Der große Häuptling Matto sah sich wieder in die Defensive gedrängt. Er würde Hrnalda schon noch heiraten! Aber sie hörte nicht auf zu drängeln.
Er verteidigte sich: „Ich muss doch die Heja-drdr-Bräuche beachten, und die verlangen, dass der zukünftige Ehemann alle ehemaligen Geliebten noch einmal besucht.“
Dieses Goodbye-Schaukeln war Hrnalda natürlich ein großer Dorn im Auge, doch als eingewanderte Dubblbas musste sie es hinnehmen. Leider hatte niemand ihr gesagt, dass es sich in Mattos Fall um eine ganze Busladung von Frauen handeln würde.
„Wie schon oft betont, diese vielen Kontakte waren nicht amorös, sondern politisch intendiert!“
Hrnalda hatte da ihre Zweifel: „Schön gesprochen, aber jetzt ist es damit vorbei und Politik wird am Schreibtisch erledigt!“
Er bejahte geflissentlich. Nur Freundschaften gelte es zu erhalten, insbesondere zu der Staatssekretärin für die Belange der Menschen ohne Migrationshintergrund. „Selbstverständlich nur im Stammesinteresse!“ Schließlich spielte sie eine große Rolle bei der Bewilligung von Fördergeldern.
Sie konterte: „Gut! In diesem und nur diesem Sinne werde ich dann vielleicht auch eine Freundschaft eingehen mit leitenden Infrastruktur-Beamten Rempeleber.“
Die Stille am Tisch dauerte einen Moment zu lange.
Da begann Matto zu singen nach einer bekannten Melodie.
„Es ist der Frühling meiner Liebe“
Hrnalda stimmte ein:
„Vorbei ist deine Jagdsaison“
Im Wechsel:
- „Du bist die Sonne meines Wachsens“
- „Und bald ist unsre Hochzeit schon!“
- „Glühend stimm ich mich drauf ein.”
-„Das ist schön, am Ersten soll es sei-ei-ein!“
Ein so dummes Gesicht hatte sie an ihm noch nie gesehen.
„Ja, am Sonntag heiraten wir. Ich habe schon alles mit dem Stammesältesten arrangiert und alle Einladungen rechtzeitig abgeschickt.“
Sie beobachtete genau seine Reaktion, er schien irgendwie doch erleichtert zu sein.
Matto begann zu rechnen. „Bis dahin muss ich noch 17 Besuche machen!“
Hrnalda lächelte. „Na und, andere schaffen das in einer Nacht!
Der Häuptling schwang sich umgehend auf seine Indian und gab Gas, die Liste wollte er möglichst schnell abarbeiten. Diese ganzen Kontakte waren sowieso wertlos in Vergleich mit dieser Meisterin an seiner Seite.