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Netzneutralität - Wem gehört das Internet?
warlord:
--- Zitat von: MacFlieger am Oktober 31, 2015, 14:12:26 ---
--- Zitat ---Ob die Schweizer Post auf die Forderungen von DHL eingeht oder einen anderen Anbieter mit der Auslieferung in Deutschland beauftragt, bleibt dann ihr überlassen.
--- Ende Zitat ---
Ähm, in dem Beispiel stellt die DHL keine Forderungen an die schweizer Post, sondern direkt an den Händler.
--- Ende Zitat ---
Ja, schon klar. Dem Händler können die Forderungen von DHL aber egal sein. Die Schweizer Post hat sich ihm gegenüber ja zum Transport des Pakets zu Dir verpflichtet. Dafür, dass sie, oder ein von ihr Beauftragter, das auch tut, ist sie verantwortlich.
Ganz nebenbei würde sich wohl sowieso die Frage stellen, ob ein solches Vorgehen von DHL nicht sogar strafbar wäre. Weit weg von der Erpressung oder Nötigung würde man sich damit jedenfalls nicht mehr befinden.
Aber ja, mir ist schon klar, dass es beim Internet etwas komplizierter ist, als beim DHL-Beispiel. Auch wenn es mit der Nichtvorhersagbarkeit der Route heute in der Praxis nicht mehr ganz so weit her ist, wie es die Technologie in der Theorie eigentlich vorsehen würde. Wie ich schon eingangs schrieb, bin ich mir durchaus bewusst, dass in dem Bereich Quasi-Monopole und Machtgefälle Staatseingriffe in einem gewissen Rahmen notwendig machen. Ich bin einfach der Meinung, die sollten so zurückhaltend und überlegt wie möglich erfolgen.
MacFlieger:
--- Zitat von: warlord am Oktober 31, 2015, 15:09:47 ---Dem Händler können die Forderungen von DHL aber egal sein. Die Schweizer Post hat sich ihm gegenüber ja zum Transport des Pakets zu Dir verpflichtet. Dafür, dass sie, oder ein von ihr Beauftragter, das auch tut, ist sie verantwortlich.
--- Ende Zitat ---
Da DHL aber evtl. nicht direkt Beauftragter der Schweizer Post ist, wird das schon unmöglich. Oder mal noch eine Zwischenstation (Schweiz ist ja keine EU): Der Zoll oder eine Organisation, die sich ohne Auftrag der schweizer Post oder des Kunden um die Verzollung kümmert, will nun Geld von Händler A, damit die Verzollung abgearbeitet wird. Aber eben nicht aufwandsabhängig wie es bei porto und ähnlichem ist, sondern umsatzabhängig von Händler A. D.h. von Händler A wird für die gleiche Arbeit mehr verlangt als von Händler B, weil Händler A mehr Umsatz macht als Händler B.
Allein schon diese Umsatzabhängigkeit kenne ich in keinem anderen Bereich. Eine Dienstleistung kostet immer den gleichen Betrag oder Anteil (mal abgesehen von Mengenrabatt oder ähnlichem). Aber doch nicht unterschiedlich nach Umsatz?
--- Zitat ---Ganz nebenbei würde sich wohl sowieso die Frage stellen, ob ein solches Vorgehen von DHL nicht sogar strafbar wäre. Weit weg von der Erpressung oder Nötigung würde man sich damit jedenfalls nicht mehr befinden.
--- Ende Zitat ---
Jetzt sind wir einer Meinung. Genau darum (und nur darum) geht es. Und nach der neuen Regelung wäre das eben erlaubt. Und die Telekom (aber sicher nicht als einzige) wird versuchen, dass durchzuführen.
--- Zitat ---Ich bin einfach der Meinung, die sollten so zurückhaltend und überlegt wie möglich erfolgen.
--- Ende Zitat ---
Auch da sind wir einer Meinung. :)
Die Frage ist eben, was ist ein größerer/weniger zurückhaltender Eingriff?
1. Preise und Konditionen sind frei, nur müssen alle Daten gleich behandelt werden.
2. Preise und Konditionen sind frei, außer bei Ausnahme x gilt a, bei Ausnahme y gilt b, bei...
Mir scheint das zweite viel komplexer.
Florian:
--- Zitat von: MacFlieger am Oktober 31, 2015, 09:20:33 ---Nun, so ganz hinkt es nicht. In D werden die Autobahnen von den Besitzern der PKWs über die KfZ-Steuer bezahlt bzw. bei LKWs über die LKW-Maut.
--- Ende Zitat ---
Das ist zwar hier keineswegs der Kernpunkt, aber…
Die KFZ-Steuern fließen ungebunden in den allgemeinen Bundeshaushalt.
Die LKW-Maut ist tatsächlich derzeit zweckgebunden (bzw. die Gelder, die nach Abzug aller Kosten übrig bleiben) für die Fernstrassen.
Natürlich wurden die sonstigen Ausgaben um genau den Betrag gesenkt. Die Fernstrassen hatten also nichts davon.
Ich würde sagen, es ist eigentlich ganz einfach…
Der Markt kann weitgehend übernehmen, wo es einen fairen Wettbewerb gibt. Bei den Providern ist der stark eingeschränkt.
Man kann eben nicht gerade mal den Provider wechseln und schon gar nicht kann man z.B. seine Streaming-Kunden dazu bringen!
Es ist also gar kein faires Geschäft möglich und daher müssen die Staaten eben mehr Regeln setzen als anderswo. Einseitige Entscheidungen wie jetzt sind einfach schädlich für die Wirtschaft.
Mal davon abgesehen, dass hier die Provider die Macht erhalten, eine Art Zensur auszuüben und diverse Dienste auszubremsen. Besagter Streaming-Dienst ist mit miesen Datenraten schnell aus dem Geschäft. Das hat auch eine potentielle inhaltliche Komponente und gehört neutral kontrolliert, was aber anscheinend nicht geregelt ist.
In Deutschland gibt es auch noch ein gewichtiges Wettbewerbsgrund in diesem Segment, denn der Provider Telekom betreibt ja ein eigenes Video-Streaming-Angebot bzw. IPTV. Da gab es schon mal Ärger, weil sie dieses natürlich ausnahmen bei Anrechnung aufs Datenvolumen der Kunden.
Hier ist es sowieso egal, denn das Geld flöße ja von T zu T.
Da müsste T schon raus aus diesem Geschäftsfeld.
radneuerfinder:
Hallo Warlord, das Sozialismus Argument meine ich nachvollziehen zu können. Das Freiheit dank Besitz am Internetkabel kapier ich noch nicht.
warlord:
Kurz ausgedrückt: frei kann nur sein, wer die Früchte seines Tuns selbst ernten darf. Kollektivistische Weltanschauungen, welche die Früchte allen Tuns als Allgemeingut betrachten, degradieren das Individuum zum Sklaven der Allgemeinheit.
Etwas tiefer gehend: http://www.libinst.ch/?i=eigentum-und-freiheit-die-liberale-naturrechtsphilosophie-bei-frederic-bastiat
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