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Bankenkrise

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Quaestor:
Ich sehe in dem ganzen System eh so keinen Sinn mehr. Was bringt eine schwarze Null überhaupt irgendwas? Die Schulden werden doch eh nie wieder zurückgezahlt. Meiner Meinung nach müsste eh eine ganz andere Lösung her.

Florian:
Deutschland zahlt doch ständig zurück. Anleihen haben eben verschiedene Laufzeiten. Es werden natürlich laufend neue Schulden aufgenommen, um diese Anleihen zu begleichen. Unterm Strich sinkt die Verschuldung derzeit aber sogar. Erstens gab es Sondertilgungen aus Überschüssen und zweitens ist natürlich der Zinssatz so niedrig, dass heute gerne die Altschulden durch Neue ersetzt.
Nach wie vor hält Deutschland die Maastricht-Kriterien aber nicht alle ein. Die Gesamtverschuldung liegt bei ~70% des BIP, 60% sind nur erlaubt. Bei den meisten anderen schaut es noch viel schlechter aus. Aber Deutschland kann das schaffen - falls nicht wieder ein Weltkrieg dazwischenkommt oder eine Pleite der Deutschen Bank…

Ich finde auch Haushaltsdisziplin an sich sinnvoll. Man sieht ja, wo zu viele Schulden hinführen. Schon lange vor dem Kollaps geht immer mehr für Zinsen drauf und man hat null Handlungsspielraum in der Politik. Die Situation hatten wir Ende der 90er auch in Ansätzen. Kohl hatte Schröder enorme Probleme vererbt. Die Konsolidierung kostete die SPD dann wohl auf Dauer jede Chance auf die Kanzlerschaft.
Ein wesentlicher Grund war natürlich die Weise, wie man die Wiedervereinigung durchführte.

Aber sich eine Schwarze Null in die Verfassung zu schreiben und sie dogmatisch durchzusetzen, obwohl man sich ja begrenzt Spielraum zugestanden hatte, ist für mich Blödsinn. Und das bei Minuszinsen und riesigem Investitionsstau!

Und bei einem Fonds, der nur die Zinsen investiert, stünden den Schulden ja dem Vermögen gegenüber.
Wir werden der Gelegenheit der Minuszinsen noch lange nachtrauern und uns wundern, wie wir uns diese Chance entgehen lassen konnten.

(Und ich weiß eine Billion ist schwierig mit Minuszinsen erfolgreich zu platzieren. Aber das war nur eine Denkgröße und nach und nach ginge schon sehr viel.)



Quaestor:
Naja, wenn nix dazwischen kommt.
Wie lange müsste denn Deutschland die Schulden zurückzahlen bis wir auf 0 sind?
Und das BIP kannst doch auch vergessen, was da alles reingerechnet wird. Alles Augenwischerei. Geld wird gedruckt ohne Ende.

Irgendwann platzt die Blase und dann kam was dazwischen. Das war schon immer so. Da kann auch niemand was dafür. Es ist systembedingt.

Florian:
Sage ich ja, solange nichts dazwischen kommt. Wie ein Weltkrieg. 1953 gab es ja auch für Deutschland Erleichterungen bei den Auslandsschulden (Londoner Schuldabkommen).

Wie lange Deutschland bräuchte, um die Zinsen zurückzuzahlen? Die Frage ist kompliziert, da ja abhängig von Wirtschaftsentwicklung und Leitzinsen. Es sind ja auch mehrere Ebenen: Kommunen, Länder, Bund. Auf jeden Fall sehr, sehr lange.
Aber eigentlich stellt sie sich auch gar nicht. Wichtig ist, dass man die Zinsen und Anleihen bei Fälligkeit zurückzahlen kann und das geschieht ja nicht auf einmal für alle Anleihen. Und bis auf Ausnahmen wie z.Z. - wo ein kleinerer Teil aus Überschüssen kommt - vollständig aus neuen Schulden. Es geht also darum, dass man neue Kreditgeber findet - und da hatte Deutschland eigentlich noch nie Probleme.

Da die EZB notfalls aushilft, ist ja der Markt ja sowieso ausser Kraft gesetzt. Ich denke mal, dass wird auf Jahrzehnte so bleiben, die alte Politik der Bundesbank wird nicht mehr kommen.
Womit ich aber nicht meine, dass die Zinsen ewig so niedrig bleiben. In der Tat scheint die Inflation die EZB gerade in eine Zwangslage zu versetzen. Stagflation wäre jetzt zwar übertrieben, aber die letzten Jahre wurden von den Regierungen nicht genutzt, um die Probleme anzugehen. 

radneuerfinder:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/mario-draghi-in-der-kritik-die-geldpolitik-macht-den-kapitalismus-kaputt-a-1132711.html

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