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Bankenkrise

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radneuerfinder:
Das ist für mich eben schon die Frage. Ist die Krise ein Fehler innerhalb der aktuellen Wirtschafts- und GeldOrdnung, oder beschleunigen die Fehler ein in dieser Ordnung angelegtes Muster?

warlord:

--- Zitat von: radneuerfinder am Juni 17, 2012, 15:01:42 ---Ist die Krise ein Fehler innerhalb der aktuellen Wirtschafts- und GeldOrdnung,
--- Ende Zitat ---

Ich denke, in gewissem Sinne schon, ja. Krisen sind IMO immer Auswüchse von Fehlentwicklungen. Und da es die perfekte Volkswirtschaftsordnung nicht geben kann, sind Krisen letztlich auch unvermeidlich. Und eben auch nicht nur schlecht. Sondern notwendiger Antrieb zur Veränderung und Verbesserung der Ordnung. Aber heute muss man wohl eher sagen: sie wären es oder sollten es sein.

Dazu müsste man sie aber endlich zulassen. Seit Jahren ist von einer Krise die Rede, die aber leider noch nicht stattgefunden hat. Seit Jahren schiebt man deren Eintreten hinaus, weil (fast) niemand die notwendigen Veränderungen und Verbesserungen der Ordnung mögen würde. Wegzaubern kann man sie IMO aber nicht. Sie wird unweigerlich kommen. Und je länger man sie hinaus zögert, um so mehr Korrekturbedarf hat sich angehäuft und umso weniger werden wir alle die notwendigen Korrekturen mögen. 

Für einen Entscheid zwischen Keynesianer und "Sparfanatiker" (die ich allerdings nirgendwo wirklich sehen kann, auch wenn Deutschland dieses Attribut gerne verliehen wird) ist es viel zu spät. Keynes trat für einen azyklisch agierenden Staat ein, nicht für unbeschränkt ausufernde Staatsausgaben. Bei Hochkonjunktur einen eng geschnallten Gürtel. Und ein Verlegen von zyklischen Staatsausgaben und damit eine Erhöhung von Staatsausgaben in Zeiten von Wirtschaftskrisen, um so diese unvermeidlichen Phänomene etwas abzuschwächen. Aber Europa hat während der Hochkonjunktur alles andere getan, als Keynes gehuldigt. Es jetzt plötzlich zu tun, ist im Prinzip das Gegenteil von dem, was Keynes eigentlich predigte.

radneuerfinder:

--- Zitat von: warlord am Juni 17, 2012, 17:08:22 ---da es die perfekte Volkswirtschaftsordnung nicht geben kann, sind Krisen letztlich auch unvermeidlich

--- Ende Zitat ---

schade

Florian:
Es wurden ja auch im Kapitalismus schon Etat-Überschüsse erwirtschaftet. Unsereins kennt es nur nicht mehr anders, als das immer mehr Schulden aufgehäuft werden.

Natürlich hat Jeder seine eigene Meinung, warum es diese Schulden gibt. Zu wenig Steuern oder einen zu gefrässigen Staat etc.

Nach meiner Logik steht der Zinseszins auch nicht zwingend in Verbindung mit dem Kapitalismus. Wobei der vielerorts geforderte Negativzins hierzulande ja gerade (mal wieder) stattfindet. Das dürfte tendenziell noch zunehmen durch steigende Inflation.

Die soziale Marktwirtschaft war m.E. ein guter Kompromiss und auch gut nachzujustieren.
Leider haben wir sie aufgegeben.
Erst uferten die Staatsausgaben aus (Staatsquoten von über 50% weisen dann doch eher auf Sozialismus hin, oder?), dann ließ man das Großkapital Befehle erteilen. „Was uns nützt, ist für alle gut!“.
Das da was nicht stimmen kann, sollte jedem halbwegs intelligenten Menschen eigentlich auffallen. Genauso, dass die Aufnahme von Griechenland in die Währungsreform durch nichts zu rechtfertigen ist. Man winkte es durch aus Großmannssucht und dem typischen Politikerreflex: „Ausbaden müssen es dann eh andere.“.

Natürlich generalisiere ich hier. Aber diese ganzen Revolutionen, die wir angeblich brauchen, sind doch Pfeifenträume.
Weder kommen die Vereinigten Staaten von Europa noch kommt irgendeine total neue Wirtschaftsordnung. Es ist ein langer, harter Kampf.

warlord: Die Krise ist schon da, ist man z.B. Grieche oder Ire.


Und die Wahl in Griechenland? Laut Prognose wieder keine klare Mehrheit:
http://www.tagesschau.de/ausland/griechenlandwahl132.html

Florian:
Finanzministerium errechnet bisherige Bürgschaften mit 320 Mrd. Euro.
Target2, und die Anteile am Risiko der immer mehr zur Bad Bank werdenden EZB nicht mitgerechnet - da kommen ja manche schon auf eine Billion. Eben wurde die Qualität der nötigen Sicherheiten für EZB-Kredite wieder einmal gesenkt auf Schrottniveau. Aber ein Ausstieg wäre noch viel teurer - sagt das Ministerium.

Dann gibt es jetzt noch das neueste Papier als Diskussionsvorschlag für den nächsten Gipfel. Klare Tendenz: Mehr Vergemeinschaftung der Schulden.

Merkel meckert zwar mit dem schön missverständlichen O-Ton:

--- Zitat ---es werde keine gesamtschuldnerische Haftung innerhalb der Europäischen Union gebe, „solange sie lebe“.
--- Ende Zitat ---
Gesamtschuldnerisch kann man so oder so verstehen. Das ist ein schönes Schlupfloch.

Das geht jetzt wohl so lange, bis die „Märkte“ auch Deutschland kein Geld mehr leihen. Und dann? Kommen die nächsten leider alternativlosen Notreformen.
Nur mal zur Erinnerung: Wir haben auch selbst massive Probleme. Ganz ohne „noch eine Vereinigung“.

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