Wroschel, engster Vertrauter der aktuellen Majestät der Apfelinsel, staunte nicht schlecht, als er eine augenscheinlich menschliche Gestalt im Labor von Jockel Eisig wie eine Flipperkugel von Wand zu Wand taumeln sah. Er vermutete, es handele sich um einen Menschen, da aus dem seltsamen Kostüm unten zwei Beine ragten und der größte Teil mit der Kleidung von Jockel Eisig, dem Erfinder und Architekten der Apfelinsel, bedeckt war.
Dort, wo keine Kleidung zu sehen war, ragten Schläuche aus zwei Gasflaschen am Rücken der Gestalt, die in einen seltsamen Kasten mündeten, aus dem wiederum ein dicker Schlauch ragte. Der Schlauch verschwand seinerseits in der altertümlichen Taucherglocke, die dort saß, wo man üblicherweise den Kopf eines Menschen vermuten würde. An dem Kasten blinkten unablässig kleine Lämpchen und aus dem Helm, pardon, der Taucherglocke, entwich von Zeit zu Zeit ein Zischen, als wenn Überdruck abgelassen werden musste.
Nach weiteren fünf Minuten, in denen die taumelnde Gestalt, streng der Chaostheorie folgend, die Wände des Laboratoriums ablief, fasste Wroschel all seinen Mut zusammen und öffnete mit einem mutigen Griff die vordere Glasklappe an der Glocke. Mit lautem Zischen entwich die Luft und Wroschel wurde für einen kurzen Moment schwindelig zumute. Eisig, der sich nun offenbarte und die Taucherglocke abnahm, sank erschöpft auf die Knie und fummelte sofort an dem kleinen Kasten herum. Als er fertig war, hob er den Kopf und blickte Wroschel mit dem fiebrigen Blick eines Kindes kurz vor der Bescherung an »Hast du so etwas schonmal gesehen?«, fragte er den staunenden Wroschel. »Äh, nein, so etwas durfte ich bisher noch nicht sehen.«, antwortete dieser wahrheitsgetreu. Nachdem Eisig sich umständlich von den Geräten befreit hatte, winkte er Wroschel an einen Bildschirm und gestikulierte wild herum, während er ihm die ganze Perfektion und Einzigartigkeit seiner Erfindung offenbarte.
»Hier, normalerweise sind die Teilchen in einem Aerosol, welches zu medizinischen Zwecken eingeatmet wird, knapp unterhalb 10µm und damit lungengängig. Dummerweise bleiben immer noch ca. 10% davon an den Schleimhäuten hängen und können nicht wirken. Ich habe eine Methode entwickelt, mit der ich die Teilchen auf ein Maß unterhalb der Aitken-Kerne bringen kann. Das heißt, mein lieber Freund, «, er klopfte Wroschel väterlich auf die Schulter, »meine Schwebeteilchen in meinem hochkonzentrierten Aerosol sind kleiner als 0,01µm und damit suprawirksam.«.
Er schaute Wroschel euphorisch an. Dieser machte ein ziemlich belämmertes Gesicht. »Ich verstehe zwar ungefähr was du getan hast, was aber hat das mit deinem Zustand von eben zu tun?«, fragte Wroschel ein wenig unsicher, wie er sich nun verhalten sollte. »Ah! Das ist eine wirklich intelligente Frage! Du hast also gut aufgepasst. Nun, ich nahm einen Stoff namens Gamma-Hydroxybuttersäure und haben ihn solange verkleinert bis ich seine Größe nur noch mittels meines extra dafür erfundenen CPC – Condensation Particle Counter – ermitteln konnte. Danach war es nur noch ein Kinderspiel, dieses Aerosol in einer perfekten Mischung dem menschlichen Körper zuzuführen.«
Wroschel schaute Eisig an. Er hatte absolut keinen blassen Schimmer, was dieser ihm gerade erzählt hatte. Seinen Worten zufolge musste Jockel Eisig die gesamte inhalationstherapeutische Medizin revolutioniert haben. »Eisig, sag mir doch einfach, für was diese Erfindung benötigt wird.« Eisig war einen Moment irritiert, schien sich aber dann an seine Erfindung zu erinnern und antwortete kurz »Na, für die Narkose vor einer Operation. Die Leute können über eine kleine Sprayflasche narkotisiert werden. Keine Nadeln, kein Blut und, das ist das allerbeste, keine Rückstände des Mittels.«.
An der Tür zum Labor räusperte sich jemand laut. Wroschel und Eisig fuhren herum. In der Tür stand Von den Tannen, der Minister des HFS+ und grinste die beiden breit an. »So so, sie können also Menschen rückstandslos narkotisieren. Eisig, bringen sie mir zehn Tauchflaschen mit dem Zeug. Ich will dies in einem Versuch unter Wasser mit einigen, nun, Freiwilligen der Opposition, auf militärische Tauglichkeit überprüfen. Ach, und bitte überprüfen sie die Schwebeteilchen hier in diesem Aerosol auf ihre Herkunft.«, sprach der Minister und hielt Eisig eine Flasche besten Rotwein hin. »Äh, das ist Wein, Herr?« »Ja, aber da er Schwebeteilchen hat, ist er doch auch als Aerosol zu betrachten. Und wenn er schmeckt, ist er auch recht flüchtig, oder?«. VdT lachte heiter, ging davon und bastelte in Gedanken aus dem Wort Schwebeteilchen bereits Schwebeleichen. Wroschel und Eisig hatten ihren Minister noch selten so gut gelaunt gesehen.
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