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Forderungen nach "Drohnen"-Verboten
MacFlieger:
Nachdem ein (meiner Meinung nach dummer) Mensch einen Spielzeug-Quadrocopter (Parrot AR Drone) bei einem Wahlkampfauftritt von Angela Merkel über einer Menschenansammlung geflogen hat und zur "Landung" gezwungen wurde, regen sich reflexartig Wünsche nach Verboten, wie wir es bei anderen Themen auch schon oft genug erlebt haben:
"Nach Vorfall mit Merkel: Polizeigewerkschaft fordert Drohnen-Flugverbot"
Es ist echt erschreckend. Weil sich jemand nicht an geltende Gesetze und den gesunden Menschenverstand hält, wird mit der Verbotskeule gedroht und Leidtragende sind nur die normalen Nutzer, die nichts mit solchen Aktionen zu tun haben.
Warum?
Ein solches Verbot ist unnötig und bringt gar nichts, denn die, die man damit behindern will weil sie Böses vorhaben, werden sich wohl kaum von einem Verbot abhalten lassen. Ist nicht auch Diebstahl, Mord etc. verboten?
Was der gemacht hat, ist heute schon verboten gewesen:
1. Um ohne Aufstiegsgenehmigung fliegen zu dürfen, gibt es ein paar Vorgaben: Das Flugmodell muss unter 5kg sein, darf keinen Verbrennungsantrieb haben und(!) der Flug darf ausschließlich zu Sportzwecken oder zur Freizeitgestaltung stattfinden. Der von dem Piloten angegebene Grund ist aber ein anderer.
2. Völlig unabhängig davon, ob man ein Flugmodell genehmigungsfrei fliegen darf, darf das ganze nur im unkontrollierten Luftraum stattfinden. Je nachdem wo man sich in Deutschland befindet, beginnt der kontrollierte Luftraum schon am Boden oder erst wesentlich weiter oben. Im kontrollierten Luftraum darf man nur nach Startfreigabe durch die Luftsicherung starten. An dem betreffenden Platz dort beginnt der kontrollierte Luftraum schon am Boden, d.h. dort darf man noch nicht einmal eine Papierschwalbe werfen ohne eine Freigabe der Flugsicherung zu haben.
D.h. diese Aktion war heute schon verboten. Kein Bedarf für neue Gesetze, sie müssen nur angewendet werden.
Gesunder Menschenverstand:
Kein Pilot, der ein wenig über seine eigene Verantwortung nachdenkt, wäre da geflogen. Mit einem Flugmodell über einer Menschenmenge ist immer gefährlich. Auch wenn man technisch alles in Schuss hat, ist ein technischer Defekt nie ausgeschlossen und man könnte in die Menge abstürzen. Das würde je nach Modell einmal direkt bei den getroffenen schwere Verletzungen, im ungünstigsten Fall auch Tote, verursachen und eine danach auftretende Panik wäre ebenfalls sehr gefährlich. So etwas macht man einfach nicht.
Also bereits bestehende Gesetze und Vernunft verbieten schon heute derartiges. Zusätzliche Verbote werden aber kaum Menschen abhalten, die so etwas nicht interessiert.
BTW, das war kein Drohne sondern ein Flugmodell. Parrot nennt sein Modell leider "Drone" und in den Medien wird auch immer von Drohnen geschrieben, sobald es sich um Quadro(oder mehr)copter handelt.
radneuerfinder:
Was ist denn der Unterschied zwischen einer Drohne und einem ferngesteuerten ModellHubschrauber? Oder ists einfach nur eine neueres, modischeres, kürzeres Wort?
MacFlieger:
Drohnen sind unbemannte Luftfahrzeuge, die hauptsächlich vom Militär eingesetzt werden, autonom oder ferngesteuert fliegen und für Aufklärungs- oder Wirkeinsätze benutzt werden.
Das Wort Drohne wird von den Medien sehr gerne für Flugmodelle (hauptsächlich Quadro(oder mehr)-Copter) verwendet, da es entsprechende negative Emotionen bei den Lesern/Zuschauern hervorruft. In den letzten Monaten gibt es da eine regelrechte Schlammschlacht in den Medien, die man auch aus der Vergangenheit bei anderen Fällen kennt.
Flieg mal mit einem Quadrocopter (gibt es als Spielzeug schon gute für wenig Geld) irgendwo. Es wird nicht lange dauern und Du wirst angesprochen, ob da auch eine Kamera dran ist, dass Du nur der Nachbarin ins Schlafzimmer schauen möchtest und dass das Gerät sowieso völlig verboten ist. "Habe ich erst gestern im Fernsehen gesehen".
Das die Realität ganz anders ist, sowohl bezgl. der Gesetzeslage, als auch bezgl. Bildqualität, Lautstärke, Fähigkeiten... wird da nicht wahrgenommen.
fränk:
Ich bin auch frische gebackener „Drohnen-Pilot“.
Der Haupteinsatz dieser Dinger ist die Luftfilmerei. Und weil es mit der neuesten Generation dieser „Drohnen“ oder „Quadro-Kopter“ das Fliegen und Filmen so einfach ist, explodieren die Verkaufszahlen.
Auf einmal sind es nicht mehr die schrulligen Modellbauer, die sich über Jahre Fachwissen im Löten und über Schaltungen und Steuerungen und Akkutechnik angeeignet haben, jetzt fliegen all die, die den Weg in den AppleStore gefunden haben. Selbstverständlich auch ohne Hintergrundwissen zur Technik oder zum Recht.
Die Forderung der Polizeigewerkschaft ist schon sehr..... Banane.
Demnächst fordern die auch noch ein Verbot für Mord.
Es gibt viele Luftfilmchen von Großveranstaltungen. Da fliegt das Ding dann über das Open-Air Gelände und auch sehr tief über die Köpfe der Teilnehmer.
Und es gibt sehr viele Filmchen, die mit einem Crash des Fluggerätes enden.
Jetzt kann sich jeder zusammen reimen, was passiert, wenn die beiden Ereignisse zusammentreffen.
Ich glaube aber schon, dass sich etwas tun muss. Wenn sich die Dinger weiter so verbreiten, werden die Zwischenfälle zunehmen.
MacFlieger:
--- Zitat von: fränk am September 19, 2013, 09:30:58 ---Ich glaube aber schon, dass sich etwas tun muss. Wenn sich die Dinger weiter so verbreiten, werden die Zwischenfälle zunehmen.
--- Ende Zitat ---
Das glaube ich auch. Diese kleinen Spielzeugcopter sind mittlerweile überall zu kaufen, selbst im Baumarkt. Und die "simplen" Einstiegscopter von DJI werden auch in Unmengen verkauft, weil sie fliegen und man kaum technisches Wissen benötigt.
Hier hilft aber nur eine Aufklärung über die vorhandenen gesetzlichen Bestimmungen und(!) über den gesunden Menschenverstand. Verbote helfen nix. Ich bezweifle, dass man an der Kasse beim Discounts oder Baumarkt nur darüber aufgeklärt wird, dass für jegliches(!) Flugmodell (auch für Papierschwalbe) in Deutschland eine Haftpflichtversicherungspflicht gibt. Von der normalen Haftpflichtversicherung sind wenn überhaupt dann nur nicht motorisierte Modelle abgedeckt.
Aber anstatt seriös zu informieren, werden in Fernsehberichten nur völlig unbegründete Ängste geschürt und sogar Anwälte zitiert, die zwar vom gewaltsamen Runterholen eines Flugmodelles nur im Nebensatz abraten. Ich werfe mal "gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr" in den Raum. So wird dann Selbstjustiz ohne rechtliche Grundlage und Gefährdung von Personen und Gegenständen gefördert.
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