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USA: Wahlkampf und -Krampf
Jochen:
--- Zitat von: Florian am November 20, 2016, 15:26:18 ---Die Eigenverantwortung der Menschen.
--- Ende Zitat ---
bezweifel ich zunehmend :'(
--- Zitat von: Florian am November 20, 2016, 15:26:18 ---Seit der Antike ist anerkannt, dass Demokratie ohne informierte Bürger nicht funktionieren kann.
--- Ende Zitat ---
Schon im alten Rom gab es gekaufte Volksstimmen :'(
Jochen
Florian:
--- Zitat von: Jochen am November 20, 2016, 15:59:09 ---Schon im alten Rom gab es gekaufte Volksstimmen :'(
--- Ende Zitat ---
In der Tat, und viele Leute ließen sich gewinnen mit Spaß und Spielen und der Ausbeutung fremder Völker.
warlord:
--- Zitat von: Florian am November 20, 2016, 15:26:18 ---Was mich aber schon leicht irritiert bei dieser Aufarbeitung, generell und überall, ist das kaum thematisiert wird:
Die Eigenverantwortung der Menschen. Seit der Antike ist anerkannt, dass Demokratie ohne informierte Bürger nicht funktionieren kann.
Eine minimale Medienkompetenz kann sich jeder aneignen und muss nicht den Mist und die Lügen diverser Internetseiten und in den „sozialen Medien“ glauben.
--- Ende Zitat ---
Ist es nicht so, dass das was sich derzeit in Europa und den USA beobachten lässt, eben gerade der Auswuchs von steigender Medienkompetenz oder zumindest dem Bedürfnis danach ist? Der Vorwurf, es sich in Blasen gemütlich einzurichten, wird ja gerne und vor allem gegenüber Konsumenten "sozialer Medien" erhoben. Aber ist es eben nicht gerade die Erkenntnis oder zumindest der Verdacht vieler, von den etablierten Medien in einer Blase gehalten zu werden, die sie zu alternativen News-Quellen streben lässt?
Natürlich finden sich unter den alternativen News-Quellen (zu) viele mit fragwürdigem Wahrheitsgehalt. Das Thema "fake news" wird von den etablierten Medien aktuell ja gerade sehr schön hochgekocht. Natürlich nicht gänzlich zu Unrecht. Aber die Art und Weise wie dies geschieht, zeugt doch eben wieder von sehr geringer Selbstreflexion und Erkenntnis über aktuelle Gefühlslagen im real existierenden Staat. Selbst die angeseheneren unter den etablierten Medien werfen mit einer unglaublichen Nonchalance einfach alles, was nicht aus dem etablierten News-Strom stammt, in den Topf der "fake news". Glaubt man wirklich, sich so dem Vorwurf oder Verdacht entziehen zu können, die eigene Konsumentenschaft in einer Blase zu halten?
Du versiehst die öffentlich-rechtlichen Medien mit dem Etikett "neutrale Medieninstanz". Ich glaube, die deutschen öffentlich-rechtlichen präsentieren sich diesbezüglich wirklich noch etwas besser als die schweizerischen. Aber ist das Etikett "neutrale Medieninstanz" wirklich angebracht? OK, neutral vielleicht in jenem Sinne, als nicht spezifische Interessengruppen hinter den Körperschaften stehen. Aber ist diese Neutralität der Körperschaften wirklich auch Garant für eine neutrale Berichterstattung? Liefern die öffentlich-rechtlichen wirklich neutrale Berichterstattung?
Wer findet sich eher in einer Blase wieder, derjenige, der einzig und allein öffentlich-rechtliche oder etablierte Medien konsumiert, oder derjenige, der auch alternative Kanäle heranzieht? Gehört zur Medienkompetenz eben nicht gerade, unterschiedliche Quellen heranzuziehen und sich eigene Gedanken über Wahrscheinlich- und Glaubwürdigkeiten zu machen? Und kann man so nicht zum Schluss kommen, dass es mit der Neutralität der öffentlich-rechtlichen eben auch nicht immer so weit her ist, ohne sogleich ein ungebildeter Depp oder white trash oder was weiss ich was zu sein?
http://www.nzz.ch/feuilleton/zeitgeschehen/neue-volksverachtung-der-grosse-luemmel-ld.130269
--- Zitat ---Schon eher geht es um einen Aufstand der Provinz gegen eine selbsternannte städtische Avantgarde, die in ihren vollklimatisierten Gehäusen den Kontakt zur rauen Aussenwelt verloren hat. Und, das tut manch einem besonders weh: Selbst Frauen haben Donald Trump gewählt – nicht nur kuchenbackende Hausfrauen, auch welche mit Collegeabschluss und «ordentlichem» Beruf. Alles Masochistinnen? Oder schlichtweg denkende Menschen, denen Frausein als politische Aussage nicht ausreicht?
--- Ende Zitat ---
radneuerfinder:
Eine neutrale, oder eine objektive Berichterstattung kann es nicht geben. Ich dachte das sei seit einigen Jahrzehnten der weit anerkannte Stand der Diskussion? Zusammenfassung, also Verkürzung der Wirklichkeit ist ja geradezu eine Tätigkeitsbeschreibung für den Journalistenjob.
Also es ist immer ein menschengemachter Ausschnitt. Mich überzeugt da vor allem das Pluralismus Konzept: viele verschiedene Ausschnitte aus möglichst vielen verschiedenen Perspektiven. Dass den Meldungen in Zeitung, Radio & Fersehen, der veröffentlichten Meinung, ein zu enger Ausschnitt, typischerweise ein zu staatstragender, vorgeworfen wird, ist auch schon länger so. Früher hieß das: wir brauchen Gegenöffentlichkeit.
warlord:
--- Zitat von: radneuerfinder am November 26, 2016, 12:47:10 ---Eine neutrale, oder eine objektive Berichterstattung kann es nicht geben. Ich dachte das sei seit einigen Jahrzehnten der weit anerkannte Stand der Diskussion?
--- Ende Zitat ---
Dass es keine absolute Objektivität geben kann ist klar. Wenn man deswegen den Anspruch auf Objektivität aber gänzlich aufgibt, schüttet man doch das Kind mit dem Bade aus, oder nicht?
Zwischen grösstmöglicher Objektivität und unverhohlener Meinungsmache öffnet sich doch ein weites Spektrum. Wo genau sich da ein Medium einreihen lässt, ist für mich von grösster Wichtigkeit. Daran ändert der Stand der Diskussion, wonach sich die meisten Medien auf dieser Skala sehr weit unten einreihen lassen, überhaupt nichts.
Als Qualitätsjournalismus definiere ich einen Journalismus, der höchstmögliche Objektivität anstrebt; der Fakten und Meinungen trennt. Journalismus, welcher diesen Anspruch an sich selbst nicht hat, ist für mich Boulevard. Und leider ist es doch so, dass sich heute zu gewissen (insbesondere politischen) Themen selbst in den angesehensten Medien nur noch Boulevard finden lässt; unverhohlene Meinungsmache. Das Titelthema dieses Threads ist so ein Thema.
--- Zitat von: radneuerfinder am November 26, 2016, 12:47:10 ---Mich überzeugt da vor allem das Pluralismus Konzept: viele verschiedene Ausschnitte aus möglichst vielen verschiedenen Perspektiven.
--- Ende Zitat ---
Einverstanden. Ist auch gerade die einzige Möglichkeit, sich gegen fehlenden Qualitätsjournalismus zu wappnen. Aber eben nochmals meine Frage: kann man diesem Konzept gerecht werden, indem man nur etablierte Medien konsumiert? Liefern die etablierten Medien diesen Pluralismus?
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