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Netzneutralität - Wem gehört das Internet?

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MacFlieger:

--- Zitat von: warlord am Oktober 31, 2015, 11:50:33 ---Deine Argumentation ist mir zu sozialistisch.

--- Ende Zitat ---

Im Ernst?  :o :o

Klar kann man sagen, dass das Netz ja den Firmen gehört und daher diese dort walten können, wie sie wollen. Der Staat sollte nur dann eingreifen, wenn es zu Missbräuchen kommt. Deshalb gibt es auch so etwas wie eine Kartellaufsicht.

Beim Internet ist die Sache aber nicht so trivial.

Die eine Sache ist die, ob der vorgebliche Grund stichhaltig ist.
Es ist völlig richtig, wenn Provider die Kosten von Datentransfers selbst festlegen können, üblicherweise eben zusammengesetzt aus: Kosten für Unterhalt des Netzes, Kosten für Transfer, Kosten für Investitionen und gewünschter Gewinn. Dies ist bei allen anderen Netzen (Strom/Wasser/Speditionen/Post etc.) auch der Fall. Es spielt aber bei diesen Sachen keine Rolle, ob die übertragenen Daten/Pakete/Wasser/Strom nur privat oder kommerziell genutzt werden. D.h. der angegebene Grund: "Es ist unfair, wenn Dienste Geld verdienen ohne uns zu beteiligen" ist für mich Unsinn. Kein Versender beteiligt die deutsche Post an seinem Gewinn oder gar Umsatz.

Die andere Sache ist die der Praktikabilität.
Beim Internet kann kein Dienstanbieter oder Benutzer vorhersagen, welche Provider alle zwischendurch betroffen sind. D.h. wenn ein Unternehmen Dienst anbietet, dann soll es an alle deutschen Provider bezahlen und an alle französischen und an alle Schweizer und an alle ...? Wie soll das denn gehen?


--- Zitat von: warlord am Oktober 31, 2015, 11:50:33 ---Das Autobahnnetz ist (in Deutschland) Eigentum der Allgemeinheit bzw. des Staates. Folglich steht es dem Staat auch zu, darüber zu befinden, unter welchen Voraussetzungen und zu welchen Konditionen diese Infrastruktur zur Nutzung angeboten wird.
--- Ende Zitat ---

Deshalb habe ich ja das ganze mal auf private Mautstrassen erweitert. Aber Du fändest es in Ordnung, wenn man die deutschen Autobahnen nicht nutzungsabhängig, sondern umsatzabhängig bezahlen muss?


--- Zitat ---Es steht dem Eigentümer also grundsätzlich frei, darüber zu bestimmen, unter welchen Konditionen und zu welchen Gebühren er die Nutzung seiner Infrastruktur anbieten möchte. Dem potentiellen Nutzer wiederum steht der Entscheid frei, zu welchen Konditionen und Gebühren er ein Angebot nutzen möchte. Der Markt dient dazu, dass sich beide Seiten finden.
--- Ende Zitat ---

Ja, aber die die Provider leiten ja evtl. auch nur durch, d.h. weder Anbieter noch Nutzer haben einen direkten Vertrag z.B. mit der Telekom, trotzdem können beide evtl. nicht vermeiden, dass die Daten über Telefonnetze laufen.


--- Zitat ---Detaillierte Vorgaben, zu welchen Konditionen und Gebührenstrukturen die Eigentümer ihre Infrastruktur anzubieten haben, wirken dem eher entgegen und gehen in meinen Augen schon Richtung Planwirtschaft.

--- Ende Zitat ---

Ja, darum geht es ja gar nicht. Sie können ja die Preise erhöhen. Hier machen sie aber etwas anderes. Sie wollen von jemandem, mit dem sie gar keinen Vertrag haben, Geld kassieren, um eine Leistung, die der Kunde bezahlt, nicht künstlich zu behindern.
Wenn ich in der Schweiz bei einem Händler A Ware bestelle, dann bezahlt der Versender das Porto an z.B. die Schweizer Post, die übergeben das Paket dann an DHL und DHL liefert es aus. DHL geht jetzt aber nicht zum Händler A und sagt: "Du verdienst Geld damit, dass wir das Paket ausliefern, wir möchten ein paar Prozent von Deinem Umsatz, damit wir die Pakete nicht liegen lassen."

warlord:

--- Zitat von: MacFlieger am Oktober 31, 2015, 12:57:00 ---Die andere Sache ist die der Praktikabilität.
Beim Internet kann kein Dienstanbieter oder Benutzer vorhersagen, welche Provider alle zwischendurch betroffen sind. D.h. wenn ein Unternehmen Dienst anbietet, dann soll es an alle deutschen Provider bezahlen und an alle französischen und an alle Schweizer und an alle ...? Wie soll das denn gehen?
--- Ende Zitat ---

Einverstanden. Wieso braucht es dann den Staat? Wenn es nicht praktikabel ist, wie soll es dann über den Status eines Wunschtraums eines abgehobenen Managers hinaus kommen?



--- Zitat ---Deshalb habe ich ja das ganze mal auf private Mautstrassen erweitert. Aber Du fändest es in Ordnung, wenn man die deutschen Autobahnen nicht nutzungsabhängig, sondern umsatzabhängig bezahlen muss?
--- Ende Zitat ---

Was heisst in Ordnung? Abgesehen davon, dass es kaum praktikabel wäre, würde ich das sicher nicht gut finden. Aber genau wie ich die Meinung von jemandem nicht gut finden muss, nur weil ich ihm das Recht auf seine eigene Meinung zugestehe, muss ich auch nicht gut finden, was jemand mit seinem Eigentum anstellt, nur weil ich ihm das Recht auf freies Verfügen über sein Eigentum zugestehe.


--- Zitat ---Wenn ich in der Schweiz bei einem Händler A Ware bestelle, dann bezahlt der Versender das Porto an z.B. die Schweizer Post, die übergeben das Paket dann an DHL und DHL liefert es aus. DHL geht jetzt aber nicht zum Händler A und sagt: "Du verdienst Geld damit, dass wir das Paket ausliefern, wir möchten ein paar Prozent von Deinem Umsatz, damit wir die Pakete nicht liegen lassen."

--- Ende Zitat ---

Dann geht Händler A zur Schweizer Post und erinnert jene daran, dass sie einen Vertrag abgeschlossen haben, das Paket zum Preis XY zu Dir zu transportieren und fordert sie auf, ihren Teil des Vertrages zu erfüllen. Ob die Schweizer Post auf die Forderungen von DHL eingeht oder einen anderen Anbieter mit der Auslieferung in Deutschland beauftragt, bleibt dann ihr überlassen. Wozu genau braucht es hier nun den Staat (ausser zum Betrieb eines Justizsystems, mit welchem sich privatrechtliche Verträge durchsetzen lassen)?

Jochen:

--- Zitat von: warlord am Oktober 31, 2015, 11:50:33 ---Das Autobahnnetz ist (in Deutschland) Eigentum der Allgemeinheit bzw. des Staates.

--- Ende Zitat ---

Wieso?
Die Autobahnen / Kabel werden in / auf der Erde gebaut.
Mit welchem Recht ist es der Allgemeinheit / dem Staat gestattet dies anderen zur Verfügung zu stellen?

Jochen

warlord:

--- Zitat von: Jochen am Oktober 31, 2015, 13:52:00 ---
--- Zitat von: warlord am Oktober 31, 2015, 11:50:33 ---Das Autobahnnetz ist (in Deutschland) Eigentum der Allgemeinheit bzw. des Staates.

--- Ende Zitat ---

Wieso?
Die Autobahnen / Kabel werden in / auf der Erde gebaut.
Mit welchem Recht ist es der Allgemeinheit / dem Staat gestattet dies anderen zur Verfügung zu stellen?

--- Ende Zitat ---

Frage nicht verstanden.  ???

MacFlieger:

--- Zitat von: warlord am Oktober 31, 2015, 13:47:58 ---Einverstanden. Wieso braucht es dann den Staat? Wenn es nicht praktikabel ist, wie soll es dann über den Status eines Wunschtraums eines abgehobenen Managers hinaus kommen?
--- Ende Zitat ---

Für den Anbieter ist es nicht praktikabel. Für den Provider ohne Probleme.


--- Zitat ---Was heisst in Ordnung? Abgesehen davon, dass es kaum praktikabel wäre, würde ich das sicher nicht gut finden. Aber genau wie ich die Meinung von jemandem nicht gut finden muss, nur weil ich ihm das Recht auf seine eigene Meinung zugestehe, muss ich auch nicht gut finden, was jemand mit seinem Eigentum anstellt, nur weil ich ihm das Recht auf freies Verfügen über sein Eigentum zugestehe.
--- Ende Zitat ---

OK.


--- Zitat ---Ob die Schweizer Post auf die Forderungen von DHL eingeht oder einen anderen Anbieter mit der Auslieferung in Deutschland beauftragt, bleibt dann ihr überlassen.
--- Ende Zitat ---

Ähm, in dem Beispiel stellt die DHL keine Forderungen an die schweizer Post, sondern direkt an den Händler.
Und beim Internet gibt es da noch ein par andere Probleme: Zum einen kann man nicht groß steuern, über wessen Netz die Pakete gehen und es laufen auch Pakete über mehrere Netze, die nicht direkt verbunden sind und um manche Netze kommst Du nicht herum. In dem Beispiel: Die Schweizer Post übergibt das Paket nicht direkt DHL, sondern erst einem Zwischenspediteur, d.h. die Schweizer Post und DHL hätten gar keinen direkten Kontakt. Außerdem geht das Paket evtl. auf dem letztem Weg zum Kunden immer über DHL. Die Schweizer Post hat keine Möglichkeit zu steuern, ob das Paket über DHL läuft.

D.h. egal welchen Provider der Benutzer und Dienstanbieter gewählt haben, sie können es effektiv nicht verhindern, dass sie von einem Provider, der Schutzgeld haben möchte, betroffen sind.

Evtl. reden wir auch aneinander vorbei, aber ich möchte eben keine besondere Regulierung der Provider, sondern das genaue Gegenteil. Die Provider sollen mit dem jeweiligen Vertragspartner beliebige Verträge und Konditionen aushandeln dürfen. Aber eben nur(!) mit dem jeweiligen Vertragspartner.

Der Markt wird es leider eben nicht richten. Ideal wäre es, wenn Provider den Kunden verschiedene Preise/Konditionen anbieten, der Benutzer wählt und gut. Konditionen, die vom Benutzer nicht gewünscht sind, werden nicht gewählt und so müssen sich die Provider anpassen und Konditionen/Preise ändern, dass sowohl Provider als auch Benutzer zufrieden sind. So sollte es funktionieren, kann es aber nicht. Viele haben überhaupt keine Alternativen beim Provider und selbst wenn, kann man z.B. nicht verhindern, dass die eigenen Daten auch über die Telekomnetze fliessen und dadurch trotzdem betroffen ist.
Z.B. bremst die Telekom AFAIK sowieso schon Youtube aus. Auch wenn ich als Kunde nichts mit der Telekom zu tun habe, bin ich davon betroffen, wenn die irgendwo auf dem Weg dazwischen sind.
So eine Situation kann der Markt nicht regulieren.

 Wozu genau braucht es hier nun den Staat (ausser zum Betrieb eines Justizsystems, mit welchem sich privatrechtliche Verträge durchsetzen lassen)?
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