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Bankenkrise
Florian:
Sind die scheinbar zwingend linken Komödianten besser qualifiziert als die Ökonomen?
Kann sein. Wer weiß…
Es ist ja keine Frage, dass wir eine Phase von sinkenden Reallöhnen hatten.
Einen gewaltiger Gehaltseinschnitt bei Akademikern in vielen Branchen verursachte ironischerweise aber z.B. die EU-harmonisierte Bologna-Reform und die Freizügigkeit der Arbeitnehmer.
Seit einigen Jahren steigen die Nominallöhne aber wieder, und auch die Reallöhne.
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/152761/umfrage/entwicklung-der-loehne-in-deutschland/
Ich muss auch mal sagen: Die deutschen Beschäftigten hatten über viele Jahre nichts zu lachen. Scheinbar haben aber nicht nur die deutschen Ökonomen und Politiker und Arbeitgeber und Gewerkschafter die auseinander laufende Entwicklung nicht gesehen, sondern alle anderen auch nicht. Oder warum hat man seit Euro-Einführung nicht mal geschaut, was anderswo los ist?
„Bei uns nicht durchsetzbar!" Gemeint ist, man wird nicht wiedergewählt. Schon schlimm, da fährt man lieber sein Land an die Wand.
Ich meine damit keinen Wettlauf um die niedrigsten Lohnstückkosten, aber bitte ein stetes Bewusstsein der Entwicklungen anderswo und langsame Annäherung.
Wobei das Diagramm ja nur die Entwicklung zeigt, nicht die totalen Zahlen.
https://www.iwkoeln.de/studien/iw-trends/beitrag/christoph-schroeder-lohnstueckkosten-im-internationalen-vergleich-257781
Der dort auch gezeigte Produktivitätsvergleich führt weiter.
Man hat also nicht mal die Hälfte der deutschen Produktivität, ergo erhöht man erstmal kräftig die Löhne… das kann in einem gemeinsamen Währungsraum nicht funktionieren. Jetzt den schwarzen Peter in Berlin zu erspähen, passt echt ins Bilde. Ja, auch hierzulande wurde übertrieben, aber Deutschland konkurriert ja weniger mit Portugal und co. als mit den USA und China und vielleicht noch Frankreich. Das ist nun mal ein großer Teil des deutschen Wirtschaftsmodells. Ja, auch das könnte man ändern, wurde uns ja auch lange eingeredet! Á la GB in die Dienstleistungsgesellschaft. Da schaut es aber auch nicht rosig aus…
Fazit: Was nicht zusammenpasst, sollte man nicht verrühren.
Jetzt wird die misslungene Suppe halt mit so viel Geld versalzen, dass sie keinem mehr schmeckt.
radneuerfinder:
Danke für den Link! "Eine aus deutscher Sicht starke Verbesserung der Lohnstückkostenposition lässt sich nur gegenüber dem Euroraum seit 1999 beobachten." betätigt immerhin, dass die Grafik nicht ganz falsch ist.
--- Zitat von: Florian am Juni 17, 2017, 18:55:09 ---Wobei das Diagramm ja nur die Entwicklung zeigt, nicht die totalen Zahlen.
--- Ende Zitat ---
Nicht zufällig beginnt das Diagramm 1999. In diesem Jahr wurden die Wechselkurse für die gemeinsame Währung festgezurrt. Bis dahin könnte man annehmen, dass Unterschiede einigermaßen durch Wechselkursanpassungen ausgeglichen wurden. Seither ist dies nicht mehr möglich und die in der Grafik gezeigte Entwicklung gewinnt stark an Bedeutung. Hier hat der Euro Flexibilität aus dem System genommen. Einziger mir bekannter neuer Regelmechanismus ist "innere Ab- oder Aufwertung". Also Lohn- und Rentenanpassung und dergleichen. Wie wenig eingeübt das ist und wie wenig geschmeidig das läuft, läßt sich u. a. an Griechenland, aber eben auch in Deutschland, studieren.
Diesen Regelungsbedarf, in mittlerweile erheblicher Größenordnung, aber einfach zu ignorieren, die Sache einfach laufen zu lassen, ist mMn überhaupt nicht gut.
Florian:
Klar ist das nicht gut, es ist sogar desaströs und würde nicht die EZB ihr Mandat extrem weit ausdehnen und wären nicht viele „Rettungspakete“ für Banken und Griechenland geschnürt worden, wäre der Euro längst nicht mehr.
Aber auf alle Zeiten kann man diese Gegenmaßnahmen ja auch nicht fortführen.
Ach ja, und das letzte Rettungspaket für Athen verstößt ja eindeutig gegen den Bundestagsbeschluss. Den dieser fordert die Teilnahme des IWF. Der macht aber nicht mehr mit, bis Griechenland „Schuldenerleichterungen“ bekommt. Unsere Regierung will das auf keinen Fall, und schon gar nicht vor der Wahl. Also macht man einfach weiter, weil die SPD findet das eh okay und die eigenen Leute beißen sich vor der Wahl natürlich auf die Zunge.
Die Selbstentmachtung des deutschen Bundestags erreicht immer neue Etappen.
So oder so: Ich hoffe, wir bekommen nach der Wahl endlich wieder eine vernünftige Opposition. Auf die Regierung hoffe ich schon nicht mehr. :)
Quaestor:
Ne vernünftige Opposition kommt aber auch nur zustande, wenn die CDU die absolute Mehrheit erhält. Heißt also, CDU wählen.
Florian:
Hauptsache nicht wieder Große Koalition.
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