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DSGVO

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warlord:
https://www.der-postillon.com/2018/05/ratgeber-dsgvo.html

MacFlieger:
Nachdem man gestern aus allen Rohren beschossen wurde, hat sich nun der Pulverdampf gelegt.
Jetzt warten alle gespannt auf das, was da kommt.

Tja, ich bin etwas zwiegespalten.

Positiv:
Auf der einen Seite finde ich das, was die DSGVO eigentlich erreichen will, richtig gut. Alle Unternehmen müssen sich Gedanken machen, was sie eigentlich für Daten speichern und benutzen und es soll das Prinzip der Datensparsamkeit durchgesetzt werden.
Firmen sollen nur noch die Datenspeichern, die sie wirklich brauchen.
Diese wirklich notwendigen Daten (aus gesetzlichen oder vertraglichen Gründen) dürfen sie ohne Wenn und Aber speichern.
Nur für zusätzliche Daten müssen sie entweder eine Interessenabwägung machen (schwierig ohne gerichtlich bestätigte Beispiele und rechtlich unsicher, weil das Gericht anders abwägen kann) oder eine Einwilligung einholen (schwierig, weil man das dokumentieren muss und jederzeit wieder löschen können muss).
Es wäre also wünschenswert, wenn die Firmen sich auf ihre vertraglichen Pflichten beschränken und dann wäre es auch für diese der einfachste Weg.

Negativ:
Da es wenig bis gar keine offiziellen Anleitungen gibt, was man wie machen muss, herrscht auch bei den Firmen, die eigentlich keine Probleme haben sollten, weil sie nur vertraglich notwendige Daten speichern, große Rechtsunsicherheit. Was muss man wie schreiben, damit man auf der sicheren Seite ist. Da gibt es unzählige verschiedene Meinungen zu.
Dazu kommt, dass die Informationspflicht in der DSE völlig übertrieben ist. Man muss da so viel reinschreiben (oder glaubt das), dass es so unübersichtlich ist, dass es niemand mehr liest. Z.B. der Teil über "Rechte des Benutzers" ist bei allen Firmen absolut identisch, muss aber dort stehen. Dazu kommt, dass der Teil dann der längste von allen ist, wenn man kein Tracking etc. betreibt. Diese Informationen verfehlen damit völlig ihr Ziel.

Leider Praxis:
Anstatt sich wirklich um die Ziele zu kümmern und sich zu beschränken (siehe erster Punkt) wird man von allen Firmen mit Datenschutzerklärungen tot geschmissen, die niemand liest. Anstatt das eigene Tun bezgl. Tracking, Plugins etc. zu überdenken, wird einfach ein Riesensermon in die DSE geschrieben, dass man dass unbedingt machen muss und zwar auf Grund einer Interessenabwägung. Ich möchte wetten, dass sich da keiner Gedanken über irgendwelche Interessen gemacht hat, sondern einfach von den Hausjuristen gesagt bekam: "Schreib das, dann dürfen wir weiter machen wie bisher." Ob das Interesse wirklich überwiegt, ist noch gar nicht so einfach geklärt. Es gibt keine juristischen Beispiele dazu. Ich vermute stark, dass die einfach auch darauf setzen, dass niemand gerichtlich prüfen lässt, ob die Interessenabwägung wirklich stattgefunden hat bzw. richtig ist.

Fazit für mich momentan:
Die Firmen, die sich eh schon vernünftig verhalten, haben keine Rechtssicherheit, wie sie sich verhalten sollen.
Die Firmen, die sich eigentlich ändern sollten, machen weiter wie bisher. Sie können sich dann darauf berufen, dass sie Datenschutz für wichtig nehmen, denn sie haben ja alles aufgeschrieben und informiert. Eine Prüfung der Interessenabwägung wird wohl selten bis gar nicht erfolgen, fürchte ich.

Florian:
Gutes Fazit.

Für deutsche User ändert sich nicht viel, da wir ja an sich schon ein strenges Datenschutz-Gesetz hatten. Man kann nur hoffen, dass die hohen Strafandrohungen was ändern.

Der bürokratische Wahnsinn und zunehmende Rechtsunsicherheit ist leider mittlerweile bei jeder Gesetzreform zu beobachten. Gummiparagraphen, unverständlich formulierte Texte, undefinierte Begriffe etc.pp.

Was die Medien angeht, auch die Fachpresse, ärgert mich, das zwei Jahre kaum was zu lesen war. Dabei galt die Verordnung ja an sich schon. Zum Ende dann ein Artikel nach dem anderen, die aber auch nichts klarer machten.

fränk:
Managermagazin

Florian:
Leider machen nun doch immer mehr kleine Seiten lieber zu, als sich mit dem Thema zu beschäftigen.
Aber nicht nur das: Auch Regionalsperren für europäische Nutzer sind jetzt vermehrt da, v.a. bei lokalen US-Seiten, aber nicht nur da. Instapaper verweigert uns derzeit auch den Dienst. Andere Seiten leiten auf eine Minimalseite um (etwa https://text.npr.org), wenn man nicht die altbekannten Konditionen abnickt.
Facebook versucht, im Zuge der neuen Richtlinien, den EU-Nutzern die Gesichtserkennung wieder unterzujubeln. Und, und, und.

Wünsche Euch ein schönes Wochenende im „Datenparadies“ EU. :)

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