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Textdateien werden immer fehlerhafter...langer thread...aber für mich spannend

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Patrick:
Nochmal zu Deinen Fragen bezügl. LaTeX und XML:

Grundsätzlich muß man sehen, daß TeX bzw. LaTeX eine Anwendung, XML aber ein Sprachkonstrukt ist. Das am Ende sehr vergleichbare Ergebnisse im Quelltext bei beiden rauskommen, liegt halt daran, daß beide einen dazu zwingen, einen Text vernünftig zu strukturieren. Mit einem passenden Translator (XSLT) könnte man auch aus XML LaTeX generieren. Doch dazu später mehr.

In LaTeX definiert man die einzelnen Abschnitte eines Textes in ähnlicher Form wie bei einer Webseite in HTML. Ein Befehl umschliesst den betreffenden Text grundsätzlich mit \begin{} und \end{}, wobei es auch Kurzformen davon geben kann, also

--- Code: ---\begin{chapter}
    Dies ist ein Kapitel
\end{chapter}

--- Ende Code ---
definitiert den Text "Dies ist ein Kapitel" als Kapitelüberschrift. Auf diese Art und Weise kann man alle Elemente eines Textes klassifizieren und bestimmte Eigenschaften zuweisen. Wichtig ist, daß innerhalb des Dokuments keinerlei Schriftzuweisungen (nimm hier jetzt Frutiger Bold 12pt) oder ähnliches vorkommt. Natürlich kann ich Attribute wie Fett, Kursiv und auch die Schriftgrösse angeben, auch ob ich proportionalen Text oder Serifen haben möchte, aber ich kann nicht ohne weiteres direkt eine Schrift vorgeben.
Das geschieht in den Stilen (Styles). Es gibt die Grundstile book, report und article sowie letter und slides. Hier wird für jedes Element die Darstellung festgelegt und der Seitenaufbau definiert. Wird die Kapitelüberschrift auf einer Extra-Seite (book) oder über dem Text auf der nächsten ungeraden Seite (report) oder gar nicht (article) dargestellt? Soll die Nummerierung der Kapitel (übrigens automatisch) numerisch, alphabetisch oder römisch erfolgen? Wo steht die Seitenzahl, der Buchtitel, der Kapitelname auf den geraden und ungeraden Seiten?
Diese Styles lassen sich natürlich auch an die eigenen Anforderungen anpassen (wobei man sich da schon recht gut auskennen muß).
Somit kann man sich beim Schreiben voll und ganz auf den Inhalt konzentrieren, ohne sich um die Formatierung kümmern zu müssen. Fußnoten landen immer dort, wo sie sein sollten, ein Inhaltsverzeichnis ist immer so, wie es sein sollte. Verweise auf andere Textstellen natürlich auch problemlos machbar und vieles andere mehr.

XML alleine reicht nur dafür aus, eine Struktur in eine Datenmenge oder auch Text zu bekommen. Die eigentliche Auswertung dieser Daten erfolgt im XSLT, der die Daten mit hilfe von Definitionen entsprechend umwandelt. Im Browser-Bereich geschieht das über CSS-Dateien, die im XML-Quelltext angegeben werden. Dann wird eine XML-Datei in einem XML/XSLT-fähigen Browser so dargestellt, wie es gewünscht ist (zumindest theoretisch).
Daher auch meine Bemerkung vom Anfang, daß man aus XML auch LaTeX generieren könnte, wenn man den entsprechenden XSLT hat.

Jochen:
@Patrick

Danke

Würdest Du Dich trauen zu sagen, dass z.B. mit LaTex die von mir geschilderten Word Probleme nicht vorkommen würden.

Auch unter Berücksichtigung von unterschiedlichen LaTex Versionen, unterschiedlichen Betriebssystemversionen usw.

Es geht hier ja um den Inhalt der nicht unterschiedlich angezeigt werden soll.

Jochen

Patrick:
Generell ist der die Ausgangsdatei ja eine reine Textdatei ohne jegliche Formatierung. Somit ist der eigentliche Inhalt völlig unabhängig vom verwendeten Betriebssystem. Es gibt allerdings schon gewisse zusätzliche Styles, um zB Umlaute etc. direkt eingeben zu können. Dann kommt natürlich die Codierung der Datei ins Spiel und bringt diese zumindest durcheinander (PC vs. Mac). Hält man sich aber auch hier an die "richtige" Schreibweise, zB "a für ä, dann passiert auch hier nix. Auch unterschiedliche LaTeX-Versionen spielen in der Regel keine Rolle, nur die Styles sollten natürlich die gleichen sein, vor allem, wenn man dann noch eigene Anpassungen daran gemacht hat. Muß aber nicht unbedingt sein, da man in den LaTeX-Dokumenten im "Header" fast alles, was mit dem Seitenaufbau zu tun hat, umdefinieren kann.

Hier mal ein simples Beispiel für einen Brief, der auf dem g-brief-Style basiert:


--- Code: ---%%
%% This is file `beispiel.tex',
%% generated with the docstrip utility.
%%
%% The original source files were:
%%
%% g-brief.dtx  (with options: `sample')
%%
%%
%%
%% This file is part of the g-brief package
%% -----------------------------------
%%
%% Copyright (C) 1991-1995 Michael Lenzen. All rights reserved.
%%
%% To produce the example in the way you like you are allowed
%% to change this file.
%%
\def\filedate{1995/02/22}
\def\fileversion{1.4b}
\documentclass[11pt,german]{g-brief}

\faltmarken
\fenstermarken
\trennlinien
%% \klassisch

\Name                {Otto Raffzahn}
\Strasse             {Wiesenacker 25a}
\Zusatz              {}
\RetourAdresse       {}
\Ort                 {D-99533 Weitewelt}

\Telefon             {+49--(0)000--00000}
\Telefax             {+49--(0)000--00000}
\Telex               {}
\EMail               {}

\Bank                {Bankhaus Skrupellos \& Co.}
\BLZ                 {000.000.00}
\Konto               {000.000.000}

\Unterschrift        {Otto Raffzahn}

\Postvermerk         {E I N S C H R E I B E N}
\Adresse             {Frau\\
                      Else Mittellos\\
                      Finsterweg 12\\
                      \\
                      D-93456 Tiefeschlucht
                      }

\Betreff             {Zahlung Ihrer Miete}

\Datum               {\today}
\IhrZeichen          {}
\IhrSchreiben        {}
\MeinZeichen         {OR}

\Anrede              {Sehr geehrte Frau Mittellos,}
\Gruss               {Mit freundlichen Gr\"u\ss{}en}{1cm}

\Anlagen             {}
\Verteiler           {}

\begin{document}
\begin{g-brief}

seit der siebten Mieterh\"ohung im laufenden Jahr konnte ich keinen
Zahlungseingang von Ihnen mehr verbuchen. Ich bitte Sie Ihren
Verpflichtungen schnellstens nachzukommen, da ich mich sonst gezwungen sehe,
Ihre Miete ein weiteres mal anzuheben.

\end{g-brief}
\end{document}

\endinput
%%
%% End of file `beispiel.tex'.

--- Ende Code ---

Das Ergebnis sieht dann als PDF so aus:


g-brfbsp.pdf

In dieser Form kann die Datei auf jedem LaTeX-System auf jedem Betriebssystem gleich dargestellt werden, die Basis ist mind. LaTeX2e, das schon seit bestimmt 4 Jahren Standard ist, davor war's LaTeX2.0.9 glaube ich.

Soll nur das Ergebnis betrachtet werden, ist das erzeugte dvi-File (device independent file) relevant, das auf jedem Ausgabegerät immer gleich aussieht; Unterschiede gibt's naturgemäß in Qualität und Auflösung.

Langsam sprengt die Thematik aber den Rahmen hier. Schau die mal das hier an, hier gibt es auch eine Installationsanleitung für tetex & TeXShop für den Mac sowie Tutorials rund um LaTeX.

Jochen:
Hallo Patrick

Danke für Deine ausführlichen Infos.

Mit LaTex habe ich schon mal rumgespielt.

Bin allerdings nicht sehr in die Tiefe gegangen.

Ausgangspunkt war ja, dass das .doc Format über mehrere Word Versionen oder auch Betriebssystemversionen immer unbrauchbarer oder fehlerhafter wird.

Als Privatmann merkt man das eventuell nicht so, da man ja nicht so extrem Unterlagen produziert.

In einer Firma dagegen, wo sehr viel Leute irgendwelche Vorlagen benutzen >Coporate Design< !!! diese Vorlagen unter mehreren Word Versionen weiterbearbeiten, auf verschiedenen Druckern ausdrucken, wird das Chaos zunehmen.

Welche Alternativen bieten sich an ?

Anderes BS > Linux ?
Anderes Textprogramm ? LaTex ist ja auch nicht so einfach zu lernen
Oder eine anderes Textprogramm a la WYSIWYG ?

MS wird dieses Problem ja nie zugeben.

Ich denke schon, dass MS von diesen Problemen weiss.

Ob MS in der Lage ist, dies in den Griff zu bekommen ?

Glaube nicht, dass eine grosse Firma die ein Haufen von Textdokumenten hat, so einfach von MS fortgeht.
Da müsste das Management schon sehr mutig sein.

Im übrigen hat sich ja das Management solch einer Firma auch auf die Kompetenz ihrer IT Abteilung verlassen.

Und die IT Abteilung wird ja dieses Problem nicht zugeben.

Jochen

Patrick:

--- Zitat von: Jochen am Oktober 14, 2005, 23:14:31 ---Anderes BS > Linux ?

--- Ende Zitat ---
Bedingt ja auch ein anderes Textprogramm, also zB OpenOffice

--- Zitat ---Anderes Textprogramm ? LaTex ist ja auch nicht so einfach zu lernen

--- Ende Zitat ---
Am Anfang ist es mit LaTeX mit Sicherheit nicht gerade einfach, aber der Aufwand lohnt sich IMHO.

--- Zitat ---Oder eine anderes Textprogramm a la WYSIWYG ?

--- Ende Zitat ---
Tja, da fällt mir nur OpenOffice oder StarOffice ein. Da OpenOffice noch in Entwicklung ist, ist ein geschäftlicher Einsatz kritisch. Bei einem Wechsel zu StarOffice wäre der Vorteil, daß ja dann alle auf diesen Stand gebracht werden. Und die Probleme, die es bei der weiteren Bearbeitung gegeben hat, dürften bei StarOffice wohl nicht auftreten.

--- Zitat ---MS wird dieses Problem ja nie zugeben.
Ob MS in der Lage ist, dies in den Griff zu bekommen ?

--- Ende Zitat ---
Mit dem neuen Dateiformat, das von den alten Versionen nicht mehr verwendet werden kann, dürfte diese Problematik ziemlich sicher verschwinden.
Im Endeffekt müssten halt alle Nutzer auf den gleichen Versionsstand gebracht werden, dann dürfte es ein wenig besser gehen...

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