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Staat will privatisieren um Geld ins Staatssäckel zu bekommen
Jochen:
Erst zahlen wir mit unseren Steuern z.B. Autobahnen und dann sollen sie verscherbelt werden.
In GB ist die Bahn privatisiert.
Und funktioniert besser ?
Mir sind da einige Unfälle erinnerlich !
In USA ist die Stromerzeugung privatisiert.
Und funktioniert das besser ?
Mir sind da einige Ausfälle erinnerlich !
Kennt ihr noch weitere negative privatisierte staatliche Unternehmungen.
Generell geht's wieder zurück ins Mittelalter, wo viele kleine Fürsten den Handel und Wandel bestimmten.
Bei eine Reise durch Deutschland oder auch einen Transport z.B. auf dem Main von Bamberg nach Mainz musste x mal Zoll bezahlt werden.
Jochen
Terrania:
Privatisierte Autobahnen funktionieren sowohl in Italien wie auch Frankreich eigentlich gut. Gute Wartung, etc. Unsere Autobahnen sind (ausser im Osten, weil neu) inzwischen das Letzte. Wenn privatisiert das besser wird: Bitte, warum nicht. Ich zahle in Österreich, Italien etc. mir ist es wurscht, wenn ich in D auch zahlen muß, vorausgesetzt, die Qualität verbessert sich spürbar. Ausserdem greift da das Verursacherprinzip ganz gut. Wer schnell vorankommen will, zahlt. wer nicht fährt eben über die Landstrasse (zumindest einmal, bis ihm das auf die Lampe geht). Und 100 Euro ist 1,4 Tankfüllungen. Das ist zu verschmerzen. Irgendwoher muß die Kohle ja kommen. Ich muß ja nicht Auto fahren. Es gibt Alternativen.
Florian:
--- Zitat von: Jochen am Oktober 16, 2005, 18:37:25 ---Erst zahlen wir mit unseren Steuern z.B. Autobahnen und dann sollen sie verscherbelt werden.
--- Ende Zitat ---
Es geht ja eher um Neubauten. Die Baukosten werden von Investoren übernommen, dafür dürfen sie für X Jahre Maut erheben. Das ist die eine Idee, teilweise bei Brücken und Tunneln schon praktiziert, glaube (!) ich.
Das zweite sind die Unterhaltskosten - auch die sind immer schwerer zu finanzieren. Dann tritt man die eben ab und der, der's übernimmt, darf Maut erheben. Natürlich weniger als beim Neubau.
Ich meine, eine Maut ist unumgänglich, da allein durch die Bevölkerungsentwicklung immer weniger Steuern reinkommen während der Verkehr weiter steigt. Ob die nun von privat erhoben wird oder nicht, ist mir dann auch schon fast wurscht.
Natürlich muss es eine funktionierende Kontrolle geben.
--- Zitat ---In GB ist die Bahn privatisiert.
Und funktioniert besser ?
Mir sind da einige Unfälle erinnerlich !
--- Ende Zitat ---
Der Bahnverkehr in GB ist wirklich chaotisch. Vor der Privatisierung war es aber auch kaum besser und wer an die Vorzüge von Staatsunternehm(ung)en glaubt, sehe sich das britische Gesundheitssystem an. Denn das ist staatlich-monopolistisch und eines so reichen Landes völlig unwürdig.
Privatisierungen an sich sind nichts schlechtes, nur wie soll eine Privatisierung zu aller Zufriedenheit ablaufen, wenn das Staatsunternehmen vorher fortlaufend Verluste machte? Natürlich werden dann als erstes Leistungen gestrichen, daß sieht man ja sehr gut an den vielen Bahnhofsschließungen auf dem Land. Es ist/war einfach absurd, den Leuten vorzugaukeln, die Bahn könnte ganz ohne Opfer und Ausdünnung der Infrastruktur zum gewinnbringenden Unternehmen werden. Wenn das so einfach wäre, warum hat man dann diesen Goldesel nicht behalten?
Nur muss man auch sagen: Die einzige Alternative ist die fortwährende Subventionierung aus Steuermitteln.
--- Zitat ---In USA ist die Stromerzeugung privatisiert.
Und funktioniert das besser ?
Mir sind da einige Ausfälle erinnerlich !
--- Ende Zitat ---
Die Stromerzeugung ist auch in Deutschland privat!
Du siehst, daß hat andere Ursachen. Nämlich v.a. ob der Staat/die Unternehmen selbst eine wirksame Kontrolle und Zukunftsplanung aufrecht erhalten.
--- Zitat ---Kennt ihr noch weitere negative privatisierte staatliche Unternehmungen.
--- Ende Zitat ---
Was heißt negativ? Natürlich gibt es viele Fälle, in denen dann die Leistungen abgebaut wurden oder Leute entlassen wurden. Was anderes ist zu erwarten, wenn man einen Sanierungsfall privatisiert?
Man sollte also darauf schauen, wer nach, sagen wir mal zehn Jahren, sichere Jobs bietet und Qualität liefert.
--- Zitat ---Generell geht's wieder zurück ins Mittelalter, wo viele kleine Fürsten den Handel und Wandel bestimmten.
Bei eine Reise durch Deutschland oder auch einen Transport z.B. auf dem Main von Bamberg nach Mainz musste x mal Zoll bezahlt werden.
--- Ende Zitat ---
In ganz Europa gibt es Mautstrecken. Trotzdem fließt der Personen- und Nahverkehr wie nie zuvor.
Offensichtlich ist der Transport von Waren und Personen noch viel zu billig, was zu den bekannten Folgen führt: Arbeitsauslagerung zum billigsten Standort, verstopfte und kaputte Strassen, zersiedelte Landschaften, unsinnige Bewässerungsprojekte für Landwirtschaft und Touristenghettos, CO^2-Ausstoss, Feinstaubemissionen, Lärm, Tierquälerei und leider noch mehr.
Chucky:
Nun diese Diskussion ist vermutlich eine sehr schwer zu führende, da sich immer wieder Argumente pro, aber auch contra finden lassen werden.
Generell bin ich der Ansicht, dass der Markt die vorhandenen Ressourcen effizient zu effizienten Preisen verteilt. Nur wenn dies nicht funktioniert ist an und für sich das Eingreifen des Staates notwendig. Soviel zur Theorie.
Doch was passiert, wenn beispielsweise nicht effiziente Buslinien (in Österreich) geschlossen, oder nur noch sehr schlecht bedient werden, da hier nicht die notwendige Kostendeckung vorhanden ist? Soll hier der Staat eingreifen, indem er diese Buslinien übernimmt, oder soll er einfach nur Subventionen an die betroffenen Unternehmen zahlen? Alleine mit diesem Thema könnte man ein ganzes Semester an der Uni füllen.
Ich tendiere, um auf die Autobahnen zu kommen, eher zu einer Kilomterabhängigen Bemautung. Nur so wäre es möglich, den immer mehr ausufernden, teilweise nicht notwendigen, weil Privat und somit in die Freizeit gehörenden, Individualverkehr einzudämmen. Ich frage ernsthaft, wieviele Kilometer jeder von uns täglich mit dem PKW zurücklegt, die nicht unbedingt sein müssten? Hier nutzt es dann auch nicht, nur die Autobahnen zu bemauten, sondern die gefahrenen Kilometer generell. Dann würde sich rasch zeigen, ob jemand nur schnell zum Bäcker um die Ecke mit dem Auto fahren würde. Diese Maut liese sich auch bestens Technisch umsetzen - hierzu wären keine allzugrossen Investitionen notwendig.
Doch leider wird dies alles nicht geschehen, da die zur Wiederwahl verdammten Volksvertreter nie das tun würden, was wirklich notwendig wäre, aber niemand will, weil man schliesslich die eigene Tasche belasten würde...
Also - es lebe die Kilometerabhängige Maut - ich hoffe, dass wir die wirklich bekommen - und das nicht nur auf Autobahnen!
Chucky
Jochen:
Ich denke da eventuell etwas um die Ecke oder auch zu kompliziert.
Früher = Mittelalter oder früher oder später
Das Volk wurde von Kaisern / Königen / Fürsten regiert
Das Volk war mehr oder weniger der Willkür der Herrschenden ausgeliefert
Und es gab viele Fürstentümer damals
Irgendwann kamen dann geschriebene Gesetze und es entwickelten sich Demokratien und der Staat als Ganzes, also von der Waterkant bis Bavaria übernahm hoheitliche Aufgaben, also
Beamtentum / Polizei / Post / usw.
Jetzt sehe ich es so, dass alle Aufgaben die der Staat finanziell nicht mehr auf die Reihe bringt, an Private übergeben werden sollen.
Es gibt ja sogar schon die Überlegungen, die Gefängnisse zu privatisieren.
Und das finde ich nicht gut, wenn man den Faden mal weiter spinnt.
Die Firma welche dann für irgend eine bisher staatliche hoheitliche Aufgabe das meiste Geld gibt, darf es dann auch machen.
Jochen
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