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Bankenkrise

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elafonisi:
Was ich verstehe:
Die US Banken verleihen Geld an Hauskäufer mit geringer oder keiner Bonität zur Vollfinanzierung. Hintergedanke ist, solange die Leute ihre Kredite bedienen können ist’s gut, wenn nicht, ist die Immobilie inzwischen wesentlich mehr wert als der eigentliche Kaufpreis.  Versteigert man die Immobile ist der zu erzielende Gewinn immer noch ein gutes Geschäft. Dummerweise werden im Moment die Immobilen deutlich schlechter bewertet als noch vor kurzer Zeit. Jetzt können die ersten Leute ihre Kredite nicht mehr bedienen und die Banken treffen auf einen sehr zurückhaltenden Immobilienmarkt mit rückläufigen Preisen.

Was ich nicht verstehe:
Waren das soviele Kredite, dass man damit eine Internationale Finanzkrise auslösen kann oder haben die Börsenfuzzis mal wieder einen Crash gebrauchen können? Wenn ich höre, dass die IKB in die Insolvenz gegangen wäre, hätte die KfW nicht den Rettungsring  geworfen, die Postbank zugibt, Risiken im zweistelligen Millionenbereich  zu haben und die Sachsen LB nur mit einem 17 !!! Milliardenkredit über Wasser gehalten werden konnte fehlt mir einfach das Verständnis. Zumal die Zentralbanken Unsummen in den Geldkreislauf pumpen.

Hat hier einer von Euch noch den Durchblick, oder hab ich mal wieder irgendwas falsch verstanden?

Florian:
Durchblick habe ich auch nicht.

Aber was die Menge der Kredite angeht: Ja, daß waren sehr viele, Unsummen. Das wirkt sich dann v.a. deshalb über den Immobilienmarkt hinweg aus, weil keine Bank noch der anderen traut und daher Kredite schwer aufzutreiben sind. Das wirkt sich wiederum auf den gesamten Wirtschaftskreislauf aus. So mussten schon mehrere Fusionen und Buy-Outs verschoben werden (oder stehen wohl kurz davor). Da diese (und Spekulationen über sie) die Börsenkurse anheizen fehlt schon mal ein Briket im Ofen.

Sinken die Börsenkurse und ist das Haus weniger wert und drücken die Schulden, wird weniger konsumiert.

Und so weiter...

Die Börsen sind ja in letzter Zeit auf breiter Front gestiegen, da reicht dann ein Luftzug für einen Sturm, da eh alle auf die "Korrektur" warten. Auch deshalb wurde gleich massiv gegengesteuert.
Und ja, viele Leute profitieren auch bei sinkenden Kursen, aber ob die das steuern können wage ich zu bezweifeln.

Bin natürlich kein Experte, ein oder zwei frequentieren aber dieses Forum, bitte melden. ;)

warlord:
Experte bin ich auch nicht. Aber ich geb jetzt trotzdem meinen Senf dazu.  :)

Nur die simplen Hypotheken wären wohl nicht so ein Problem gewesen. Aber heute muss ja alles in möglichst komplizierte und undurchschaubare "strukturierte Produkte" verpackt und möglichst grosse Hebelwirkung erzeugt werden. Die Hebelwirkung liefert natürlich den grossen Reibach, solange es in die gewünschte Richtung  läuft. Da geht dann aber wohl offenbar selbst bei den Profis mal das Bewusstsein flöten, dass die Hebel dann natürlich auch in umgekehrter Richtung wirken können.

Die letzte NZZ am Sonntag brachte ein Interview zum Thema mit dem Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank:
http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/ein_wichtiges_merkmal_der_heutigen_lage_ist_misstrauen_1.542978.html

Chucky:
Nur kurz meinen Senf dazu:

Es handelt sich bei diesen Krediten in den USA um Subprime Kredite. Diese Kredite werden an Kreditnehmer vergeben, die eine schlechtere Bonität haben.

Das Problem dieser Kreditnehmer ist jetzt a) die steigenden Kreditkosten (Zinsen) und b) die Immobilien sind überbewertet gewesen. Das heisst dass zu viel dafür bezahlt worden ist.
Jetzt mussten viele verkaufen, weil die Kredite für diesen Personenkreis nicht mehr leistbar waren. Das Problem dabei: Sie müssen die Immobilien zu niedrigeren Preisen verschleudern als sie gekauft worden sind. Folglich sind viele tausende Kreditnehmer finanziell bankrott.

Verstärkt werden derartige Dinge immer (bei endfälligen Finanzierungen) durch Hebelprodukte, wie Futures und Optionen (Hebel = Hedge), die Gewinne vervielfachen, aber eben auch Verluste.

Europa ist klugerweise sehr stark mit den US-Finanzmärkten verbunden - aus diesem Grund sind viele Fonds, Banken usw. auch mitverstrickt.

Deshalb ist die Situation prekär. Wenn eine Bank, oder ein Fonds zugibt mehr als bisher zugegeben in der Sache verstrickt zu sein, wird wieder eine Lawine gelöst.

Ob die Talsohle schon erreicht ist, ist fraglich - professionelle Investoren steigen allerdings schon wieder ein. Einige Titel haben zwischenzeitlich wieder sensationell performt…

Nur in aller Kürze  ;)

Dale:

--- Zitat von: elafonisi am August 23, 2007, 21:21:27 ---

Was ich nicht verstehe:
Waren das soviele Kredite, dass man damit eine Internationale Finanzkrise auslösen kann oder haben die Börsenfuzzis mal wieder einen Crash gebrauchen können?
--- Ende Zitat ---

Ausschlaggebend hier ist nicht nur die Anzahl der Kredite sondern erstens wie deren Einstufung (Wertigkeit) ist und wie sie weiter in dem Finanzkreislauf umherschwirren.

Zu Erstens: Zuerst sah das Problem ja danach aus das nur die Kredite die selbst dann gewährt wurden wenn die Bonität der Kreditnehmer gerade mal so ausreichte um die zu erwartenden Zinsen zu decken problematisch wären. Was Nationalbankpräsident Jean-Pierre Roth in warlords verlinktem Interview geschockt sagt: "Es ist Unglaubliches passiert. Da erhielten Leute Kredite, die weder Einkommen noch Vermögen hatten – zu sehr attraktiven Bedingungen, die erst mit der Zeit verschärft werden sollten." So geschoockt muss er nicht tun, denn das war tatsächlich allen Beteiligten bekannt, und ich nehme stark an ihm auch. Aber solange das Geschäft läuft und zumindest die Zinsen Monat für Monat gezahlt werden wollte natürlich keiner denn Spielverderber raushängen lassen und hat mitgemacht oder zugeschaut.

Dieses Problem ist ja dann als Subprime Kredite zuerst in den Medien aufgetaucht. Verschärft hat sich das ganze dadurch das später klar wurde das mitunter auch Kredite betroffen waren die von der Wertigkeit deutlich höher anzusiedeln sind.

Kredite werden aber in Amerika (aber auch anderswo) meist nicht von der kreditgebenden Bank weiterbearbeitet sondern gebündelt. Solche "Bündel" können dann innerhalb des Finanzkreislaufes weiterverkauft werden. Welchen Preis sie dann erzielen ist abgesehen von Laufzeit und ihrem Volumen vor allem vom  Ausfallrisiko abhängig. Das Ausfallrisiko bei den Subprime Krediten ist natürlich sehr hoch, und somit der Verkaufspreis deutlich unter den "höherwertigen Krediten". Damit die kreditgebenden Banken ihre "Bündel" nicht zu billig verkaufen müssen werden mitunter auch Subprime-Kredite mit höherwertigen Krediten vermengt angeboten.

Als der US Immobilienmark dann nachgab, stiegen damit auch die Zinsen für die Kredite. Die Kreditnehmer konnten oftmals nicht mehr ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen, was letztendlich bedeutet das dass Ausfallrisiko eines  "Bündels" falsch eingeschätzt wurde. Aber wer will nun weiterhin diese "Bündel " kaufen wenn ihm nicht klar sein kann was er da eigentlich kauft und vor allem zu welchem Preis?

Banken benötigen aber ständig "frisches" Geld, und diese Verkäufe sind ein großer Teil davon. Da Banken nicht wissen welche Ausfallrisiken aus der Kreditkrise ihre Wettbewerber haben, halten sie sich mit der Geldvergabe an ihre Konkurrenten zurück. Daher ist der Terminmarkt der Banken praktisch lahmgelegt. Die nötige Liquidität leihen sich Banken deshalb anstatt durch Geschäfte untereinander lieber  als Tagesgeld aus. Weshlab Notenbanken mit Liquiditätshilfen am Markt einspringen.

Warum das Problem jetzt noch weiterhin so brisant ist, das liegt daran das es nicht einfach nur um ein Bankenproblem (und um die hohe Schwankungsintensität bei Bankenaktien) handelt sondern sich auch zu einem Aktienmarktproblem hochschaukeln kann. Was an der direkten Verzahnung liegt, wer Lust darauf hat kann sich dieses PDF zum Einfluss von Krisen auf Börsenentwicklung des DEutschen Aktieninstituts anschauen.

P. S.: Mir ist natürlich klar das ich die Sachlage so stark vereinfacht habe das sie schon fast nicht mehr wahr ist.  Aber im Grunde isses das ;)

P. P. S.: Gleichzeitig mit Chucky geschrieben deshalb Überschneidungen ;D

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