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Re: Offener Brief: Apple ignoriert seine kreativen Nutzer
Antwort #1: Mai 07, 2015, 20:16:49
Ja, da gibt es viele Beispiele. Xserve. Wenn ich so was einführe, dann für einen Zeitraum von 20 Jahre. Aber manchmal habe ich das Gefühl, Apple denkt auch nur von 12 bis mittags ...

Beim Umstieg von 9 auf X DTP-Branche im Regen stehen lassen. Dann wird Pages und Keynote eingeführt und sicher bald wieder fallen gelassen. Oder Logic usw.

Ich verstehe nicht, wie man gewonne Kunden einfach so in die Tonne klopft ... macht kein normales Unternehmen.

Die die man gewonnen hat, will man behalten. Und neue dazu gewinnen ...

Florian

  • Defender of the Crown
Re: Offener Brief: Apple ignoriert seine kreativen Nutzer
Antwort #2: Mai 08, 2015, 00:12:33
Das eine ist die Firmenpolitik, die sicher auch nicht immer genial ist. Das Apple gerne alte Zöpfe abschneidet, darf aber keinen wundern.

Was aber hier v.a. gegeißelt wird, ist fehlende Softwarequalität, diesmal die Open GL/CL-Treiber.

Ein anderes Beispiel ist seit Yosemite der berühmt-berüchtigte Systemdienst discoveryd, der Craig Hockenberry zu Schimpfwörtern veranlasst.
http://furbo.org/2015/05/05/discoveryd-clusterfuck/

Und das betrifft nicht nur die kleine Gemeinde von 3D-Designern, sondern alle User. Der Fehler war Apple lange bekannt, gemacht hat man nichts. Man liefert also willentlich und wissentlich Software mit erheblichen Fehlern aus, die bei einer Vielzahl von Benutzern, insbesonderen derer mit vielen Apple-Gerären, zu Problemen führen wird.

Nun stellt sich die Frage: Ist es Apple schon wurscht, weil's nur OS X ist? Oder sind sie zu mehr nicht mehr in der Lage?
Beide Möglichkeiten lassen mich schaudern.

Falls die nächste OS-X-Version kein runder Wurf wird, der zahlreiche lange bestehende Probleme ausräumt, wird's zappenduster.
Re: Offener Brief: Apple ignoriert seine kreativen Nutzer
Antwort #3: Mai 08, 2015, 07:33:44
Das mit dem discoveryd finde ich auch extrem nervig. Nach Umstellung auf Yosemite hatte mich das auch erwischt. Momentan ist Ruhe...  >:(
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Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn, Verstand ist stets bei wen´gen nur gewesen." -- Schiller
Re: Offener Brief: Apple ignoriert seine kreativen Nutzer
Antwort #4: Mai 09, 2015, 08:00:07
Klar, kritisieren soll und darf man es immer mal wieder. Aber eine neue Erkenntnis ist in der Tat nicht, dass Technologien (nicht einzelne Geräte) bei Apple häufig eine sehr kurze Lebensdauer haben und man (gerade als Unternehmen) jederzeit mit überraschend notwendig werdenden und kostspieligen Aufwänden und Neuanschaffungen rechnen muss. Das war spätestens seit Wieder-Übernahme durch Jobs so.

In einem anderen Punkt ist Apple aber in meinen Augen der falsche Adressat für Kritik. Allzu häufig sollten sich die Kritisierenden besser selbst kritisieren. Dass der iOS-Boom dazu führen wird, dass die Software eben immer iOS-mässiger, also oberflächlicher und simpler wird, und nur noch das bietet, was der Durchschnitt, was die grosse Masse benötigt, kann keine Überraschung sein. Apple handelt hier absolut logisch, wenn sie das tun, was der Markt verlangt. Unlogisch handeln einzig diejenigen Apple-Käufer, die einen einzigen (womöglich schon in die Jahre gekommenen) Mac und zig iOS Gerätchen bei sich rumstehen und -liegen haben und sich dann über einen Trend beklagen, den sie selbst mittragen und befeuern. 
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Complete liberty of contradicting and disproving our opinion, is the very condition which justifies us in assuming its truth for purposes of action; and on no other terms can a being with human faculties have any rational assurance of being right. (John Stuart Mill - On Liberty)
Re: Offener Brief: Apple ignoriert seine kreativen Nutzer
Antwort #5: Mai 09, 2015, 17:59:51
Dazu muss ich mich zum Glück nicht zählen

Florian

  • Defender of the Crown
Re: Offener Brief: Apple ignoriert seine kreativen Nutzer
Antwort #6: Mai 10, 2015, 15:24:48
Klar, kritisieren soll und darf man es immer mal wieder. Aber eine neue Erkenntnis ist in der Tat nicht, dass Technologien (nicht einzelne Geräte) bei Apple häufig eine sehr kurze Lebensdauer haben und man (gerade als Unternehmen) jederzeit mit überraschend notwendig werdenden und kostspieligen Aufwänden und Neuanschaffungen rechnen muss. Das war spätestens seit Wieder-Übernahme durch Jobs so.

Soweit akzeptiert, habe ich ja auch ungefähr so geschrieben.
(Früher hatten Macs aber i.d.R. eine längere Laufzeit als Windows-Rechner, so ändern sich die Zeiten.)

Zitat
In einem anderen Punkt ist Apple aber in meinen Augen der falsche Adressat für Kritik. Allzu häufig sollten sich die Kritisierenden besser selbst kritisieren. Dass der iOS-Boom dazu führen wird, dass die Software eben immer iOS-mässiger, also oberflächlicher und simpler wird, und nur noch das bietet, was der Durchschnitt, was die grosse Masse benötigt, kann keine Überraschung sein. Apple handelt hier absolut logisch, wenn sie das tun, was der Markt verlangt. Unlogisch handeln einzig diejenigen Apple-Käufer, die einen einzigen (womöglich schon in die Jahre gekommenen) Mac und zig iOS Gerätchen bei sich rumstehen und -liegen haben und sich dann über einen Trend beklagen, den sie selbst mittragen und befeuern.

Wer heute ein iPhone kauft, der entscheidet sich u.a. auch gegen das Windows-Phone und müht sich wahrscheinlich sogar mit dem grausigen Windows-iTunes herum. Apple selbst hat immer betont, dass es nichts davon hält, dasselbe System für alle Geräte zu nutzen.

Es geht hier auch nicht um iOS-isierung oder Verflachung, sondern um handfeste Bugs. Sicher kauft niemand iPhones oder Macs, weil die Systeme so schöne Bugs haben.
Zum anderen ist doch klar, dass Macs nicht so schnell ersetzt werden wie iPhones. Das weiß auch Apple. Trotzdem verkaufen sich auch die Macs im schwierigsten PC-Umfeld geradezu prächtig und haben vom Umsatz her das iPad im letzten Quartal überholt.

Das Apple Entwickler von OS X zu iOS transferiert hat, scheint wahrscheinlich. Sind es aber insgesamt weniger? Werden ja wohl dauernd Leute eingestellt. Insofern ist schwierig zu beweisen, dass OS X wirklich wegen einem solchen Managment leidet.

Auch ist es schon sehr gewagt den Kunden den Schwarzen Peter zuzuschieben, sollte hier tatsächlich dieser Zusammenhang bestehen. Denn ein etwaiges solches Managment wäre ja nicht deren Wunsch sondern bedient die Shareholder.

Re: Offener Brief: Apple ignoriert seine kreativen Nutzer
Antwort #7: Mai 10, 2015, 20:41:52
Denn ein etwaiges solches Managment wäre ja nicht deren Wunsch sondern bedient die Shareholder.

Unternehmen produzieren ihre Waren ja nicht für die Shareholder (soweit sie nicht auch Kunden sind), sondern für ihre Kunden. Und natürlich wird jedes Unternehmen (auch im Interesse der Shareholder) den Fokus auf jene Produkte legen, die (bei den Kunden) reissenden Absatz finden. Und (wohl weitgehend zu Recht) folgern, dass die Eigenschaften der gut laufenden Produkte von den Kunden gewünscht werden. Und folglich auch weniger gut laufende Produkte mit diesen Eigenschaften versehen wollen.
Shareholder wollen möglichst hohen Profit. Sie haben aber keinerlei Einfluss darauf, welche Produkte diesen Profit liefern und welche nicht (allerhöchstens darauf, welche Produkte entwickelt werden und welche nicht). Das bestimmen letztlich die Kunden, bzw. das etwas diffuse Konglomerat aus Kunden, PR-Bemühungen, veröffentlichter Meinung und öffentlicher Meinung.
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Florian

  • Defender of the Crown
Re: Offener Brief: Apple ignoriert seine kreativen Nutzer
Antwort #8: Mai 10, 2015, 23:51:10
Ich habe Dich schon verstanden. „Der Kunde ist schuld, wenn er das Falsche kauft. “

Wie gesagt: Wenn Bugs in OS X sich ansammeln würden wegen Priorisierung von iOS, wäre das ja nicht Wunsch und des Kunden und auch keineswegs zwanghafte Folge seines Kaufs!
Apple wird ja vom Kunden weder dazu verpflichtet, einen hohen Update-Takt zu fahren, noch gehindert mehr Leute einzustellen.

Das sind/wären alles Entscheidungen der Unternehmensführung im Interesse der Profitmaximierung.
Re: Offener Brief: Apple ignoriert seine kreativen Nutzer
Antwort #9: Mai 11, 2015, 06:39:33
Ich meine nicht in erster Linie Bugs, die quasi als Kollateralschaden wegen einer iOS-Priorisierung stehen bleiben. Ich meine "Features". Dass Apple glaubt, der Kunde wünsche keine komplexere Software mehr. Dass jedes gewünschte Endresultat in zwei einfachen Klicks erreichbar sein muss. Und man jene Kunden gar nicht mehr bedienen möchte, die ein Endresultat wünschen, das mehr als zwei Klicks erfordert.
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Re: Offener Brief: Apple ignoriert seine kreativen Nutzer
Antwort #10: Mai 11, 2015, 19:58:11
Meine Theorie, Apple glaubt nichts. Für Apple zählt seit ca. 2006 / 2007 Masse statt Klasse. Sonst nichts. Wenn dann die Apple Produkte auch noch "bling bling" machen, ist es perfekt.

Florian

  • Defender of the Crown
Re: Offener Brief: Apple ignoriert seine kreativen Nutzer
Antwort #11: Mai 13, 2015, 23:19:04
Ich meine nicht in erster Linie Bugs, die quasi als Kollateralschaden wegen einer iOS-Priorisierung stehen bleiben.

Was nur eine Hypothese ist.
Denn wir wissen weder, ob heute weniger oder schlechtere Leute an OS X arbeiten noch wie gut OS X ohne die Existenz von iOS heute wäre.

Zitat
Ich meine "Features". Dass Apple glaubt, der Kunde wünsche keine komplexere Software mehr. Dass jedes gewünschte Endresultat in zwei einfachen Klicks erreichbar sein muss. Und man jene Kunden gar nicht mehr bedienen möchte, die ein Endresultat wünschen, das mehr als zwei Klicks erfordert.

Hier gilt natürlich das gleiche, auch wenn man gewisse optische Annäherungen konstatieren kann - was ja nicht per se schlecht sein muss.
Ich denke aber, dass Apple sich seit jeher dadurch auszuzeichnen versucht, die Dinge zu vereinfachen. Da kann iOS doch nur ein Teil der Ursache sein, falls denn überhaupt. Denn wie gesagt, Apple pflegt ja ganz absichtlich und mit viel PR mehrere Betriebssysteme und macht sich über MS lustig, die das anders machten und Lehrgeld zahlen mussten.

Auch wäre der Schluss: „Aha, die Leute mögen simple Apps, also lass uns dass auch allen, insbesondere auch den Medienschaffenden, am Mac angedeihen!“ an Blödsinnigkeit kaum zu überbieten. Auch wenn man zugegenermassen manchmal den Eindruck gewinnen kann.
Das nun auch noch der iOS-Nutzer ursächlich für solch eine unterstellte Idiotie sein soll, weil er das falsche Signal gäbe, finde ich schon eine steile These. Das ginge wenn dann doch wohl voll auf Konto der jeweiligen Entscheider.


Persönlich sehe ich da eher eine Mischung aus einer gewissen Mode, Investorendruck und schlechtem Management.
Apple hat sich halt zur Aufgabe gemacht, jedes Jahr ein neues iOS und ein neues OS X vorzustellen. Ein solcher Takt mag seine Vorzüge haben, aber er ist eben auch sehr anspruchsvoll.