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Der AppStore und die Verlage

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warlord:

--- Zitat von: MacFlieger am Februar 10, 2011, 17:50:21 ---dass derartige Kosten für Verrtrieb und Inkasso völlig normal und sogar eher niedrig sind. Apple übernimmt ja nicht nur Hosting, sondern auch Inkasso (gerade bei Kreditkarte ist das weltweit gesehen schon nicht unerheblich zu bezahlen) und Kunden-Support bei Problemen mit Download, Abrechnung etc.
--- Ende Zitat ---

Na ja, das kann man so sicher nicht sagen. Das hängt stark vom Preis des Produktes ab. Eine eigene Web Site kann der Store ja wohl in den wenigsten Fällen ersetzen. Die Hostingkosten fallen durch den Store meistens also schonmal nicht weg. Etwas Supportaufwand bezüglich der Lizenzierung dürfte einem Entwickler abgenommen werden. (Was zwar recht häufige, aber meistens einfach zu lösende Probleme sind. Also auch hier IMO kein Riesengewinn.) Bleiben noch die Kosten für die Bezahlung. Da gebe ich Dir Recht, dass Apple mit ihrem Modell für eine $4.99 App sogar ziemlich konkurrenzfähig sein dürfte. Bei 30% von z.B. $250.-- schaut es dann doch etwas anders aus.

radneuerfinder:
Ich habe keine Ahnung von dem Bereich. Aber für schaut es zumindest irgendwie unflexible aus. Zum Vergleich: für die Abwicklung des Bezahlvorgangs per Kreditkarte nimmt share-it

   ShareIt-VALUE: 4,9 % + 1 USD / EUR
   ShareIt-FLEX: 8,9 % - mindestens 1 USD / EUR

Oder Paypal:
https://www.paypal-deutschland.de/haendler/paypal-fuer-haendler/vorteile/kosteneffizienz.html

FOX:
Zwei Dinge:

1. Apple fordert ja nur (per Geschäftsbedingung, die alle akzeptierten, als sie ihre Haupt-Apps einstellten), dass Abos AUCH im App.-Store verkauft werden müssen, wenn sie die Verlage auch per Web verkaufen. Es ist also auch der Verkauf über verlagsinterne Vertriebskanäle zulässig.

2. Beim Verkauf am Kiosk waren früher 50% Abgabe  des Verkauspreises an den Vertrieb üblich.
Beim Playboy wanderten von 9 Mark also 4,50 an Spedition, Kiosk etc., bei 20-Pfennig-Yellow-Press-Erzeugnissen dann halt nur 10 Pfennige. Mittlerweile sind diese Margen etwas reduziert worden, liegen aber immer noch über, oder sind max. gleich zu den 30 % des App.-Stores.
Da gibt es also überhaupt keinen Grund sich zu beschweren. Vor allem sparen die Konzerne sogar noch Personalkosten, die den Vertrieb intern abwickelten.

MacFlieger:

--- Zitat von: warlord am Februar 10, 2011, 18:23:09 ---Das hängt stark vom Preis des Produktes ab. Eine eigene Web Site kann der Store ja wohl in den wenigsten Fällen ersetzen. Die Hostingkosten fallen durch den Store meistens also schonmal nicht weg. Etwas Supportaufwand bezüglich der Lizenzierung dürfte einem Entwickler abgenommen werden. (Was zwar recht häufige, aber meistens einfach zu lösende Probleme sind. Also auch hier IMO kein Riesengewinn.) Bleiben noch die Kosten für die Bezahlung. Da gebe ich Dir Recht, dass Apple mit ihrem Modell für eine $4.99 App sogar ziemlich konkurrenzfähig sein dürfte. Bei 30% von z.B. $250.-- schaut es dann doch etwas anders aus.
--- Ende Zitat ---

Klar, Hosting und Support sind die geringsten Kosten. Der Hauptanteil liegt bei der Kreditkartenabrechnung. Sieht man ja auch schön bei den Beispielen von radneuerfinder, dass besonders bei kleinen Beträgen eine Abrechnung über Kreditkarte für den Verkäufer extrem ungünstig ist. Bei 0,79€-Beträgen wurde man da schon Verlust machen, weil die Transaktion mehr kostet.
Du und radneurfinder haben dann natürlich Recht, dass ein fixer Wert wie 30% unflexibel ist. Bei kleinen Beträgen ist das sehr wenig oder sogar Gewinn statt Verlust; bei großen Beträgen wäre es anders etwas günstiger. Apple hätte dabei dann auch ein gestaffeltes System einführen können mit Staffelungen nach Preis, Anzahl der Länder, in denen es auftaucht etc.
Sie haben aber im Gegenteil eine einfach zu verstehende und zu durchschauende Variante gewählt, bei der sich anscheinend eine Quersubventionierung ergibt (auch zu den kostenlosen Apps), die ungefähr die Kosten deckt. Zum einen ist das eine transparente Lösung (schimpfen wir nicht immer über die intransparente Tarife bei Mobilfunkprovidern?) und zum anderen werden dabei dann auch günstigere Apps gefördert. Anders wären Apps unter 3€ überhaupt nicht machbar für den Entwickler.

Also für mich ist das so, dass gerade Angebote mit geringerem Preis von den 30% profitieren, weil es günstiger ist als andere Wege. Und nun schauen wir mal, worum es geht. Richtig, Zeitschriften-Verkäufe. Das sind doch auch eher geringe Beträge und 30% dabei abzugeben, dafür keine Transaktionskosten zu haben und Leute zu beschäftigen, die die Abrechnung machen, ist wohl kaum günstiger hinzukriegen.
Die meckern nur so laut, weil sie gerne den normalen Preis haben wollen, dabei die bisherigen (höheren) Kosten für den Verkauf zusätzlich einstreichen wollen (also eine erhebliche Gewinnsteigerung anstreben) und trotz niedrigeren Kosten im App-Store als vorher (also höherem Gewinn als im realen Leben) mit der Gewinnsteigerung nicht zufrieden sind. Man könnte auch sagen, den Hals nicht voll kriegen. Und sie können nur deshalb so laut schreien, weil sie wissen, dass die meisten in der Öffentlichkeit nicht wissen, ob die 30% viel oder wenig sind. Für die breite Öffentlichkeit sieht es doch so aus, als ob die Verlage von ihren aktuellen Einnahmen, dann 30% an Apple abtreten müssen, als 30% weniger Einnahmen haben, was ja überhaupt nicht stimmt.
Und zweiter Punkt wird sein, dass sie gerne an die Kundendaten kämen. Die kann man so schön weiterverkaufen, äh, verwerten.

warlord:
Ja bezüglich Zeitungen und Zeitschriften hast Du sicher Recht. Da dürften die Kosten für Druck und Distribution sicher über 30% liegen und die 30% so letztlich für die Verlage ein gutes Geschäft sein, wenn sie die selben Preise verlangen können. (Aber ich gehe mal eher davon aus, dass Kunden die elektronische Version günstiger erwarten, als die gedruckte.)

Natürlich ist bei dem Gezeter eine gehörige Portion Eigeninteresse der Verlage dabei. Und natürlich kann man da mit dem Abzocker und "die können den Hals nicht voll genug kriegen" Argument kommen. Und sich so nur als Zuschauer achselzuckend sagen, geht mich ja nichts an. Aber ich denke, da gibt es dann doch auch noch eine volkswirtschaftliche Komponente. Papierherstellung, Druck, Distribution, Verkauf... das war bisher Wertschöpfung, die mehrheitlich im Konsumationsland anfiel und auch dort Arbeitsplätze schuf. Gut, wegfallen tun die beim Umstellen auf elektronische Wege natürlich ohnehin. Aber wenn diese Wertschöpfung nun einfach grossmehrheitlich durch eine überteuerte (so sie das denn ist) elektronische Distribution ersetzt wird, sich so für den Konsumenten kaum etwas verbilligt und einfach nur Wertschöpfung von hier nach Kalifornien abgezogen wird, dann geht es eben doch nicht nur um Eigeninteresse der Verlage. 

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