Harter Alltag

Der königliche Diwan beugte sich ein wenig unter der Last von Mief Mops. In seiner Nichtdehn-Übung glich er einem hingeschmissenen Sack Äpfel.

Die Langeweile kroch in des Königs Gehirnwindungen und erreichte schließlich das Sprachzentrum:
„WROSCHEL! Mir ist langweilig!“

Der königliche Herold eilte herbei: „Sogleich, mein König, was würde euch gefallen?“
„Was hast du da für Papiere?“
Wroschel wroschelte die Papiere durch. „Ach, dass ist nur die Kostenberechnung für unsere Yachtflotte.“ Mief Mops gähnte. „Laaaangweilig!“
Wroschel wusste, was nun folgte: Versuch und Irrtum bis zum Abend.

„Aufzeichnung Eurer Krönungszeremonie?“ – „Laaaangweilig!“
„Gerade läuft ein Apfelball-Match.“ – „Laaaangweilig!“
„Soll ich Miss Apfeltorte kommen lassen?“ – „Laaaangweilig!“
„Etwas schlankeres? Das Insel-Ballet wäre greifbar.“ – „Laaaangweilig!“
„Ein Blick ins Steve-Jobs-Archiv?“ – „Laaaangweilig!“
Wroschel seufzte.
„Ballern mit General Niemand?“ – „Laaaangweilig!“
„Apfelstapeln im königlichen Pool?“ – „Laaaangweilig!“
„Einige Dissidenten im Knast verhöhnen?“ – „Laaaangweilig!“
„Modell-U-Boote basteln?“ – „Laaaangweilig!“
„Ein Duett mit Siri? – „Laaaangweilig!“
„Eure Erlebnisse schildern und vom Chronist… äh, nein, dass geht jetzt nicht.“

Mief Mops richtete sich auf. „Was geht nicht?“
Wroschel blickte zu Boden. „Leider haben wir keinen Chronisten mehr, der die königlichen Gedanken in die richtigen Worte fassen könnte.“
Mief Mops war seinem Amt entsprechend empört. „Was soll das heißen? Ich will jetzt Geschichten erzählen und sie aufgeschrieben haben!“

Wroschel schilderte seinem König, wie der hochbegabte Hofchronist sich mit Bedauern verabschiedet hatte. Unter großer Anteilnahme seiner treuen Leser segelte er westwärts, um sich neuen Aufgaben zu widmen.

Mief Mops war nicht mehr zu beruhigen. „Holt mir einen neuen Chronisten! Irgendeinen! Sofort!“

Wroschel begab sich ins nahegelegene Kaffeehaus. Hier musste doch ein Schreiber zu finden sein. Und siehe da, dort brütete auch schon ein Mann mit zersausten Haaren über einem leeren Blatt Papier. Ehe der Hafenarbeiter, der seine Zeche zusammenrechnete, richtig begriff, wer da vor ihm stand, war er schon auf königlichem Befehl hin als Chronist zwangsverpflichtet.

Die beiden gingen in den Palast. Der neue Hofchronist war voller Anspannung. Immerhin war der Monarch für seine Launen berühmt. Und heute war so gar nicht sein Tag.
Doch als sie schließlich im royalen Diwanzimmer ankamen, lag Seine Überdrüssigkeit in tiefem Schlummer. Auf dem Tisch die kläglichen Reste einer Apfel-Sahne-Torte.

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