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Schon gewählt?

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Florian:

--- Zitat von: fränk am September 21, 2005, 13:06:33 ---Joschka hat schon 'mal den Abgang gemacht. Er hat gewußt, daß er keinen Regierungsposten mehr bekommt.
--- Ende Zitat ---

Aber nur bzgl. Parteiposten! Minister würde er schon noch machen.



--- Zitat ---Schäuble kann ich mir nicht vorstellen.
Die Leute wollten vor drei Jahren keinen "Radikalen" (ja, ja. Ich weiß Flo, Stoiber ist kein Radikaler, er erscheint den Leuten aber so), diesmal wollten sie keine Frau und einen (sorry für den Ausdruck) Krüppel wollen sie auch nicht.
--- Ende Zitat ---

Glaube ich nicht. Schäuble hat hohe Popularitätswerte, außerdem wäre er ja in meinem Modell nur Kanzler für eine Periode und stände überhaupt nicht zur Wahl!


--- Zitat ---Wulf(f?) scheint im Moment "Prince Charming" zu sein.

--- Ende Zitat ---

Und genau darum wird er nicht Kanzler einer großen Koalition. Oder glaubst Du, die SPD will bei der nächsten Wahl gegen einen beliebten, vgl. jungen Politiker antreten, der den Kanzlerbonus mitbringt? Wen hätte die SPD diesem Kanzler entgegenzustellen? Einzig Beck ist da vielleicht populär genug, aber wer wählt den grauen Vollbart gegen den jungenhaften Kanzler? Also hätte auch er keine Chance.

fränk:

--- Zitat ---Und genau darum wird er nicht Kanzler einer großen Koalition. Oder glaubst Du, die SPD will bei der nächsten Wahl gegen einen beliebten, vgl. jungen Politiker antreten, der den Kanzlerbonus mitbringt? Wen hätte die SPD diesem Kanzler entgegenzustellen? Einzig Beck ist da vielleicht populär genug, aber wer wählt den grauen Vollbart gegen den jungenhaften Kanzler? Also hätte auch er keine Chance.
--- Ende Zitat ---

Flo Du bist eine durchtriebener Taktiker. ;)
Bist Du politisch aktiv? Auf dem Weg nach oben? ;D

fränk:

--- Zitat ---Schäuble hat hohe Popularitätswerte
--- Ende Zitat ---

Da bin ich mir nicht so sicher.

Die Riege der Meinungsforscher ist ja seit dem Wochenende in Erklärungsnot.
In einem Radiointerview sagte gestern ein Meinungsforscher, die Leute hätten bei der Frage, ob sie sich eine Kanzlerin vorstellen könnten, schlich weg gelogen.

Es ist nämlich politisch "inkorrekt" eine Frau nicht zu wollen, weil sie eine Frau ist. Also wird der Meinungsforscher belogen und an der Urne der Mann (bzw. seine Partei) gewählt.

Dem Meinungsforscher zu sagen, ich will Schäuble nicht, weil der behindert ist, wäre noch ein Stück weniger "politisch korrekt". Auch da könnten die Werte am Wahltag ganz andere sein.

Florian:

--- Zitat von: fränk am September 21, 2005, 13:25:22 ---Flo Du bist eine durchtriebener Taktiker. ;)
Bist Du politisch aktiv? Auf dem Weg nach oben? ;D

--- Ende Zitat ---

Eher nach unten. ;D
Ich war mal aktiv, aber das war mir zu viel Stress mit absolutem Kleinkram. V.a. aber klappte es zwischenmenschlich in diesem Ortsverein überhaupt nicht. Die Alternativen: a) woanders hinfahren und b) Parteiwechsel erschienen mir dann doch übertrieben...


--- Zitat von: fränk am September 21, 2005, 13:39:23 ---
--- Zitat ---Schäuble hat hohe Popularitätswerte
--- Ende Zitat ---

Da bin ich mir nicht so sicher.

Die Riege der Meinungsforscher ist ja seit dem Wochenende in Erklärungsnot.
In einem Radiointerview sagte gestern ein Meinungsforscher, die Leute hätten bei der Frage, ob sie sich eine Kanzlerin vorstellen könnten, schlich weg gelogen.
--- Ende Zitat ---

Das ist eine typische Selbstschutzbehauptung. Lügen der Befragten kann man mit einfachen Mitteln entlarven, daß wird alles mit eingerechnet. Aber wenn der Herr Meinungsforscher was falsches rauskriegt, sind natürlich die Leute schuld, nicht der Herr Meinungsforscher.
Tatsache ist, daß die Demoskopie an verschiedenen Dingen krankt:
a) wird sie oft schlampig gemacht, Qualität erfordert hier eben viel Zeit, ein simpler Fragebogen mit drei Kreuzen reicht eben nicht aus. Das wird verschärft durch:
b) Umfragen werden heute praktisch zweimal täglich angefordert und:
c) auch in diesem Bereich herrscht gnadenlose Konkurrenz
d) aus Kosten- und Zeitdruck werden immer mehr Unqualifizierte mit der Fragerei betraut
e) Viele "Meinungsforschungsinstitute" haben bevorzugte Kunden und umgekehrt, es gibt durchaus Gefälligkeitsergebnisse, denn schließlich sind Umfragen heute auch eine geeignete Waffe in Politik und Wirtschaft.

Über all diesen (und anderen Punkten) thront noch das statistische Grundproblem. Wie bekommt man eigentlich einen wirklich guten Schnitt, wie evaluiere ich die Ergebnisse? Kann ich den Leuten wirklich unterstellen, sie sagen etwas anderes, als die denken, weil es statistisch wahrscheinlich ist, daß ein bestimmter Prozentsatz eben keine Frau wählt?
Und dann ist es natürlich schon so:
Die Leute sind heutzutage eben viel "unentschlossener". Sie gehören ja auch nicht mehr zu einer bestimmten sozialen Gruppe, sondern in aller Regel zu mehreren, in unterschiedlichen Anteilen und zwischen diesen Gruppen und deren Rändern diffundiert es heutzutage eben gewaltig, was der Soziologie und Demoskopie natürlich enorme Herausforderungen stellt.

Daher müssen in jeder Studie eigentlich verschiedenste Methoden herangezogen werden, schon in der Auswahl der Befragten. Es ist eben nicht jede gesellschaftliche Gruppe auf dem Marktplatz in den "richtigen" Prozentsätzen anwesend und selbst wenn würden die Frager sie nicht proportional "richtig" auswählen. Das gilt ebenso fürs Telefon und alle anderen Methoden.
Im Interview müssen zwingend Fragen enthalten sein, die die jeweils andere verifizieren oder eben nicht.
300 Leute sind eben viel zu wenig, 1000 auch noch, wenn man dann so plakative Aussagen daraus zaubert.
Das Ergebnis muss dann, unter Hinzunahme aller möglichen Datenerhebungen, korrekt gewichtet werden.
Und so weiter.

Es *ist* möglich, ein Umfrageergebnis zu bekommen, daß *so ziemlich* den Tatsachen entspricht. Nur halt nicht, wenn von Anfang bis Ende andere Faktoren als die Wissenschaft ins Spiel kommen (Geld, Zeitdruck, zu viele Gefühle, Unvermögen etc.).


--- Zitat ---Es ist nämlich politisch "inkorrekt" eine Frau nicht zu wollen, weil sie eine Frau ist. Also wird der Meinungsforscher belogen und an der Urne der Mann (bzw. seine Partei) gewählt.

Dem Meinungsforscher zu sagen, ich will Schäuble nicht, weil der behindert ist, wäre noch ein Stück weniger "politisch korrekt". Auch da könnten die Werte am Wahltag ganz andere sein.

--- Ende Zitat ---

Wie gesagt, eigentlich würde das alles eingerechnet. Nur bei neuen Phänomenen tut man sich halt schwer. So war es mit der NPD in Sachsen, und auch die Merkel war ja die erste Kanzlerkandidatin überhaupt.
Wenn das so zutrifft, hat man einfach nicht die richtigen Fragen gestellt, hier liegt der Hund begraben, nicht bei den böse, bösen Lügnern.


Fragen wir doch mal andersherum:
Wenn jetzt behauptet wird, die Union hätte so schlecht abgeschnitten wegen der "Tatsache Frau"... ist das eigentlich bewiesen in wissenschaftlich korrekten Studien?
Mit anderen Worten: Die quatschen momentan halt alle, was ihnen gerade einfällt, die Beweise haben sie nicht!


Bzgl. Schäuble weiß ich nicht, habe ihn aber auch nur im Kontext meines Modells genannt, eben als "Zwischenkanzler".

fränk:
Einer der Frontmänner eines Institutes, hat doch in ARD oder ZDF tatsächlich gefordert, die Umfragezurückhaltung in der Woche vor der Wahl zu überdenken.
Wenn nämlich am Dienstag und am Freitag vor der Wahl noch mal umgefragt wird, dann sind die Überraschungen bis Sonntag nicht mehr so heftig.
Also liegst Du wohl richtig. Die Demoskopen machen keine Fehler, nur die Wahlkälber geben die falschen Antworten.

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