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Ich mach ne neue Website - e-engine.de
Terrania:
Das ist der Unterschied zu Firmen woanders: in Deutschland will die POST kein Autohersteller sein. In den USA investiert Amazon eine Menge Geld in Rivian, damit das Elektro-Start-Up die zukünftigen Ausliefer-Fahrzeuge baut. UPS investiert in ein britisches Start-Up und wird 10.000 Fahrzeuge bauen. Wir reden über richtig hohe Investitionen, die schon an die Milliarde gehen. Das würde ein deutsches Unternehmen nicht stemmen wollen und vor allem nicht können. Jetzt will Günther Schuh der Gründer von Streetscooter das Unternehmen zurückkaufen. Schuh ist aber möglicherweise nicht der richtige, denn er hat auch e.GO gegründet. Obwohl die Fahrzeuge an sich eine gute Idee sind, sieht’s momentan so aus, als würde er die Firma an die Wand fahren. Er setzt die falschen Prioritäten und kann nicht günstig genug produzieren. Sein kleiner e.GO kostet mehr als ein Renault ZOE und kann weniger. Das haut leider nicht hin. Mit dem Rückkauf von Streetscooter würde er sich, das ist meine Meinung, übernehmen.
Davon ab: Schuh hält nichts von großen Batteriereichweiten, er selbst fährt noch einen Diesel. Das sendet etwas falsche Signale – auch für Investoren. Kurz: er setzt auf die falschen Rahmenbedingungen. Der Deutsche WILL aber Reichweite und ganz ehrlich – seit wir Stromer testen ist für uns klar: Alles unter 300 km Reichweite(ECHTE Reichweite! Nicht WLTP) wird nicht hinhauen. Für 300 reale Reichweite benötigt man aber mindestens eine 50 kWh-Batterie (Brutto). Bereits auf der Autobahn bei Tempo 130 sinkt die Reichweite dann auf 240 km, weil realistisch um die 20 kWh/100 km verbraucht werden. Das geht derzeit nicht besser. Ausser bei Tesla, der schafft die 20-22 kWh auch bei 150 km/h. Da liegts aber an supercleverer Software, nicht unbedingt an besserer Technologie.
Zum Vergleich: würde man einen Mercedes EQC oder Audi e-tron mit 150 km/h auf der Autobahn bewegen, wäre der Verbrauch schnell weit über 30 kWh. Bei einer Batterie von 75 kWh beim Daimler bedeutet das knapp über 200 km ECHTE Reichweite. Das ist ein Witz.
radneuerfinder:
Wenn man Elektroauto und Reichweite jetzt haben möchte, wieso greift man dann nicht auf Technologie zurück, die jetzt verfügbar ist? Mechanische Wechselakkus, die sich in wenigen Minuten wechseln lassen.
Better Place ist, soweit ich weiß, nicht technisch gescheitert, sondern wirtschaftlich. Sie waren mMn einfach zu früh dran. Warum diese Idee deshalb für immer zu den Akten legen?
Statt Milliarden in ein e-TankstellenNetz zu inverstieren, sollten diese lieber in Akkuwechselstationen investiert werden.
Ich würde mir vorstellen, es gibt genormte Akkuquader in 3 Größen für Moped, PKW, LKW. Der PKW Akku beispielsweise mit 15 KWh. Jedes Auto hat außerdem fest eingebaute (kleinere) Akkus, die die Karrosserieform ausnützen. Der Rest an Reichweite wird mit einem oder mehreren Akkuquadern nach Bedarf nachgetankt.
Das hätte folgende Vorteile:
- Reichweitenangst ade, Zeitverluste durch "tanken" ungefähr wie gewohnt
- Das Auto schleppt nicht permanent hunderte von Kilogramm schweren Akkus durch die Gegend, die auf den weit verbreiteten Kurzstrecken nur unnötiger Ballast sind.
- Die Akkus würden nicht, im Schnitt, 23 Stunden am Tag rumstehen, der Auslastungsgrad wäre höher, sie würden effizienter = kostensparender eingesetzt. Negative Effekte wie Selbstentladung und Alterung kommen durch die höhere Umlaufgeschwindigkeit weniger beim Endverbraucher an.
- Durch die höhere Umlaufgeschwindkigeit kämen neue Akkutechnologieen schneller in die Autos.
- Die e-Tankstellen und die darin gelagerten Akkus ließen sich leichter, und schneller, als Puffer ins Stromnetz einbinden, als wenn die Akkukapazitäten in einzelnen Autos rumstehen.
Soweit ich gelesen habe, stecken in der Akkutechnologie bei einem Elektroauto rund die Hälfte der Ingenieurleistung und der Kosten. Dann verlagert sich der Wettbewerb eben zu einem Teil auf die Akkus und deren Infrastruktur. "Ich tanke nur VW Super Cell Quader!" Strukturwandel nennt sich sowas, glaube ich.
Je kraftvoller die für Fortschritt & Marktwirtschaft typische "schöpferische Zerstörung", desto vitaler unsere Wirtschaft! Wäre ja vielleicht was für das Land der Tüftler?
Terrania:
Ja, die Wechselakkus. Tatsächlich macht ein chinesisches Unternehmen, NIO, Wechselakkus. Die kommen auch irgendwann in Deutschland raus.
https://e-engine.de/angriff-auf-die-deutschen-stromer-suvs-nio-es8/
Tatsächlich würde das nur mit einer Normierung der Akkus allgemein funktionieren – also gar nicht. Denn der Akku und die zugehörige Elektronik ist quasi das Wertvollste bei E-Fahrzeugen und wird von den Herstellern gehütet. Siehe Tesla.
Es gibt aber andere Ansätze: Renault hat die MORPHOZ-Studie rausgebracht. Kleiner Crossover in der Stadt mit wenig Akku, großer Reisewagen für weitere Strecken, dann kann man zusätzliche Akkus einsetzen. Wie das geht: https://e-engine.de/renault-elektroauto-studie-morphoz-size-matters/
Andererseits glaube ich, dass das ganze Thema Mobilität vermutlich in den nächsten 10 Jahren pulverisiert wird. Integrale Mobilitäts-Konzepte werden kommen. Es wird jedenfalls nicht der Stau mit Elektroautos sein, der den Stau mit Verbrennern ablöst. Das kann es einfach nicht sein.
Es wird der Weg und das Ziel zählen. Ich fahre mit dem autonomen Taxi, ÖPNV, Ridesharing, eScooter, was auch immer zum Bahnhof oder Flughafen, fahre nahtlos mit dem Zug über große Distanzen (pünktlich, sauber, mit Platzkarte und hervorragenden Dienstleistungsangeboten im Zug), steige aus und fahre mit dem autonomen Fahrzeug weiter zu meinem Bestimmungsort. Das Ganze benötigt keine eigenen Fahrzeuge mehr, die Reise wird über die App geplant, die im Hintergrund alle Sachen bucht und für mich erledigt. Unten steht der Preis. Und wenn wir kein eigenes Auto mehr haben, spielt der eine untergeordnete Rolle. Denn ein Auto kostet ein paar 100 Euro bis weit über 1.000 Euro mit Wertverlust im Monat. Die legt man dann eben in NEW MOBILTIY an.
Für diejenigen, die immer noch jeden Tag viele KM abspulen gibt’s dann eben Elektroautos mit dicken Akkus, die bereits bereitsstehen und im Monatsabo laufen. Das Resultat: weniger Fahrzeuge, mehr Dienstleistung, mehr Convenience.
Ob das in Deutschland funktioniert? Ganz ehrlich? Nein. Da fehlt jegliche Phantasie bei den Deutschen ... In China wird das als erstes realisiert werden. Da bin ich sicher.
fränk:
Ich glaube E-Auto mit Akku ist einfach nur ein toter Gaul und man sollte nun endlich absteigen.
MacFlieger:
--- Zitat von: Terrania am März 12, 2020, 12:00:07 ---Tatsächlich würde das nur mit einer Normierung der Akkus allgemein funktionieren – also gar nicht. Denn der Akku und die zugehörige Elektronik ist quasi das Wertvollste bei E-Fahrzeugen und wird von den Herstellern gehütet. Siehe Tesla.
--- Ende Zitat ---
Genau das sehe ich auch als das leider entscheidende Hindernis bei Wechselakkus. Kein wirkliches technisches Problem oder Nachteil, sondern die Firmen wollen nicht zusammenarbeiten. Und der Gesetzgeber wird da auch nichts machen...
Auch das Chaos an den Ladesäulen, dass je nach eingesetzter Karte ein anderer Preis auf unterschiedlicher Berechnungsgrundlage berechnet wird, und der aktuelle echte Preis nicht erkennbar ist, mit Überraschungen bei der nächsten Abrechnung... Alles technisch überhaupt kein Problem, man kann nur mit dem Kopf schütteln.
Meiner Meinung nach gibt es bei diesem ganzen Thema so viele Punkte, die technisch bereits gelöst sind und einfach nur an der Sturheit der Firmen und Kunden scheitern. Ich finde das extrem traurig.
--- Zitat von: fränk am März 12, 2020, 12:00:39 ---Ich glaube E-Auto mit Akku ist einfach nur ein toter Gaul und man sollte nun endlich absteigen.
--- Ende Zitat ---
Das sehe ich anders. Meiner Meinung nach ist die Technologie vorhanden und auch umsetzbar, nur die traditionellen Autofirmen setzen sie nicht ein.
Das fängt mit viel zu kleinen Akkus ein, was nicht nur Nachteile bei der Reichweite ergibt, geht über so Unsinn wie Plugin-Hybride, die defacto nur aus Steuergründen einen Minimalakku an Bord haben, über unbeheizte Akkus, die schnell kaputt gehen, bis zur fehlenden bezahlbaren Modellauswahl neben Sportlimousine und Kleinwagen.
Tesla zeigt hier meiner Meinung nach wirklich deutlich, was technisch machbar wäre. Und man muss im Kopf haben, dass die Entwicklung der Akkutechnologie noch weiter geht, d.g. die Akkus werden noch mehr Kapazität pro Gewicht bekommen, noch mehr Leistung haben, günstiger, billiger und langlebiger werden.
Wobei die Langlebigkeit mittlerweile bei vernünftigem Akkumanagement und -größe schon jetzt die Lebensdauer eines Fahrzeuges weit übersteigt (siehe Tesla).
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