und VerkaufsMarge müssten zur Beurteilung eines fairen Preises herangezogen werden:
    https://www.automobil-produktion.de/hersteller/wirtschaft/e-autos-druecken-marge-der-hersteller-229.html
    https://www.elektroauto-news.net/2019/volvo-gewinnmarge-e-autos-2025-vergleichbar-verbrenner
    Re: CO2 Debatte aller Orten
    Antwort #849: Gestern um 15:05:54
    Klar, "weniger Technik" ist so für sich alleine gesehen natürlich sehr vereinfacht.

    Aber:
    Ist der Bau eines Elektroautos wirklich teurer als der eines Verbrenners?
    Ein Elektromotor ist sehr einfach aufgebaut und kann auch komplett automatisiert ohne menschliche Beteiligung gebaut werden.
    Ein Verbrenner-Motor ist im Vergleich dazu extrem komplex aufgebaut, hat unzählige Komponenten und muss mit teurer menschlicher Hilfe zusammengebaut werden. Zusätzlich ist ein Schalt/Automatikgetriebe notwendig. Die Abgasaufbereitung ist aufwändig, die Motorsteuerung ist komplex.

    Die seit Jahrzehnten verschlafene Umstrukturierung und Neuausrichtung der Autoindustrie kostet natürlich Geld. Und wenn man diese Kosten nur den in homöopathischen Mengen produzierten E-Autos zurechnet, ist die Marge natürlich kleiner als bei den Verbrenner, bei denen diese Kosten schon vor vielen Jahrzehnten aufgetreten sind.


     
    _______
    Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn, Verstand ist stets bei wen´gen nur gewesen." -- Schiller

    Florian

    • Defender of the Crown
    Re: CO2 Debatte aller Orten
    Antwort #850: Gestern um 16:58:13
    Das Bauen ist einfacher, es fallen auch viel weniger Wartungen an. Dafür ist das alles noch nicht so eingespielt und die Zulieferer noch nicht total ausgequetscht. Das wirklich teure ist natürlich der Akku. Und die müssen die meisten Firmen zukaufen. Zwar wurden diese die letzten Jahre günstiger, aber dieser Effekt wird nicht weitergegeben.
    Aber die Preise sinken ja sonst auch nur über inoffizielle Mehrrabatte oder Leasing-Klauseln, wenn das Modell älter wird und ändern sich nicht je nach Stahlpreis oder Tarifabschluss.

    Ob man ohne die Prämie derzeit groß Rabatte bekäme, weiß ich nicht so sicher. Denn derzeit übersteigt die Nachfrage bei vielen Modellen die Fertigung.

    Generell bin ich mir auch sicher, dass man anderswo viel mehr fürs Klima erreichen könnte. Aber nicht gleichzeitig die Autoindustrie fördern und so tun, als könne man sonst alles so lassen, wie es ist. Fahrt weiter Auto, jetzt halt mit Kohlestrom…

    Wie müssten ein gutes Stück weg von der persönlichen Mobilität, nicht noch mehr massive Stromverbraucher derart fördern. 40 Mio. E-Autos sind eine echte Hausnummer. Das käme zum eh ständig steigenden Stromverbrauch noch hinzu. Man denke auch an die Wärmepumpen, die Öl- und Gasheizungen ersetzen sollen.

    E-Auto schön und gut, aber hier wird wieder umverteilt zugunsten der Firmen und eher gutverdienenden Menschen, die sich zwei bis drei Autos leisten können und/oder sogar ein Haus mit PV-Anlage. Denn meistens sind die Elektros Zweit- oder Drittwagen.

    Ich will nicht sagen, Deutschland wäre generell unsozial, aber viele Förderungen gehen an die, die eh schon mehr haben. Die anderen dürfen dann an der Tanke mehr bezahlen, weil sie sich mit oder ohne Förderung kein neues Auto leisten können.
    Mit Klimarettungs-Siegel kann man es trotzdem gut verkaufen…