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Rentendiskussion
Florian:
Bisschen überspitzt habe ich schon. Aber wenn man unsere Regierenden und die Alternativen so betrachtet, wird es wohl zu kommen bzw. bleiben.
radneuerfinder:
Ich muss mal eine Lanze für die altmodisch geblümte Rente nach dem GenerationenVertrag brechen. Dort wurde nie versprochen, daß man das was man einzahlt wieder rausbekommt. Das versprechen ist: Die an das System angeschlossenen Jungen finanzieren die Alten. Wenn die Jungen viel erwirtschaften gibts mehr, wenn weniger, dann weniger. Dieses System hat sich in der Praxis als krisenfest erwiesen. Teilweise mit Abstrichen und Blessuren hat es überstanden: Kaiserreich, Hyperinflation, Währungsumstellungen, Diktatur, Krieg, Übergang von 2. zu 1. Weltland.
Natürlich ist es günstig wenn viel erwirtschaftet wird. Aber da schauts nicht so schlecht aus. Auch wenn sich die deutsche Wirtschaftsleistung halbieren sollte, wäre noch soviel Geld da wie 1970. War die gesetzliche Rente 1970 unsicher?
http://www.wachstumsstudien.de/Inhalt/Seiten/Kernaussage_html.htm
Und natürlich ist es günstig, wenn die Rentenlast auf viele Schultern verteilt werden kann. Hier gibt es einen Rückgang, aber der ist meiner Meinung nach moderat (Schultern 1970: ca 50 %, Schultern 2060: ca. 45 %). Klar gibts mehr Rentner, aber dafür müssen die "Schulterer" auch weniger Kinder finanzieren:
http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/195225.html
Leider ist das nur Theorie. Von dem Generationenvertrag sind größere Teile der Gesellschaft komplett ausgenommen. Leider auch viele, die viel schultern könnten: Selbständige, Ärzte, Rechtsanwälte, Beamte, Künstler, Journalisten, besserverdienende Angestellte mit dem Gehaltsbetrag mit dem sie über einer "Beitragsbemessungsgrenze" liegen, etc. Gleichzeitig führen schon seit einigen Jahren Steigerungen des Bruttosozialproduktes nicht zu vermehrten Einzahlungen in die Deutsche Rentenversicherung, da nur ArbeitnehmerLöhne und Gehälter zur Finanzierung herangezogen werden.
http://de.wikipedia.org/wiki/Lohnquote
Wie im Detail auch immer, so lange Deutschland genug erwirtschaftet sollte es mMn theoretisch für die Rente reichen ...
Radikale, sozialistische Gleichmacherei? Vielleicht, aber nicht mehr als in der Schweiz seit Jahrzehnten üblich. (Auch wenn die Schweizer sich noch auf ein bis zwei weitere Säulen verlassen.)
Jochen:
@radneuerfinder
Danke, dass Du da so intensiv recherchiert hast.
Werde das mal studieren.
Jochen
DBe001:
Es tut gut, mal einen guten Beitrag hier zu lesen statt des allgemeinen Niedermachens, das einige hier bevorzugen.
Florian:
Zitat von radneuerfinder in anderem Thema:
--- Zitat von: radneuerfinder am Oktober 09, 2012, 10:16:56 ---Die Finanzierung der Schuldenkrise durch Inflation hat bereits angefangen. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten sind in Deutschland die realen (sprich inflationsbereinigten) Zinsen für "normales" Sparen negativ:
--- Ende Zitat ---
Ja. Man kann auch mal die Rentenanpassungen gegen die Inflation legen und sieht, dass sie schon seit Jahrzehnten real rückläufig sind (im Westen).
Wir sind in einer besonderen Situation, in vielerlei Hinsicht, die 1970 so nicht bestanden:
a) Wiedervereinigung, Übernahme und Anpassung der dortigen Rentenansprüche.
b) Schon lange und wahrscheinlich noch länger anhaltende Niedrigzinsphase.
c) Gefahr von riesigen Zahlungen durch übernommene Kreditrisiken
d) Staatsverschuldung auf Rekordniveau
e) Druck auf die Löhne durch Globalisierung
f) Der Lohnanteil am Einkommen (beitragspflichtig) ist seit Jahren rückläufig.
und vieles mehr.
In Deutschland hat man sich entschieden, die Rentenbeiträge nur noch leicht ansteigen zu lassen und auch keine anderen Einkommen zu belasten. Die Menschen sollen stattdessen privat vorsorgen, um die Lücke zu schließen.
Das ist ja keine Feststellung von mir, sondern seit Jahren offizielle Regierungspolitik.
Nur leider fällt die Vermögensbildung schwer.
a) Niedrigzinsen - selbst die Kapitallebensversicherer stöhnen, sie haben schon Schwierigkeiten, den Garantiezins der älteren Verträge zu erfüllen. Auch wegen strengerer Regeln. Millionen Deutsche haben solche Verträge.
b) Viel Abzocke. Warum darf Hinz und Kunz ohne Ausbildung Finanzprodukte verkaufen? Warum werden betrügerische Banker nicht mehr zur Verantwortung gezogen? Wie kann so etwas wie z.B. der Madoff-Betrug überhaupt passieren?
c) Der Sparerfreibetrag ist schon bei kleinen Sparern schnell ausgeschöpft.
d) Die Börsen sind zunehmend geprägt von extremen Schwankungen.
e) Abgeltungssteuer auf Kursgewinne
f) Negative Reallohnentwicklung lässt keinen Raum und drückt gleichzeitig die Rentenansprüche
und vieles mehr. Man muss also erstmal schaffen, die etwa 3% Rendite der Rentenversicherung zu erreichen.
Zudem erscheint mir eine teilweise Einteignung auch über Zwangszahlungen fast als unumgänglich. So meinen das zumindest viele Experten und auch als Laie kann man es eigentlich erkennen. Denn wie sonst soll das finanziert werden, was vor uns steht? Bleibt also v.a. die Frage, wer hier belastet wird.
Gute Erfahrungen haben deutsche Regierungen mit den Immobilienbesitzern gemacht.
Die per Umlage finanzierte Rente will ich nicht schlecht reden, schon gar nicht ihre historischen Verdienste. Es ist aber unabdingbar, auch privat vorzusorgen, wenn man im Alter nicht finanziell deutlich abrutschen will. Das sagt auch unsere Regierung so, zunehmend direkter. Und hat dazu ja auch die - stark verbesserungsnötigen - Förderungen bereitgestellt.
Einzige Alternative wäre ein massiver politischer Eingriff, wie ihn radneuerfinder andeutet. Man sollte aber nicht vergessen, dass aus dem Steuersäckel eh schon über 80 Mrd. € im Jahr in die Rentenkasse fließen. Das sind rein statistisch 4000 € pro Rentner und Jahr und ca. ¼ der Gesamtsumme. Es zahlen also heute schon nicht nur die Beitragszahler.
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